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Freitag, Februar 3, 2023

Ökonomen zum überraschenden Umsatzplus beim Einzelhandel

Expertenmeinungen

Berlin, 31. Okt – Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im September überraschend leicht gesteigert. Ihr Erlöse kletterten um 1,8 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Inflationsbereinigt (real) gab es ein Plus von 0,9 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Minus von 0,3 Prozent gerechnet. Die hohe Inflation dämpft derzeit die Kauflaune der Verbraucherinnen und Verbraucher. Dieser Preisschub zeigt sich im Vorjahresvergleich. Die Einzelhändler hatten zwar 9,9 Prozent mehr in der Kasse als im September 2021. Rechnet man die Preissteigerungen heraus, gab es jedoch zum Vorjahresmonat ein reales Minus von 0,9 Prozent. Volkswirte hatten hier sogar einen Rückgang von 4,9 Prozent erwartet. 

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen: 

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

„Im September saß das Geld locker – trotz hoher Inflationsraten. Dass Wirtschaftszahlen auf der positiven Seite überraschen, kam zuletzt selten vor. Umso erfreulicher ist der üppige Zuwachs der Einzelhandelsumsätze im September. Der Lebensmitteleinzelhandel verbucht ein reales Umsatzplus von satten 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren verbuchte ein erhebliches Umsatzplus von 9,9 Prozent gegenüber dem August. Der Wegfall des Tankrabatts machte sich hingegen negativ an den Zapfsäulen bemerkbar. Die realen Umsätze der Tankstellen sanken im September 2022 um 15,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dies ist der größte Umsatzrückgang im Vormonatsvergleich seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994.

Die Einzelhandelsumsätze sind eine Riesenüberraschung. Dies erklärt auch das unerwartete klare Plus des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal von 0,3 Prozent. Die hohen Inflationsraten dürften möglicherweise derzeit sogar beim Konsum helfen. Das Motto könnte lauten: Lieber jetzt kaufen bevor es teurer wird. Für die EZB wäre dies allerdings ein fatales Signal, denn die Konsumenten würden nicht darauf setzen, dass die Inflationsraten bald kleiner ausfallen.“

ALEXANDER KRÜGER, CHEFÖKONOM HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

„Die schlechte Verbraucherlaune spricht für eine Fortsetzung des Abwärtstrends. Viele Konsumenten leiden unter dem gestiegenen Preisniveau und haben Existenzängste. Dass Unternehmen Stellenabbaupläne hegen, belastet mittelfristige Konsumperspektiven.“

Ökonomen zum überraschenden Umsatzplus beim Einzelhandel

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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