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Dienstag, November 29, 2022

Notenbanker Kazaks für weiteren großen EZB-Zinsschritt im September

Expertenmeinungen

Jackson Hole, 27. Aug – Die EZB sollte aus Sicht von Lettlands Notenbankchef Martins Kazaks auf ihrer Zinssitzung im September eine weitere kräftige Zinserhöhung auf den Weg bringen. Eine Rezession in der Euro-Zone sei inzwischen sehr wahrscheinlich, aber eine Konjunktureintrübung allein werde die Teuerung nicht nach unten drücken, sagte Kazaks am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Notenbank-Symposiums in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Geplante Zinserhöhungen vorzuziehen – Notenbanker bezeichnen dies als „frontloading“ – sei eine vernünftige geldpolitische Entscheidung. „Wir sollten offen dafür sein, sowohl 50 als auch 75 Basispunkte als mögliche Schritte zu diskutieren“, ergänzte er. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Juli im Kampf gegen die hochschießende Inflation im Währungsraum die Zinswende eingeleitet und dabei die Schlüsselsätze, anders als vorher in Aussicht gestellt, um kräftige 0,50 Prozentpunkte angehoben. Der Leitzins liegt damit bei 0,50 Prozent. Es war die erste Erhöhung seit elf Jahren. Die nächste Zinssitzung ist am 8. September. An der Börse wurde zuletzt davon ausgegangen, dass die Währungshüter dann die Zinsen erneut um einen halben Prozentpunkt anheben werden. Doch die Inflationsaussichten haben sich nicht verbessert, so dass einige Währungshüter jetzt die Option einer noch kräftigeren Zinserhöhung um 75 Basispunkte ins Spiel brachten.

„Aus gegenwärtiger Sicht sollten es mindestens 50 sein“, sagte Kazaks. Die Inflation war im Euro-Raum im Juli auf einen neuen Rekordwert von 8,9 Prozent geklettert – in den drei baltischen Euro-Staaten liegen die Teuerungsraten inzwischen sogar bei über 20 Prozent. Auch die Kerninflation, bei der schwankungsreiche Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert bleiben, ist zuletzt deutlich auf 5,1 Prozent gestiegen. Dies gilt als Indiz dafür, dass sich der Teuerungsschub inzwischen tiefer in die Wirtschaft eingegraben hat. Das Inflationsziel der EZB liegt bei mittelfristig zwei Prozent. Der Druck auf die Euro-Notenbank hat daher zuletzt merklich zugenommen.

DROHENDE REZESSION

Kazaks zufolge sollte die EZB bei den Schlüsselzinsen im ersten Quartal 2023 das sogenannte neutrale Niveau erreichen, bei dem eine Volkswirtschaft weder angeheizt noch gebremst wird. „Wenn wir keinen signifikanten Rückgang der Kerninflation sehen, müssen wir möglicherweise über den neutralen Wert hinaus,“ führte er aus. „Aber lassen Sie uns nicht vorgreifen,“ fügte er hinzu. Aus seiner Sicht sollte die EZB zudem auch irgendwann dazu übergehen, ihre durch die billionenschweren Anleihenkäufe der vergangenen Jahre stark aufgeblähte Bilanz zu verringern. Gegenwärtig solle sich die EZB aber vor allem auf die Zinsen fokussieren, sagte Kazaks.

Die EZB steckt geldpolitisch in keiner einfachen Position. Denn im Zuge der Preisexplosion bei Energie infolge des Ukraine-Kriegs droht die Euro-Zone in eine Rezession abzugleiten. Zwar dämpft dies im allgemeinen auch die Inflationsentwicklung. Eine kurze und eher leichte Rezession, wie von vielen Volkswirten erwartet, dürfte aber nicht ausreichen, um die Teuerung ohne ein Eingreifen der Notenbank unter Kontrolle zu bringen. Darauf hatte kürzlich EZB-Direktorion Isabel Schnabel hingewiesen.

„Bei dieser hohen Inflation wird es schwierig sein, eine Rezession zu vermeiden“, sagte Kazaks. Das Risiko sei erheblich und eine technische Rezession – ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgen Quartalen – sei sehr wahrscheinlich. Zu seinem Heimatland merkte der Notenbank-Gouverneur an: „In Lettland ist eine Rezession Bestandteil eines Basisszenarios.“

Notenbanker Kazaks für weiteren großen EZB-Zinsschritt im September

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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