Nordkorea testet bislang größte ballistische Interkontinental-Rakete

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Seoul, 24. Mrz (Reuters) – Nordkorea hat seine wohl größte ballistische Interkontinental-Rakete getestet und damit harsche Kritik hervorgerufen. Mit dem Test, über den das Militär in Südkorea und Japan am Donnerstag zuerst berichteten, beendet Nordkorea sein 2018 selbst auferlegtes Moratorium. Es wäre der erste vollständig geglückte Start der größten Rakete Nordkoreas seit 2017 und ein wichtiger Schritt des Landes hin zur Entwicklung von Waffen, die Atomsprengköpfe tragen und Ziele überall in den USA erreichen können.

Das US-Präsidialamt verurteilte den Raketentest scharf. Kritik kam auch aus Südkorea und Japan. Mit solchen Tests verstößt Nordkorea gegen UN-Resolutionen. Gespräche über einen Friedensprozess zwischen den beiden koreanischen Staaten und Verhandlungen mit den USA über eine atomare Abrüstung Nordkoreas liegen seit längerem auf Eis.

„Dieser Start ist ein dreister Verstoß gegen mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates“, erklärte die Sprecherin des US-Präsidialamtes, Jen Psaki. Der Start erhöhe unnötig die Spannungen und berge das Risiko, dass die Sicherheitslage in der Region destabilisiert werde. „Die Tür zur Diplomatie hat sich nicht geschlossen, aber Pjöngjang muss seine destabilisierenden Aktionen sofort einstellen.“

Südkoreas scheidender Präsident Moon Jae In, der die Einbindung Nordkoreas zum Hauptziel seiner Regierungszeit gemacht hatte, verurteilte den Test. Er sei ein Verstoß gegen das Moratorium für den Start von Interkontinental-Raketen, das Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un der internationalen Gemeinschaft selbst zugesichert hatte. Japans Ministerpräsident Fumio Kishida sprach von einem „inakzeptablen Akt der Gewalt“.

RAKETE FLIEGT RUND 1100 KILOMETER WEIT

Die Rakete sei von der Ostküste aus gestartet und Richtung Meer geflogen, teilte das südkoreanische Militär mit. Sie sei in der Nähe von Sunan abgefeuert worden, wo sich der internationale Flughafen von Pjöngjang befindet. Auch am 16. März hatte Nordkorea wohl von dort eine Rakete gestartet, die offenbar kurz nach dem Start explodiert war. 

Nach japanischen Angaben handelte es sich bei dem jüngsten Test vermutlich um eine Interkontinental-Rakete neuen Typs. Sie sei etwa 71 Minuten lang rund 1100 Kilometer weit geflogen und habe eine maximale Höhe von etwa 6000 Kilometern erreicht. Dann sei sie in Japans Ausschließlicher Wirtschaftszone rund 170 Kilometer westlich der Präfektur Aomori im Norden des Landes ins Meer gestürzt, teilte die Küstenwache mit. Das südkoreanische Militär schätzte die maximale Höhe auf 6200 Kilometer und die Reichweite auf 1080 Kilometer.

Damit flog die Rakete höher und weiter als die Hwasong-15, die Nordkorea 2017 getestet hatte. Sie war 53 Minuten lang geflogen und hatte eine Höhe von rund 4475 Kilometern sowie eine Reichweite von 950 Kilometern erreicht. 

Nordkorea hat in diesem Jahr bereits ungewöhnlich viele Raketen getestet. Südkorea und die USA hatten seit einiger Zeit befürchtet, dass das international isolierte Land auch die Tests seiner Interkontinental-Raketen wieder aufnehmen und seine bislang größte Rakete dieser Art, die Hwasong-17, testen könnte. Nach US-Angaben gab es mindestens zwei Tests – am 27. Februar und 5. März – , bei denen das Hwasong-17-System zum Einsatz kam, aber nicht die volle Reichweite der Rakete zeigte. 

Experten zufolge ist die Hwasong-17 erheblich größer als die Hwasong-15. Die neue Rakete wurde im Oktober 2020 erstmals gezeigt, ein Jahr später ein zweites Mal. Sie wurde auf einem Transporter mit elf Achsen präsentiert und wäre eine der weltweit größten Interkontinental-Raketen, die auf der Straße transportiert werden kann.

Nordkorea testet bislang größte ballistische Interkontinental-Rakete

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

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