Sonntag, Mai 3, 2026
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Europa nach wie vor günstig bewertet

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Europa Wachstum Aktien im Bewertungsvergleich Francesco Sedati_Eurizon

Europäische Aktien weisen nach wie vor einen erheblichen Abschlag gegenüber den US-Aktien auf, obwohl für die Jahre 2026 und 2027 eine ähnliche Gewinnentwicklung erwartet wird. Diese Bewertungslücke stellt nach wie vor eine Chance dar, die sich mit der Zeit teilweise schließen dürfte, sobald Europa durch fiskal- und wirtschaftspolitische Maßnahmen sowie Regulierungsreformen wieder verstärkt auf Wachstum in Europa setzt. Der Konflikt im Iran ist unserer Ansicht nach ein kurzfristiger Rückschlag in diesem Konvergenzprozess, da die höheren Energiekosten Europa gegenüber den USA benachteiligen. Angesichts der Tatsache, dass wir davon ausgehen, dass der Konflikt nur vorübergehend ist, sehen wir die aktuelle Volatilität als Möglichkeit für Anleger.

Makroökonische Faktoren wie Zinssenkungen oder wirtschaftliche Stabilisierung bleiben wichtige Performance-Treiber, da sie einen Wirtschafts- und Gewinnwachstumspfad unterstützen dürften, der sich dem der USA annähert. Die Reaktion der EZB auf den Anstieg der Ölpreise und möglicherweise der Inflation zu bewerten, wird wichtig sein, um zu verstehen, ob die Unterstützung des Wachstums Vorrang vor der Preisstabilisierung erhält.

Nachhaltige Dynamik oder kurzfristige Erholung?

Wir glauben, dass hinter der Erholung Europas mehrere strukturelle Treiber stehen: fiskalische Impulse, ein Prozess der Banken- und Finanzintegration sowie eine klare und sichtbare Umstrukturierung des Unternehmenssektors, die in vielen Ländern, angefangen bei Deutschland, stattfindet. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende und zyklische Entwicklung handelt, sondern dass alle Voraussetzungen gegeben sind, um wieder an Schwung zu gewinnen, sobald sich der Konflikt im Iran beruhigt hat.

Europa ist angesichts des potenziellen Wachstums, das es in den nächsten Jahren entfalten kann, günstig bewertet. Zudem stellt es ein wichtiges Element der Diversifizierung dar, da sich die Wachstumsmotoren von denen in den USA und Asien unterscheiden. Diese werden weitgehend, wenn nicht sogar ausschließlich von Technologie und KI angetrieben. Die US-Märkte werden stark von einigen wenigen großen Technologieunternehmen dominiert. Dieses Konzentrationsrisiko für Portfolioentscheidungen ist in der Tat relevant, da ein Großteil der Performance von wenigen Aktien und Positionen an den US-Märkten getrieben wird. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, können Zweifel an der Nachhaltigkeit des Technologie- oder KI-Trends erhebliche Auswirkungen auf den absoluten Drawdown des Portfolios haben. Deshalb ist Europa eine diversifizierende Komponente in einem Portfolio, da sein Wachstum auf anderen Treibern beruht: Wirtschaftsausgaben, die Erholung des Konsums und Banken.

Aus Sektorensicht waren Banken in den letzten Jahren ein bedeutender Treiber für Europa und sind aus Sicht der Kapitalrückführung weiterhin attraktiv. Auch den Industriesektor sehen wir als interessant an, da er im Mittelpunkt der Haushaltspläne (Verteidigung, Infrastruktur) und der Ausgaben für Rechenzentren steht. Schließlich profitieren auch die Versorger stark von der Elektrifizierung der Netze und der Stromversorgung von Rechenzentren.

Kommentar von Francesco Sedati, Head of Equity Research and Management bei Eurizon

Bild Quelle: Eurizon

Quelle TE Communications GmbH

Deutschland und USA weniger von Energieimporten aus der Golfregion abhängig als China und Japan

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global Magdalena Polan_PGIM Fixed Income

Bei der Betrachtung der globalen Auswirkungen des Krieges im Iran untersuchen wir die Anfälligkeit der einzelnen Länder unter verschiedenen Gesichtspunkten. Dazu zählen die Abhängigkeit von Energieimporten aus der Golfregion, der politische Handlungsspielraum im Kontext der makroökonomischen Rahmenbedingungen, Puffer gegen Extremrisiken sowie strukturelle Faktoren. So erscheinen Japan und China beispielsweise aus Sicht der Energieimporte aus der Golfregion anfälliger, während afrikanische Ölexporteure, die USA, Großbritannien und Deutschland weniger exponiert zu sein scheinen.  

In Bezug auf die oben genannten Aspekte fallen Pakistan, Sri Lanka und Ägypten in die Kategorie „anfällig“, mit Ausnahme der strukturellen Faktoren. Malaysia, Peru, Polen und die USA fallen in den meisten Kategorien in den Bereich „stabil“, mit Ausnahme des politischen Handlungsspielraums für die USA. 

Mit Blick auf die Aussichten für das globale Wachstum sind wir nicht der Ansicht, dass die Bedingungen bereits die Phase einer „Nachfragezerstörung“ erreicht haben. Eine Möglichkeit, die Auswirkungen des Preisanstiegs abzuschätzen, besteht darin, dass jeder nachhaltige Anstieg der Rohölpreise um 10 % das globale Wachstum um 0,1 Prozentpunkte verringern könnte. Das bedeutet, dass ein langfristiger Preisanstieg um 60 % zu einem Rückgang um 0,6 Prozentpunkte führen könnte. 

Aus globaler Marktperspektive haben die Preise von Vermögenswerten stärker auf den Iran-Konflikt reagiert als in vergleichbaren historischen Zeiträumen  – beispielsweise Tage mit Öl- bzw. Aktienkursanstiegen oder -rückgängen von +1,0 % bzw. -0,5 % seit 2010. Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten Entwicklungen eher durch Positionsauflösungen als durch eine plötzliche Neubewertung der Fundamentaldaten beeinflusst wurden. 

Kommentar Magdalena Polan, Head of EM Macro Research bei PGIM

Bild Quelle: PGIM

Quelle TE Communications GmbH

Die Märkte halten sich gut. Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor

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Inflation Märkte Aktien im Spannungsfeld Marktkommentar von Sebastien Page, Head of Global Multi-Asset und Chief Investment Officer bei T. Rowe Price

Zwei zentrale Botschaften für Anleger

Zwei Botschaften an die Anleger zum jetzigen Zeitpunkt: Diese Situation wird vorübergehen, aber es könnte länger dauern, als die Märkte erwarten.

Die Märkte haben schon früher geopolitische Schocks erlebt und blicken in der Regel darüber hinweg. Doch diesmal ist das Ausmaß anders, insbesondere beim Öl. Die Preise haben sich bereits weit über historische Muster hinausbewegt, und es gibt kein klares Drehbuch für die weitere Entwicklung. Ein Weg zur Lösung existiert, doch der Zeitplan bleibt ungewiss.

Ölpreis, Inflation und Zinsen im Zusammenspiel

Geopolitische Faktoren treiben den Ölpreis in die Höhe, schüren die Inflation, halten die Zinsen auf hohem Niveau und erhöhen das Risiko einer Wachstumskrise. Und es scheint, als stünden wir noch am Anfang dieser Kette. Dennoch halten sich die Märkte gut.

Widerstandsfähige Märkte trotz Unsicherheit

Die Aktien sind nur leicht im Minus, und die Volatilität ist nie wirklich in die Höhe geschnellt. Der Grund ist einfach: Die Wirtschaft wächst weiterhin. Das nominale Wachstum bleibt solide, die Verbraucher sind widerstandsfähig, die fiskalischen Stützungsmaßnahmen wirken noch nach, und Investitionen in KI treiben die Gewinne weiter an.

Diese Widerstandsfähigkeit hat diesen Zyklus geprägt. Trotz Kriegen, Inflationsschocks, aggressiven Zinserhöhungen und Belastungen im Bankensektor seit 2022 haben Aktien dank Konjunkturmaßnahmen und Gewinnen weiterhin starke Zuwächse erzielt.

Hohe Bewertungen als Risikofaktor

Die Bewertungen sind jedoch hoch, was weniger Spielraum für Fehler lässt, sollten sich die Bedingungen verschlechtern.

Asset Allocation zwischen Vorsicht und Chancen

Die Positionierung unseres Asset Allocation Ausschusses spiegelt dieses Gleichgewicht wider: nicht pessimistisch, aber auch nicht risikofreudig. Neutral zwischen Aktien und Anleihen, mit Schwerpunkt auf Realwerten, internationalen Aktien und Small Caps, neben Inflationsabsicherungen und Absicherung gegen Kursrückgänge. Wenn sich die Stimmung ins Positive wendet, reagieren Small Caps tendenziell schnell.

Geldpolitik und Perspektiven für Anleihen

Was die Fed betrifft, könnten Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen verfrüht sein. Die Inflation liegt weiterhin über dem Trend und steigt weiter an, was bedeutet, dass eine weitere Straffung nicht ausgeschlossen werden kann. Dies spricht für eine Präferenz für Anleihen mit kürzerer Laufzeit. Im Bereich Private Credit mag es vereinzelte Stressfaktoren geben, aber kein systemisches Risiko. Das System ist weniger verschuldet und weniger vernetzt als in vergangenen Zyklen.

Marktkommentar von Sebastien Page, Head of Global Multi-Asset und Chief Investment Officer bei T. Rowe Price

Bild Quelle: T. Rowe Price

Quelle TE Communications GmbH

Euro Investment Grade: Fokus auf Versorger und eine Laufzeit von 4-7 Jahren

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Spreads Inflation Euro Investment Grade Anleihen Marktkommentar von David Zahn, Leiter European Fixed Income bei Franklin Templeton

Geopolitische Spannungen und Inflation im Fokus

Geopolitische Spannungen treiben die Inflation an. Folgewirkungen auf Energie, Lieferketten und Logistik dürften den Druck langfristig aufrechterhalten. Die Zentralbanken reagieren: Die EZB könnte früher als erwartet und mehrfach die Zinsen anheben, während auch von der Fed keine Zinssenkungen mehr erwartet werden. Trotz dieser Neubewertung haben sich die Märkte bisher geordnet gezeigt. Die Kreditspreads erweisen sich als überraschend widerstandsfähig. Das globale Wachstum bleibt zwar relativ robust, doch die Kombination aus steigender Inflation und wachsender Unsicherheit sorgt für ein zunehmend turbulentes Umfeld.

Euro Investment Grade Anleihen als Stabilitätsanker

Der Markt wirkt derzeit unruhig. Geopolitische Spannungen und Ölpreisschwankungen sorgen für Turbulenzen und die technische Unterstützung hat nachgelassen. In diesem Umfeld spielen Euro Investment Grade Anleihen eine klare, pragmatische Rolle: Sie federn Schocks ab und können Erträge erzielen, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Fundamentaldaten und Bewertung im aktuellen Umfeld

Fundamental sind wir konstruktiv eingestellt, aber in Bezug auf die nahe Zukunft ausdrücklich vorsichtig. Zwar bleiben die Fundamentaldaten solide und die Renditen sind im historischen Vergleich hoch, doch sind die Spreads mit rund 91 Basispunkten und einer Worst Case Rendite von fast 3,64 Prozent relativ eng und lassen nur wenig Spielraum für Überraschungen. Der Sektor ist daher nicht immun gegen Phasen der Volatilität. Jede solche Phase könnte die Spreads deutlich ausweiten. Für Anleger liegt der Vorteil darin, dass Euro Investment Grade Anleihen im Vergleich zu Bargeld und vielen traditionellen Sparoptionen hohe Erträge bieten und gleichzeitig eine hohe Bonität aufweisen. Diese Kombination kann die Anlageklasse zu einer nützlichen, defensiven Ertragskomponente in einer Multi Asset Allokation machen, vorausgesetzt, die Anleger akzeptieren das Potenzial für episodische Volatilität und vermeiden es, Renditen in Anleihen mit niedrigerem Rating hinterherzujagen.

Breite als Vorteil in einem sich wandelnden Marktumfeld

Das Euro IG Universum ist breit gefächert und umfasst Versorger, Finanzwerte, Industriewerte und weitere, darunter auch internationale Emittenten, die ihre Finanzierungsquellen diversifizieren und ihre Anlegerbasis erweitern möchten. Vor dem Hintergrund von Zöllen, branchenweiten Umbrüchen und politischer Fragmentierung verringert diese Breite das Konzentrationsrisiko und hilft dabei, eine übermäßige Abhängigkeit von einem einzelnen Markt oder Thema zu vermeiden. Unsere Research Ergebnisse zeigen, dass Versorger ein relativ breit aufgestellter und defensiver Sektor sind. Wir empfehlen einen selektiven Ansatz bei Finanzwerten und bleiben gegenüber Titeln mit geringerer Qualität weiterhin vorsichtig.

Duration und Strategie im Zinsumfeld

Wenn Märkte eine Autobahn sind, dann ist die Duration die Geschwindigkeit, mit der man fährt. In einem Umfeld mit längerfristig höheren Zinsen bevorzugen wir eine angemessene Geschwindigkeit, genügend Duration, um Erträge zu erzielen, aber nicht so viel, dass ein plötzlicher Anstieg der Renditen die Anleger ungeschützt lässt. Unsere Analyse identifiziert den Bereich von 4 bis 7 Jahren als pragmatischen Sweet Spot. Wir bevorzugen eine Verbesserung der Bonität gegenüber Investitionen in Anleihen mit niedrigerem Rating, um Rendite zu erzielen. Diese Kombination zielt darauf ab, Erträge zu erzielen und gleichzeitig das Abwärtsrisiko zu begrenzen, falls die Volatilität sprunghaft ansteigt.

Begrenzte Puffer und Chancen für Anleger

Die deutlichsten Negativszenarien zeigen sich im Energiesektor. Anhaltend hohe Öl oder Gaspreise könnten die Inflation erneut beschleunigen und die Arbeit der EZB erschweren. Dies würde den Renditen Aufwärtsdruck ausüben und die Spreads ausweiten. Auch technische Faktoren spielen eine Rolle. Eine schwächere Nachfrage oder Zwangsverkäufe aufgrund von Problemen bei privaten Krediten könnten die Entwicklungen an den öffentlichen Märkten verstärken. Da die Spreads derzeit nicht besonders breit sind, verfügt der Markt nur über begrenzte Puffer. Jede negative Überraschung könnte sich daher schnell in einer deutlichen Ausweitung der Spreads niederschlagen. Wir beobachten diese Risiken genau und dimensionieren die Engagements so, dass die Portfolios in allen ungünstigen Szenarien widerstandsfähig sind.

Ein Anstieg der Spreads auf ein deutlich höheres Niveau wäre aus unserer Sicht eine unwillkommene kurzfristige Entwicklung. Gleichzeitig würde eine solche Ausweitung wahrscheinlich attraktive Chancen für geduldige Anleger schaffen, sofern die Fundamentaldaten der Emittenten solide bleiben. In der Praxis bedeutet dies, dass wir derzeit defensiv bleiben, uns aber die Möglichkeit offenhalten, hochwertige Euro Investment Grade Anleihen zu besseren Einstiegsniveaus zu kaufen, sollten sich überzeugende Wertchancen durch Marktverwerfungen ergeben.

Marktkommentar von David Zahn, Leiter European Fixed Income bei Franklin Templeton

Bild Quelle: Franklin Templeton

Quelle  Franklin Templeton

Fossiler Boom auf Zeit: Warum die Energiekrise Erneuerbaren in die Karten spielt

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Energien Energie Investitionen im Wandel der Märkte Marktkommentar von Dr. Malte Kirchner, Head of German-speaking Europe bei DNB Asset Management

Geopolitik treibt Energiemärkte an

Geopolitische Konflikte haben die Energiemärkte zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit katapultiert. Steigende Öl und Gaspreise infolge eskalierender Spannungen im Nahen Osten sorgen kurzfristig für ein Comeback fossiler Energien an den Börsen. Doch hinter der aktuellen Rally steckt ein fragiles Fundament und für Anleger zeichnet sich bereits ab, dass die langfristigen Gewinner woanders zu finden sind.

Energiekrisen als Beschleuniger der Elektrifizierung

Paradoxerweise wirken geopolitische Energiekrisen heute nicht mehr bremsend, sondern beschleunigend auf die Elektrifizierung, weil sie die Verwundbarkeit fossiler Systeme offenlegen. Der unmittelbare Effekt ist klar: Höhere Energiepreise treiben die Margen klassischer Öl und Gasproduzenten nach oben. In einem Umfeld eingeschränkter Versorgung und stabil gehaltener Fördermengen profitieren fossile Energiekonzerne kurzfristig von steigenden Spotpreisen. Entsprechend reagieren auch die Aktienkurse. Doch diese Dynamik ist trügerisch. Historisch betrachtet waren solche Preisschübe selten von Dauer. Dauerhaft hohe Ölpreise wirken dämpfend auf die Nachfrage und erhöhen gleichzeitig die Volatilität, ein Umfeld, das langfristige Investitionsentscheidungen erschwert. Hinzu kommt die strukturelle Verwundbarkeit: Fossile Energie bleibt eng an geopolitische Risiken gebunden und damit systemisch anfällig für Krisen.

Erneuerbare Energien auf Wachstumskurs

Dem gegenüber steht ein struktureller Wandel, der sich zunehmend beschleunigt und sich auch an den Kapitalmärkten widerspiegelt. Erneuerbare Energien haben mittlerweile eine neue Größenordnung erreicht. Seit 2025 erzeugen sie weltweit mehr Strom als Kohle, ihr Anteil steigt weiter und dürfte 2026 bereits rund 36 Prozent erreichen.

Investmentchancen entlang der Energiewende

Für Anleger entscheidend ist dabei, wie sich diese Entwicklung in konkrete Investmentopportunitäten übersetzt. Die Wertschöpfung der Energiewende ist breit gefächert, von Energieerzeugung über Effizienzlösungen bis hin zur industriellen Transformation. Genau hier setzen spezialisierte Unternehmen an, die unterschiedliche Teile dieser Entwicklung abdecken.

So steht etwa Ørsted stellvertretend für den Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung, insbesondere im Bereich Offshore Wind. Darling Ingredients adressiert die steigende Nachfrage nach Ressourceneffizienz und nachhaltigen Inputfaktoren, während Novonesis Novozymes mit biotechnologischen Lösungen industrielle Prozesse effizienter und nachhaltiger gestaltet. Zusammen spiegeln diese Unternehmen zentrale Bausteine der Energiewende wider, von der Stromproduktion über Kreislaufwirtschaft bis hin zur Effizienzsteigerung.

Strukturelle Vorteile gegenüber fossilen Energien

Der Investmentcase unterscheidet sich damit grundlegend von fossilen Energien. Während Öl und Gasunternehmen stark von kurzfristigen Preisschwankungen abhängen, basiert das Wachstum erneuerbarer Energien zunehmend auf struktureller Nachfrage. Ein zentraler Treiber ist die stark steigende Stromnachfrage, insbesondere durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Allein Rechenzentren dürften ihren Energiebedarf massiv ausweiten und damit zusätzlichen Druck auf die Strominfrastruktur ausüben.

Kapitalströme und langfristige Trends

Hinzu kommt die massive Kapitalallokation. Weltweit flossen zuletzt rund 2,2 Billionen US Dollar in erneuerbare Energien, ein erheblicher Teil davon in Solar, Netze und Batteriespeicher. Diese Investitionen sind weniger zyklisch als im fossilen Sektor und folgen langfristigen politischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen.

Energiesicherheit als Investitionsfaktor

Auch der Aspekt der Energiesicherheit gewinnt an Bedeutung. Jede zusätzlich erzeugte Kilowattstunde aus Wind oder Solarenergie reduziert die Abhängigkeit von geopolitisch sensiblen Regionen. In einem Umfeld wachsender Unsicherheit wird dieser Faktor zunehmend investitionsrelevant.

Für Anleger ergibt sich daraus ein klares Spannungsfeld: Fossile Energien können kurzfristig von Krisen profitieren und taktische Chancen bieten. Doch strukturell sprechen die Trends für erneuerbare Energien, getragen von steigender Nachfrage, massiven Investitionen und technologischer Skalierung. Gerade Unternehmen, die entlang der Wertschöpfungskette der Energiewende positioniert sind, von Erzeugung über Effizienz bis Netzinfrastruktur, profitieren von diesen strukturellen Trends. Genau hier liegt der Fokus spezialisierter Investmentstrategien.

Die Herausforderung der richtigen Selektion

Die entscheidende Herausforderung liegt in der Selektion. Denn auch im Wachstumsmarkt der erneuerbaren Energien profitieren nicht alle Unternehmen gleichermaßen. Erfolgreiche Investments konzentrieren sich auf Anbieter, die entlang der Wertschöpfungskette gut positioniert sind, von Energieerzeugung über Effizienz bis hin zu neuen industriellen Lösungen.

Marktkommentar von Dr. Malte Kirchner, Head of German-speaking Europe bei DNB Asset Management

Bild Quelle: DNB Asset Management

Quelle TE Communications GmbH

China überholt den Westen im Rennen um den selbstfahrenden Lastwagen

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Lastwagen autonom Elektrifizierung im Gütertransport Foto von Audun Wickstrand-Iversen (Quelle: DNB Asset Management)

Die stille Revolution auf der Autobahn

Die Revolution rollt leise über die Autobahn. Noch sitzt in den meisten Lastwagen ein Fahrer, doch die Technologie, die ihn eines Tages ersetzen könnte, fährt bereits mit. Kameras, Radar, künstliche Intelligenz und leistungsfähige Batterien verändern derzeit eine der ältesten Industrien der modernen Wirtschaft: den Gütertransport. Was lange nach Science Fiction klang, wird zunehmend zum industriellen Projekt. Selbstfahrende Lastwagen stehen kurz davor, die Logistik grundlegend zu verändern, mit Folgen weit über die Transportbranche hinaus.

Die Kostenrevolution im Gütertransport

Der wirtschaftliche Treiber hinter dieser Entwicklung ist einfach zu verstehen. Gütertransport ist ein margenschwaches Geschäft, in dem jeder eingesparte Franken pro Kilometer zählt. In der klassischen Diesel Logistik entfallen ein grosser Teil der Kosten auf den Fahrer selbst. Löhne, Sozialabgaben und gesetzliche Ruhezeiten bestimmen, wie viel ein Lastwagen pro Tag tatsächlich fahren kann. Autonome Fahrzeuge versprechen, dieses Kostenmodell aufzubrechen. In vielen Transportnetzen machen Fahrerkosten rund 30 bis 50 Prozent der gesamten Betriebskosten eines Lastwagens aus. Wenn ein Fahrzeug ohne Fahrer betrieben werden kann, verändert sich die Rechnung fundamental.

Hinzu kommt die Elektrifizierung. Elektromotoren benötigen weniger Wartung, Strom ist vielerorts günstiger als Diesel, und digitale Systeme können Fahrweise, Geschwindigkeit und Routen optimieren. In Kombination mit autonomer Technologie entsteht ein neues Kostenmodell. Studien und Branchenanalysen zeigen, dass selbstfahrende Lastwagen in bestimmten Einsatzbereichen bereits heute 13 bis 40 Prozent günstiger betrieben werden können als konventionelle Diesel Lkw. Bis 2030 könnte der Kostenvorteil in manchen Segmenten sogar bis zu 50 Prozent erreichen.

Ein weiterer Effekt entsteht durch die Nutzung der Fahrzeuge selbst. Ein menschlicher Fahrer darf in vielen Ländern nur rund zehn Stunden pro Tag fahren, danach greifen gesetzliche Ruhezeiten. Ein autonomer Lastwagen dagegen kann nahezu rund um die Uhr unterwegs sein. Aus Sicht eines Logistikunternehmens bedeutet das eine deutlich höhere Kapitalrendite auf das Fahrzeug. Der gleiche Lastwagen transportiert mehr Güter pro Tag und kann Strecken schneller abdecken. Für Lieferketten, die immer stärker auf Geschwindigkeit und Planbarkeit angewiesen sind, ist das ein entscheidender Vorteil.

China als Taktgeber der Industrie

Wie schnell sich diese Technologie durchsetzt, hängt stark von der Region ab. Besonders weit fortgeschritten ist die Entwicklung derzeit in China. Dort hat der Staat die Elektrifizierung und Digitalisierung des Schwerverkehrs zu einer industriepolitischen Priorität erklärt. Hersteller wie BYD oder Geely entwickeln elektrische Lastwagen, während Technologieunternehmen autonome Systeme beisteuern. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich schnelle Skalierung des Marktes.

Die Zahlen sind eindrücklich. Im Jahr 2025 wurden in China mehr als 231000 neue elektrische oder hybride Lastwagen verkauft, ein Wachstum von rund 182 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Dezember desselben Jahres machten elektrifizierte Modelle erstmals mehr als die Hälfte der Neuzulassungen aus und übertrafen damit Dieselantriebe. Auch bei der autonomen Technologie liegt China vorne. Tausende selbstfahrende Lastwagen sind bereits im kommerziellen Einsatz, vor allem auf klar definierten Strecken zwischen Logistikzentren, Häfen oder Industrieanlagen. Zusammen legen sie täglich mehr als eine Million Kilometer zurück. Unternehmen wie Inceptio oder Pony.ai haben bereits Hunderte Millionen Test und Betriebskilometer gesammelt.

Der Vorsprung Chinas beruht auf einem Zusammenspiel aus staatlicher Förderung, Infrastrukturinvestitionen und industrieller Strategie. Subventionen senken die Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge, während gleichzeitig Lade oder Batteriewechselstationen aufgebaut werden. Je mehr Fahrzeuge auf der Strasse sind, desto mehr Daten sammeln die autonomen Systeme. Diese Daten wiederum verbessern die künstliche Intelligenz der Fahrzeuge, ein Kreislauf, der die Entwicklung beschleunigt.

Amerika setzt auf Technologie

In den USA zeigt sich ein anderes Bild. Technologisch sind amerikanische Unternehmen teilweise führend, doch die Marktdurchdringung ist noch gering. Elektrische Schwerlastfahrzeuge machen bislang nur einen kleinen Teil des Marktes aus, und auch autonome Systeme befinden sich überwiegend in Pilotprojekten. Dennoch entstehen gerade hier einige der ambitioniertesten Projekte der Branche. Das Technologieunternehmen Aurora beispielsweise testet autonome Transporte auf langen Autobahnstrecken im Süden der USA. Eine der Teststrecken verbindet Fort Worth in Texas mit Phoenix in Arizona, eine Distanz von rund 1600 Kilometern. Ein autonomer Lastwagen kann diese Strecke theoretisch ohne Pause zurücklegen, während ein menschlicher Fahrer gesetzlich nach maximal elf Stunden Fahrtzeit stoppen muss.

Auch andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Konzepten. Kodiak Robotics entwickelt autonome Systeme für Ferntransporte, während Tesla versucht, mit seinem elektrischen Sattelschlepper Semi eine neue Fahrzeugplattform zu etablieren. Die Serienproduktion wurde mehrfach verschoben, doch langfristig plant das Unternehmen Produktionskapazitäten von bis zu 50000 Lastwagen pro Jahr.

Europa unter regulatorischem Druck

Europa bewegt sich zwischen diesen beiden Modellen. Hier wird die Transformation weniger durch Technologieunternehmen als durch Regulierung vorangetrieben. Die EU hat ambitionierte Klimaziele für den Schwerverkehr formuliert. Hersteller müssen ihre CO2 Emissionen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2019 senken. Diese Vorgaben zwingen die Branche, in elektrische Antriebe zu investieren. Hersteller wie Volvo Trucks, Scania oder Daimler Truck haben bereits Serienmodelle elektrischer Lastwagen auf den Markt gebracht. Dennoch befindet sich der Markt noch in einer frühen Phase. Im Jahr 2025 lag der Anteil emissionsfreier Lastwagen bei rund drei Prozent der Neuzulassungen in Europa.

Autonome Systeme werden in Europa voraussichtlich langsamer eingeführt als in China oder in einigen US Bundesstaaten. Die komplexe Regulierung, dicht besiedelte Verkehrsnetze und die Vielzahl nationaler Zuständigkeiten machen den Einsatz fahrerloser Fahrzeuge schwieriger. Daher konzentrieren sich viele Projekte zunächst auf kontrollierte Umgebungen wie Häfen, Logistikzentren oder feste Transportkorridore.

Wenn Logistik zum Softwaregeschäft wird

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung könnten weit über die Transportbranche hinausreichen. Elektrische Lastwagen senken nicht nur die Kosten für Logistikunternehmen, sondern verändern auch die Nachfrage nach Energie. Wenn Schwertransporte zunehmend elektrisch betrieben werden, sinkt langfristig der Bedarf an Diesel. Erste Hinweise darauf sind bereits sichtbar, insbesondere in China, wo die Elektrifizierung des Schwerverkehrs schneller voranschreitet als von vielen Analysten erwartet.

Gleichzeitig entstehen neue Wertschöpfungsketten. Der Wettbewerb verlagert sich von Motoren und Getrieben hin zu Batterietechnologie, Softwareplattformen und Daten. Sensoren wie LiDAR und Radar, leistungsfähige Halbleiter und künstliche Intelligenz werden zu zentralen Komponenten der Fahrzeuge. Unternehmen, die diese Technologien liefern, könnten zu den wichtigsten Profiteuren der kommenden Logistikrevolution zählen.

Ein neuer Investitionszyklus

Für Investoren stellt sich damit eine klassische Frage der Technologiewirtschaft: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen? Viele disruptive Innovationen folgen einem ähnlichen Muster. In den frühen Jahren sind Kosten hoch, Geschäftsmodelle unsicher und der Markt klein. Doch wenn die Technologie einmal wirtschaftlich wird, kann die Verbreitung sehr schnell wachsen.

Der Markt für selbstfahrende Lastwagen könnte sich genau an diesem Übergang befinden. Während China bereits in eine Phase schneller Skalierung eintritt, stehen Europa und die USA noch am Anfang der Entwicklung. Sollte sich die Kombination aus Elektrifizierung und autonomem Fahren tatsächlich als kostengünstiger erweisen als der traditionelle Dieseltransport, könnte sich der Schwerverkehr in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren stärker verändern als in den fünfzig Jahren zuvor.

Die Lastwagen der Zukunft werden dann weniger wie klassische Fahrzeuge funktionieren und mehr wie mobile Rechenzentren auf Rädern.

Sie werden Daten sammeln, miteinander kommunizieren und ihre Routen selbst optimieren. Für die Logistikbranche bedeutet das einen radikalen Effizienzgewinn. Für Investoren eröffnet sich ein neues industrielles Ökosystem, und für die Autobahn ein Bild, das lange nur in Visionen existierte: Kolonnen von Lastwagen, die scheinbar von selbst fahren.

Marktkommentar von Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager DNB Disruptive Opportunities bei DNB Asset Management

Bild Quelle: DNB Asset Management

Quelle TE Communications GmbH

IT-Schwäche und Ölpreise: Droht Gegenwind für Indiens Wachstum?

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Indien Leistungsbilanz IT Dienstleistungen Analyse. James Syme JO Hambro

KI und Marktreaktionen auf Dienstleistungsbranchen

Die rasante Leistungssteigerung von KI Modellen in den vergangenen Monaten hat dazu geführt, dass einige Marktteilnehmer am Aktienmarkt die Aussichten für verschiedene Dienstleistungsbranchen vorsichtiger einschätzen, was zu Abverkäufen in Sektoren von Software bis hin zur Finanzplanung geführt hat. Als Investoren, die unsere Anlageklasse primär über Top down Analysen und Entwicklungen auf Länderebene betrachten, haben wir darüber nachgedacht, was dies für Indien bedeuten könnte.

Indien als klassische Defizitökonomie

Indien gehört zu einer Gruppe von Schwellenländern, die tendenziell Leistungsbilanzdefizite aufweisen. Dabei handelt es sich um Volkswirtschaften mit erheblicher latenter Binnennachfrage, in denen jedoch aus unterschiedlichen historischen, geografischen oder institutionellen Gründen die inländische Produktion hinter dem Bedarf zurückbleibt. Diese Märkte weisen in der Regel ein höheres Beta gegenüber globaler Liquidität und Risikobereitschaft auf. Für Indien besonders relevant ist, dass die Wachstumszyklen dieser Länder häufig durch Inflation und externe Defizite begrenzt werden, wobei beide Schwachstellen darauf hinweisen, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt.

Leistungsbilanz im Überblick

Seit Ende 2010 belief sich das Leistungsbilanzdefizit Indiens im Durchschnitt auf 1,7 Prozent des BIP, wobei das höchste Defizit 5,1 Prozent des BIP betrug. Die Struktur der Leistungsbilanz hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und sich mit dem Konjunkturzyklus Indiens verändert, doch einige Komponenten behalten ihre strukturelle Bedeutung.

Struktur der Leistungsbilanz und zentrale Treiber

Seit Ende 2010 lag das Leistungsbilanzdefizit Indiens im Durchschnitt bei 1,7 Prozent des BIP, wobei das maximale Defizit 5,1 Prozent des BIP betrug. Die Struktur der Leistungsbilanz hat sich im Zeitverlauf entwickelt und sich mit dem Konjunkturzyklus Indiens verändert, doch einige Komponenten bleiben strukturell bedeutsam.

Im Jahr 2025 verzeichnete Indien ein Defizit bei den Nicht Öl Gütern in Höhe von 189 Milliarden USD, was 4,9 Prozent des BIP entspricht. Die Netto Ölimporte beliefen sich auf 122 Milliarden USD beziehungsweise 3,2 Prozent des BIP. Das daraus resultierende Handelsdefizit von 311 Milliarden USD oder 8,0 Prozent des BIP wurde durch eine positive Netto Dienstleistungsbilanz von 210 Milliarden USD beziehungsweise 5,4 Prozent des BIP weitgehend ausgeglichen. Bemerkenswert ist, dass der Überschuss bei den IT Dienstleistungen 227 Milliarden USD betrug, was 5,9 Prozent des BIP entspricht. Indien verzeichnete zudem eine positive Einkommensbilanz von 85 Milliarden USD oder 2,2 Prozent des BIP, was insgesamt zu einem Leistungsbilanzdefizit von 17 Milliarden USD beziehungsweise 0,4 Prozent des BIP führte.

Bedeutung von IT Exporten und Ölimporten

Diese Beziehung zwischen IT Dienstleistungsexporten und Ölimporten ist für die indische Wirtschaft von zentraler Bedeutung, und beide Bereiche haben sich parallel entwickelt. Im Geschäftsjahr 2019 beliefen sich die Nettoexporte von IT Dienstleistungen auf 85 Milliarden USD, während die Ölimporte bei 93,9 Milliarden USD lagen. Die schwankenden Konjunkturzyklen bei den weltweiten Ausgaben für IT Dienstleistungen und der Ölpreis sind entscheidend für die Gesundheit der indischen Wirtschaft.

Indiens Fundamentaldaten bleiben robust.

Auswirkungen der Marktentwicklung auf Indien

Was bedeutet der Stimmungsabschwung gegenüber Software und IT Dienstleistungsaktien für Indien in einer Phase höherer Ölpreise? In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 ist der MSCI India IT Index in USD um mehr als 20 Prozent gefallen. Das ist besorgniserregend, weil die aggregierten Umsätze der börsennotierten IT Unternehmen Indiens stark mit den IT Dienstleistungsexporten der Volkswirtschaft korrelieren. Sollte sich das negative Szenario, das die Aktienkurse derzeit einpreisen, bewahrheiten, insbesondere bei zugleich höheren Ölpreisen, könnte Indiens Wachstum durch die Leistungsbilanz eingeschränkt werden.

Fundamentaldaten und Ausblick

Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass die Konsensprognosen für die nächsten zwölf Monate sowohl für die Umsätze als auch für die Gewinne der im MSCI India IT Index enthaltenen Unternehmen seit Jahresbeginn um 3,4 Prozent gestiegen sind. Dieses stetige Wachstum der fundamentalen Aussichten für diese Unternehmen deutet sowohl auf Chancen in diesem Sektor hin, in dem wir weiterhin übergewichtet sind, als auch auf eine anhaltende Unterstützung für das indische Wirtschaftswachstum, obwohl wir das Land aus Bewertungsgründen weiterhin untergewichten. Wir sind nicht der Ansicht, dass Kursbewegungen allein derzeit ein makroökonomisches Signal für Indien darstellen.

Marktkommentar von James Syme, Senior Fund Manager bei J O Hambro

Bild Quelle: J O Hambro

Quelle TE Communications GmbH

KI ist die neue Software: Von der regelbasierten zur kontextbezogenen Software

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KI Software Investitionen im Wandel der Märkte Foto von Zachary Gill (Quelle: Jennison / PGIM).

Wir befinden uns noch in der Anfangsphase eines KI-getriebenen Investitionszyklus

Google und OpenAI sind klare Marktführer bei gebündelten Plattformen, die als umfassende KI-Assistenten dienen werden. Google hat hervorragende Arbeit geleistet, um aufzuholen. Das mit Abstand weltweit führende KI-Produkt ist tatsächlich die Google-Suche: Milliarden von Menschen nutzen KI über Google, ohne jemals Gemini heruntergeladen zu haben und tauchen nicht in den ChatGPT-Nutzerstatistiken auf. Google monetarisiert dies bereits effektiv mit besseren Konversionsraten als bei der klassischen Suche.

Im Softwarebereich zeichnen sich klare Gewinner und Verlierer ab

Jensen Huangs Beobachtung, dass KI die neue Software ist, bewahrheitet sich genau wie von ihm beschrieben. Wir bewegen uns weg von deterministischer, regelbasierter Software hin zu kontextbezogenen, impliziten und flexiblen Schnittstellen. Dieser Wandel schafft Chancen, aber auch Herausforderungen für traditionelle, lizenzbasierte Softwaremodelle.

Wir meiden bewusst Softwareunternehmen, die sich im Auge des Sturms befinden. Dazu zählen vertikale Software-as-a-Service-Unternehmen und traditionelle Anbieter lizenzbasierter Anwendungssoftware. Stattdessen bevorzugen wir Enabler, also Softwareunternehmen, die Unternehmen dabei helfen, KI sicher und effektiv zu integrieren wie beispielsweise Cloudflare, CrowdStrike und Dateninfrastrukturanbieter wie Snowflake und Datadog.

Ökosysteme und Vertrauen entscheiden den Wettbewerb im KI-Markt

Das Monetarisierungspotenzial und die Wettbewerbsposition der Modellanbieter stehen im Zentrum. Wir haben gelernt, dass es sich hierbei nicht um ein traditionelles Netzwerk-Effekt-Geschäft handelt, wie ursprünglich gehofft, ein weiteres Modell zu nutzen führt nicht zu einer wesentlichen Verbesserung. Das unterscheidet sich von der Entwicklung im Bereich der Suchmaschinen. Zudem sind die Wechselkosten derzeit recht gering.

Der Wettbewerb wird letztendlich auf drei Faktoren hinauslaufen: Vertrauen, Produktqualität und Integration in das Ökosystem. Da diese Plattformen Zugriff auf E-Mails, Kalender, Krankenakten und Zahlungsinformationen erhalten, wird Vertrauen immer wichtiger. Etablierte Akteure oder Unternehmen, die sich Glaubwürdigkeit aufgebaut haben, profitieren von einem erheblichen Vertrauensvorteil. Dies stellt eine bedeutende Hürde für neue Marktteilnehmer dar.

Wichtiger als die reine Modellleistung ist die Produktdifferenzierung. Die meisten Nutzer können die verschiedenen Modell-Generationen nicht unterscheiden. Entscheidend wird sein, welche Plattform die besten Funktionen, die nahtloseste Funktionalität sowie die besten Integrationen bietet und die Bedürfnisse der Nutzer am effektivsten vorhersagen kann. Google hat hier aufgrund seines bestehenden Ökosystems erhebliche Vorteile.

Es ist davon auszugehen, dass die Wechselkosten im Laufe der Zeit steigen werden

Ein Wechsel wird nicht unmöglich sein, aber je tiefer die Nutzer diese Agenten in ihre Arbeitsabläufe integrieren, desto schwieriger wird er. Bezüglich Monetarisierung erwarten wir, dass die Haupteinnahmequelle für Verbraucherprodukte die Werbung sein wird, möglicherweise ergänzt durch Einnahmen aus Transaktionen. Das Abonnementmodell allein reicht für die Rentabilität nicht aus. Werbung funktioniert jedoch bereits gut in der KI-gestützten Suche von Google und erzielt bessere Konversionsraten als die traditionellen Stichwortsuche.

KI-Transformation setzt Softwaremargen unter Druck stärkt aber etablierte Plattformen

Im Bereich Unternehmenssoftware werden sich vermutlich die großen etablierten Softwareunternehmen anpassen und weiterhin wichtige Akteure in der KI-gestützten Softwarelandschaft bleiben, ähnlich wie Microsoft, SAP und Oracle den Übergang zur Cloud bewältigt haben. Unternehmenskunden werden cloudbasierte Kernplattformen wie Salesforce in naher Zukunft nicht durch selbst entwickelte On-Premise-Alternativen ersetzen.

Allerdings benötigen solche Übergänge Zeit, bis sie vollständig abgeschlossen sind. Das Wachstum bei lizenzbasierter Software wird nachlassen, da Unternehmen aufgrund der produktivitätssteigernden Wirkung von KI weniger lizenzierte Nutzer benötigen. Die Margen werden unter Druck geraten, da die effektive KI-Implementierung Investitionen erfordert. Softwareunternehmen müssen einen Teil dieser Kosten absorbieren und gleichzeitig ihren Kunden einen Mehrwert bieten.

Die jüngste Volatilität im Softwarebereich ist auf die Unsicherheit darüber zurückzuführen, wie sich diese Dynamik entwickeln wird. Einige Unternehmen, die von dem allgemeinen Ausverkauf im Softwarebereich betroffen waren, dürften langfristig zu den Gewinnern zählen.

Der Ausbau der KI erfordert erhebliche Investitionen

Die Finanzierung dürfte durch eine Kombination verschiedener Quellen sichergestellt werden. An diesem Modell werden mehrere Parteien wie Cloud-Anbieter, Infrastrukturpartner und Kreditmärkte beteiligt sein, die sich die Kapitalanforderungen teilen werden. Dies ähnelt der Art und Weise, wie die frühen Cloud-Kapazitäten durch Partnerschaften aufgebaut wurden.

Diese Infrastrukturprojekte werden voraussichtlich als traditionelle, auf diskontierten Cashflows basierende Investitionen mit vorhersehbaren Einnahmequellen strukturiert sein, ähnlich wie REITs für Rechenzentren und Colocation-Einrichtungen, die den Übergang zur Cloud ermöglicht haben.

Zu den wichtigsten Faktoren dürften dabei Umsetzung und Umsatzwachstum gehören. Die führenden KI-Unternehmen erschließen große, lukrative Märkte und wachsen mit beeindruckenden Raten. Unternehmen mit starken Bilanzen wie Google unterliegen keinen nennenswerten Finanzierungsbeschränkungen. Für das breitere Ökosystem beobachten wir weiterhin großes Interesse von strategischen Partnern und Finanzinvestoren.

Inferenz dürfte langfristig zum größten Markt der KI-Wertschöpfung werden

Die Qualität von LLM-Modellen ist nach wie vor von Bedeutung, insbesondere für komplexe Anwendungen im Bereich des logischen Denkens und der Entscheidungsfindung. Da die Produktdifferenzierung jedoch immer wichtiger wird, ist mit einer Verschiebung der Dynamik zu rechnen.

Das Training beschränkt sich nicht mehr nur auf textbasierte Modelle, sondern umfasst auch Videos, virtuelle Umgebungen und andere Modalitäten. Dennoch liegt der Fokus zunehmend darauf, bestehende Modelle effizienter zu nutzen.

Aus diesem Grund könnte die Inferenz letztendlich einen größeren Markt darstellen als das Training. Der Mangel an Rechenleistung beeinträchtigt beide Bereiche. Da die Rechenleistung effizienter und kostengünstiger wird, dürfte es zu einer breiten Nutzung von Inferenz-Workloads kommen.

Unternehmen werden KI im Hintergrund für zahlreiche Anwendungen einsetzen. Selbst bei steigender Effizienz dürfte diese Entwicklung eine anhaltende Nachfrage nach Recheninfrastruktur schaffen, da die Anzahl der Anwendungsfälle stark zunimmt.

Marktkommentar von Zachary Gill, Global Equity Research Analyst bei Jennison

Bild Foto von Zachary Gill Quelle: Jennison / PGIM

Quelle TE Communications GmbH

Kapital dreht: Warum Hard Tech und Hard Power die Märkte dominieren

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KI Investitionen Wachstum und neue Marktordnung Foto von Ritu Vohora Quelle: T. Rowe Price

Schon vor Ausbruch des Iran-Kriegs hatte sich der Schwerpunkt an den Kapitalmärkten von Soft Assets hin zu Hard Tech und Hard Power verlagert.

Hyperscaler stehen vor einer existenziellen Krise und setzen verstärkt auf den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur, wobei die Investitionsausgaben für 2026 voraussichtlich etwa 2 % des US-BIP betragen werden. Die Verteidigungsausgaben steigen weltweit, und ein bullischer Rohstoffzyklus scheint intakt zu sein.

Softwareunternehmen hingegen haben einen heftigen Ausverkauf erlebt, da Investoren angesichts der KI-Gewinne ihren Endwert neu bewerten. Diese Neubewertung markiert den Beginn einer differenzierteren Phase an den Märkten. Die Aussicht auf sinkende Kosten für künstliche Intelligenz und ein stärkeres, produktivitätsgetriebenes Wachstum bedeutet, dass sich Wert anders als in den letzten Jahren bilden könnte, was wahrscheinlich die Marktführerschaft neu ordnen wird.

Vom Hype zur Bilanz

Der KI-Zyklus hat sich vom Hype über reale Gewinne hin zu echter Disruption entwickelt. Die nächste Phase bringt eine genauere Prüfung von Bilanzen und Geschäftsmodellen mit sich. Tech-Giganten, die die Aktienmärkte lange Zeit durch hochprofitable, kapitalarme Wachstumsmotoren wie Code, Plattformen und geistiges Eigentum dominiert haben, setzen nun voll auf physische, kapitalintensive Investitionen. Nicht die Nachfrage, sondern die Kapazität ist zum limitierenden Faktor geworden, wobei der Wettbewerbsdruck aggressive Ausgaben für Strom, Chips, Rechenzentren und Netzwerke erzwingt.

Hyperscaler, die zu den Unternehmen mit der höchsten Cash-Generierung in der Geschichte zählen, haben diese Investitionen größtenteils aus dem operativen Cashflow finanziert. Sie können noch viel mehr ausgeben, bevor sie in die Nettoverschuldung rutschen. Allerdings schwinden die operativen Margen rapide, und der zunehmende Einsatz von Anleiheemissionen und außerbilanzieller Finanzierung durch bestimmte Akteure ist zu beobachten.

Allein die Ausgaben für KI-Chips könnten bis 2030 1 Billion US-Dollar erreichen, und die vielversprechendsten Chancen liegen dort, wo die Investitionsgelder fließen. Halbleiter bleiben neben Engpässen in den Bereichen Speicher, Stromversorgung, Optik, Elektrotechnik und anderen kritischen KI-Segmenten die klarsten Nutznießer.

Neubewertung von SaaS

Da sich die wirtschaftlichen Erträge auf Hardware und Infrastruktur verlagern, durchläuft die Softwarebranche einen strukturellen Umbruch. Fortschritte in der KI senken die Kosten für die Softwareentwicklung, verschärfen den Wettbewerb um Software-as-a-Service und bergen ein Risiko für den Endwert. Die jüngsten Kursbewegungen waren zwar wahllos, doch ausgewählte Software-as-a-Service-Unternehmen dürften gestärkt daraus hervorgehen. Diejenigen, die kritische Datensätze kontrollieren, als Plattformen für den KI-Einsatz fungieren oder tief in den Arbeitsabläufen von Unternehmen verankert sind, behalten ihre günstigen Aussichten. Einfach ausgedrückt: Geschäftskritische Systeme sind nicht mehr wegzudenken.

Wachsende Chancen

Weltweit stärken wirtschaftlicher Nationalismus, politische Neuausrichtung und fiskalische Veränderungen die Investitionen in den Bereichen Verteidigung, Energiewende und industrielle Kapazitäten, allesamt Bereiche, die sich mit dem physischen Fußabdruck der KI überschneiden. Kapital wird umgeleitet und gestaltet Sektoren neu.

Die Anleger haben Deutschlands „fiskalische Bazooka“ für 2025 schnell eingepreist. Allerdings haben sie möglicherweise die umfassenderen geopolitischen Verschiebungen unterschätzt, auf die der kanadische Premierminister Mark Carney kürzlich in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum hingewiesen hat.

Die wachsende Dringlichkeit unter den sogenannten Mittelmächten, strategische Autonomie über ihre Verteidigungsfähigkeiten und kritischen Industrien zu erlangen, deutet auf weiteres Aufwärtspotenzial für die Staatsausgaben und das Wirtschaftswachstum hin.

Der Krieg im Iran könnte weitere fiskalische Maßnahmen auslösen, wobei die Länder noch mehr für Energie und Verteidigung ausgeben würden. Europäische Verteidigungsaktien, Investitionsgüterunternehmen, Hersteller von Halbleiterausrüstung und ausgewählte Finanzwerte dürften von diesen Rückenwindfaktoren profitieren.

In Asien bleiben Strukturreformen und tiefgreifende Halbleiter-Ökosysteme zentral für die KI-Wertschöpfungskette. Japans strategische Industrieoffensive und seine Schlüsselrolle in den Halbleiter-Lieferketten, eine Position, die es sich mit Taiwan und Südkorea teilt, untermauern einen optimistischen Aktienausblick außerhalb der USA.

Diese Verschiebungen erweitern die Marktführerschaft. Seit Ende letzten Jahres haben globale Small-Caps, globale Value-Aktien außerhalb der USA und Aktien aus Schwellenländern gleichermaßen profitiert, da die Anleger ihre Anlagen über US-Megacaps hinaus diversifiziert haben.

Realwerte werden zum Engpass

Angesichts der anhaltenden makroökonomischen und geopolitischen Neuausrichtung scheint ein anhaltender Ansturm auf vermeintliche sichere Häfen wahrscheinlich. Die Beschleunigung der Staatsausgaben in den Industrieländern, gepaart mit einer japanischen Geldpolitik, die weiterhin hinterherhinkt, mindert die Attraktivität langfristiger Staatsanleihen und stärkt die Argumente für Sachwerte gegenüber Fiat-Währungen.

Bei Industriemetallen kam es in letzter Zeit zu einigen spekulativen Exzessen, doch der langfristige Ausblick bleibt bullisch. Ein geschwächter US-Dollar angesichts explodierender Defizite, die Gefahr eines de facto Renditekurvenmanagements und ein protektionistischerer Ton in Washington stützen einen konstruktiven Rohstoffausblick.

Da zudem der Ausbau der KI und sinkende Rechenkosten die Voraussetzungen für ein strukturell höheres Wachstum schaffen, könnten reale Vermögenswerte zu Engpässen werden. Als Lieferanten der Welt dürften die Schwellenländer, insbesondere lateinamerikanische Länder und Südafrika, davon profitieren.

Ein reifer werdender Zyklus, kein Höhepunkt

Das makroökonomische Umfeld ist komplexer geworden, aber auch attraktiver für Anleger, die Diversifizierung und fundamental getriebene Chancen suchen.

Die offene Frage ist nicht mehr, ob KI die Wirtschaft radikal verändern wird. Es geht vielmehr darum, wo und in welchem Umfang Wert geschaffen wird: im vorgelagerten Bereich bei physischer Infrastruktur und Rohstoffen, innerhalb von Enabling-Plattformen oder in völlig neuen Anwendungen.

Da sich der Wert vom Immateriellen zum Materiellen verlagert, könnten Anleger, die selektiv, diversifiziert und wertbewusst bleiben, die nächste Ära weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance betrachten.

Marktkommentar von Ritu Vohora, Anlagespezialistin Kapitalmärkte bei T. Rowe Price

Foto von Ritu Vohora Quelle: T. Rowe Price

Quelle TE Communications GmbH

EZB-Zinsentscheid: Keine Änderungen in diesem Jahr

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Swisscanto_ZKB Roger Rüegg2 Kopie

Kommentar zur Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) von Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB:

Die EZB lässt sich von den im März gestiegenen Energiepreisen nicht zu Zinserhöhungen verleiten und belässt den Leitzins bei 2,0 Prozent. Sie folgt damit den anderen Zentralbanken – mit Ausnahme Australiens, dort allerdings aus anderen Gründen. 

Wir gehen daher davon aus, dass die EZB ihren Kurs im Verlauf des Jahres nicht ändern wird. Die Erwartung der Märkte, dass die EZB die Zinsen im Jahr 2026 um ca. 50 Basispunkte (Bp) anheben würde, hatten wir für überzogen gehalten. Viele Marktteilnehmer zogen den Vergleich zum Schock im Jahr 2022 – allerdings waren damals die Fiskal- und die Geldpolitik infolge der Covid-Pandemie außergewöhnlich expansiv, mit erheblichen Engpässen in den Lieferketten. Heute ist die Geldpolitik in Europa dagegen neutral und entspricht einer Inflation von 2,0 Prozent im Rahmen einer leichten konjunkturellen Beschleunigung. Auch stellt die Währungsentwicklung kein gewichtiges Argument für die EZB dar: Beim aktuellen Kurs von 1,15 Euro/US-Dollar ist der Euro nicht weit vom 10-jährigen Durchschnitt entfernt. 

Aus der Sicht eines gemischten Portfolios sind die 100 Bp Zinsdifferenz zwischen den 3,0 Prozent am langen und den 2,0 Prozent am kurzen Ende auf der Zinskurve ansprechend. Selbst während des Inflationsanstiegs auf über 10 Prozent Ende 2022 war diese Differenz nicht so hoch.

Foto/Quelle: Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB (jpg) (Foto: Swisscanto)
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