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Donnerstag, Dezember 1, 2022

Porsche taugt nicht als „Eisbrecher“ für Börsengänge

Expertenmeinungen

London, 28. Sep – Porsche könne zum „Eisbrecher“ werden und den Weg freimachen für andere Börsengänge in Deutschland und Europa, hatten Investmentbanker gehofft. Nun rast der Stuttgarter Sportwagenbauer zwar regelrecht in die Depots der Investoren – doch weitere Börsenkandidaten in seinem Windschatten sind angesichts der Konjunkturängste und der Börsenflaute kaum in Sicht. „Eine Transaktion allein kann die Schleusentore nicht öffnen. Dazu müsste die gesamtwirtschaftliche Lage besser vorhersehbar sein und die Volatilität an den Aktienmärkten geringer“, sagt Antoine de Guillenchmidt, Co-Chef des Geschäfts mit Eigenkapital-Transaktionen (ECM) bei Goldman Sachs. Trotz der 9,4 Milliarden Euro schweren Rekordemission von Porsche droht für Börsengänge ein schwarzes Jahr.

In ganz Europa haben Börsengänge in diesem Jahr bisher nur 4,5 Milliarden Dollar eingebracht. Im dritten Quartal erlösten Unternehmen mit Neuemissionen, Kapitalerhöhungen und Aktienplatzierungen zusammen nach Daten von Refinitiv nur acht Milliarden Dollar – so wenig wie noch nie. Mit der Porsche AG allein kommen nun mehr als neun Milliarden Dollar dazu. 

„Porsche hat sich vom allgemeinen Markttrend völlig abgekoppelt“, staunt ein bekannter Automobil-Banker. Doch das ist der Grund, warum der Börsengang anderen Kandidaten wenig Mut macht. Ihnen fehlt die Anziehungskraft und Faszination, die die Volkswagen-Tochter mit ihren begehrten Produkten und dem wohlhabenden, daher konjunkturunempfindlichen Kundenstamm ausübt. „Die positive Resonanz der Investoren auf Porsche hilft sicher, was die Stimmung angeht, wird aber nicht zwangsläufig in nächster Zeit für mehr Aktivität sorgen“, sagt Martin Thorneycroft von Morgan Stanley.

GALDERMA UND NUCERA WARTEN AB

Lawrence Jamieson, ECM-Europa-Chef bei Barclays, rechnet bis zum Jahresende in Europa allenfalls noch mit drei Börsengängen: „Das sind alles größere, liquide, defensivere Werte, die seit einiger Zeit in den Startlöchern sitzen und die Vorbereitungen über den Sommer nicht ganz eingestellt haben.“ Unternehmen wie der schweizerische Hautpflege-Konzern Galderma aus dem Besitz des Finanzinvestors EQT und Mecalux, ein spanischer Hersteller von Lagersystemen, sind eigentlich bereit für einen Börsengang, warten aber auf ein besseres Umfeld. Ein Fenster könnte sich 2022 nur für erstklassige Anwärter öffnen oder für solche, die einen guten Grund nennen können, warum sie den Börsengang jetzt machen, sagt Thorsten Pauli von der Bank of America.

Aus Deutschland wird regelmäßig die Wasserstoff-Tochter von Thyssenkrupp, Nucera, als aussichtsreicher Kandidat genannt. Der italienische Nucera-Minderheitsaktionär De Nora hatte seinen Börsengang im Frühjahr trotz widriger Umstände durchgezogen. Doch Thyssenkrupp zögert: Grundsätzlich sei das weiter die erste Wahl, aber das „Kapitalmarktumfeld für einen schnellen Börsengang derzeit eher ungünstig“, hieß es in der vergangenen Woche. So geht es vielen Unternehmen. „Sie wissen, dass die Geduld brauchen und auf 2023 warten müssen – oder nach Alternativen suchen“, sagt Suneel Hargunani von Citi.

Porsche allein kann die magere Bilanz der Investmentbanker nicht retten. Sie haben nach Refinitiv-Daten in diesem Jahr in Europa im ECM-Geschäft erst 1,14 Milliarden Dollar an Gebühren eingenommen, so wenig wie seit zehn Jahren nicht und 77 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Normalerweise kassieren sie zwischen zwei und drei Prozent des Emissionsvolumens. Porsche zahlt laut Börsenprospekt nur ein Prozent – abzüglich der Beträge, die die Ankerinvestoren versprochen haben. Auf dieser Basis dürften den Banken nur etwa 60 Millionen Dollar bleiben.

Porsche taugt nicht als „Eisbrecher“ für Börsengänge

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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