Rohstoff-Preisexplosion zehrt an den Nerven der Anleger

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Frankfurt, 07. Mrz (Reuters) – An den Börsen geht die Angst vor einer Energiekrise um. Die Diskussion um ein Verbot russischer Gas- und Öl-Lieferungen trieb den europäischen Erdgaspreis am Montag zeitweise auf ein Rekordhoch. Der Ölpreis zog bis auf ein 13-1/2-Jahres-Hoch an, was die Nervosität der Anleger schürte.

An der Wall Street verlor der Dow-Jones-Index der Standardwerte 1,9 Prozent auf 32.956 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq sackten je 2,1 Prozent auf 4234 und 13.024 Punkte ab. „Wenn Sie die Kombination der Auswirkungen der Covid-Pandemie, der erhöhten Inflation und der Situation in Russland haben, ist dies der Grund für die erhöhte Volatilität“, sagte Greg Bassuk, Investmentexperte von AXS Investments. „Wir sind sehr optimistisch in Bezug auf Aktien, aber wir warnen die Anleger, sich auf einen wilden Ritt in den nächsten Wochen einzustellen.“

Auch der deutsche Leitindex Dax verlor zwei Prozent auf 12.834 Punkte. „Bei einem Verbot von Energie-Importen werden wir kurzfristig in eine Situation kommen, in der die Regierungen bestimmte Rohstoffe rationieren müssen“, warnte Elwin de Groot, Chef-Anlagestratege der Rabobank. „Es wächst die Furcht, dass der Konflikt die Weltwirtschaft, die sich bereits jetzt mit der Überwindung der Pandemie-Folgen schwer tut, belastet“, sagte Kunal Sawhney, Chef des Research-Hauses Kalkine.

ANALYST – ÖLPREIS KÖNNTE AUF MEHR ALS 200 DOLLAR STEIGEN

Wegen der Embargo-Diskussion sprang der Erdgas-Future bis auf ein Rekordhoch von 335 Euro je Megawattstunde, grenzte sein Plus anschließend aber auf noch fünf Prozent auf 215 Euro ein. Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee sprang zeitweise um knapp 20 Prozent nach oben und erreichte mit 139,13 Dollar je Barrel (159 Liter) ein 13-1/2-Jahres-Hoch. Auch hier nahmen Anleger daraufhin Gewinne mit, am Nachmittag lag der Preis noch bei 123 Dollar. 

Im belarussischen Brest fanden erneut russisch-ukrainische Verhandlungen zum Thema Fluchtkorridore für Zivilisten statt. „Angesichts der Tatsache, dass sie gerade jetzt sprechen, nachdem es am Wochenende viel Rhetorik gab und sich die Situation in der Ukraine verschlechterte, halten die Händler hier einen Moment inne und versuchen, Gewinne zu verbuchen“, sagte Marktstratege Bob Haberkorn vom Broker RJO Futures Senior. Strategen rechnen aber mit weiteren Preissprüngen. „Bei einer Sanktion sämtlicher russischer Energie-Exporte würde mich ein Brent-Preis von mehr als 200 Dollar nicht überraschen“, sagte Volkswirt Howie Lee von der Bank OCBC. 

NICKELPREIS STEIGT UM 78 PROZENT

Das bei der Stahl-Herstellung eingesetzte NickelCMNI3 legte einen Rekord-Kurssprung von rund 78 Prozent hin und notierte mit 51.600 Dollar je Tonne so hoch wie zuletzt vor fast 15 Jahren. „Das Angebot war ohnehin schon knapp“, sagte Kalkine-Experte Sawhney. „Wenn ein großer Lieferant ausfällt, löst das einen Kaskadeneffekt aus.“

Der Weizenpreis gab nach dem Sprung auf ein Allzeithoch von 424 Euro je Tonne einen Teil der Gewinne ab. Der europäische FutureBL2c2 stand noch sechs Prozent höher bei 396 Euro je Tonne. „So lange die Kämpfe in der Ukraine nicht enden, ist eine Wiederaufnahme der Exporte aus Russland und der Ukraine nicht zu erwarten“, sagt ein Börsianer. Da die Abnehmer nun verzweifelt auf der Suche nach anderen Quellen seien, drohten Ausfuhr-Beschränkungen anderer Produzenten. Ungarn hat Weizen-Exporte bereits mit sofortiger Wirkung verboten.

ZAHLUNGSABWICKLER UNTER DRUCK – RÜSTUNGSWERTE GEFRAGT

Aktien von US-Zahlungsabwicklern sackten nach der Einstellung ihrer Geschäfte in Russland infolge des Kriegs gegen die Ukraine ab. Titel des Kreditkartenanbieters American Express verloren 6,1 Prozent. Visa, Mastercard und PayPal fielen zwischen drei und 4,4 Prozent. Unter die Räder gerieten auch Reise- und Tourismusaktien. Papiere des Kreuzfahrtanbieters Royal Caribbean fielen um 6,6 Prozent, Titel der Fluggesellschaft United Airlines brachen um mehr als zehn Prozent ein.

Erneut legten sich Anleger hingegen Titel von Rüstungskonzerne in die Depots. L3Harris Technologies, Northrop Grumman und Lockheed Martin gewannen zwischen ein und zwei Prozent.

Rohstoff-Preisexplosion zehrt an den Nerven der Anleger

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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