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Montag, Januar 30, 2023

Metall-Tarifparteien ohne Annäherung – Warnstreiks folgen

Expertenmeinungen

Frankfurt/Berlin, 27. Okt – In der Metallindustrie stehen nach einer ergebnislosen dritten Verhandlungsrunde erste Warnstreiks in der Nacht von Freitag auf Samstag bevor. Die Gewerkschaft IG Metall kündigte in Bayern und Baden-Württemberg am Donnerstag erste Arbeitsniederlegungen in Nachtschichten an. Die Arbeitgeber hatten in der dritten Runde eine Offerte vorgelegt. Sie bieten nach Angaben des Dachverbandes Gesamtmetall bundesweit eine steuer- und abgabenfreie Inflations-Ausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro für eine Laufzeit von 30 Monaten. Eine dauerhaft wirksame Tabellenerhöhung sei denkbar. 

Die Chefs der beiden großen IG-Metall-Bezirke, Johann Horn und Roman Zitzelsberger, wiesen das als völlig unzureichend zurück. „Jetzt geht’s in die Warnstreiks“, erklärte Zitzelsberger in Böblingen. Damit wollten die Beschäftigten, die im Südwesten zu Zehntausenden schon im September sich an Aktionen beteiligt hatten, ihrer Forderung Nachdruck verleihen.

Die IG Metall fordert für die 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie acht Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit. Der bayerische Verhandlungsführer Horn sagte, es sei eigentlich kein Angebot, weil die Arbeitgeber gar nicht auf die Gewerkschaftsforderung eingingen. „Damit provozieren die Arbeitgeber den Widerstand der Beschäftigten.“ Zudem seien keine Zeitpunkte für die Auszahlung der 3000 Euro oder die Tabellenerhöhungen genannt.

Zitzelsberger bezifferte die Pauschale auf ein Plus von zwei Prozent. „Dem Angebot fehlt der Wumms“, sagte Daniel Friedrich, Verhandlungsführer bei der IG Metall Küste. Außer bei der Einmalzahlung blieben die Arbeitgeber im Ungefähren. „Und dafür verlangen sie eine automatische Differenzierung und auch noch die Möglichkeit, das Weihnachtsgeld in den Betrieben zu streichen.“

ARBEITGEBER: KEIN WACHSTUM 2023

Eine Einmalzahlung helfe unmittelbar und helfe besonders den Arbeitnehmern in den unteren Lohngruppen, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf. Die Arbeitgeber zeigten damit ihre Bereitschaft, vorhandene Spielräume zu nutzen. Die Arbeitgeber argumentieren mit der einsetzenden Rezession, die viele Firmen schwer treffen werde. Der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Harald Marquardt, erklärte, die Pauschale bedeute ein Plus von mehr als zehn Prozent in der unten Entgeltgruppe. Die Forderung der IG Metall bedeute, die Belastung durch die höheren Verbraucherpreise komplett den Unternehmen aufzubürden. Die litten aber genauso stark unter Inflation. Die Maßnahmen der Politik kompensierten die Inflation bei einem Durchschnittsverdiener um vier bis sieben Prozent.

In den kommenden zwölf Monaten gebe es kein Wachstum, das verteilt werden könne, erklärte Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf. „Selbst das gewerkschaftseigene Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet für 2023 mit einem Schrumpfen der Wirtschaft statt mit einem Wachstum.“ Die Verhandlungen werden nach Angaben der IG Metall in Bayern und Baden-Württemberg am 8. November fortgesetzt. 

In der Chemie-Industrie einigten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber vergangene Woche auf ein neues Tarifpaket für die 580.000 Beschäftigten. Es sieht Sonderzahlungen von insgesamt 3000 Euro sowie tabellenwirksame Entgelterhöhungen von jeweils 3,25 Prozent zum Januar 2023 und Januar 2024 vor. Die Laufzeit endet am 30. Juni 2024. Der Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, sieht in dem Abschluss Signalwirkungen auch für andere Branchen.

Metall-Tarifparteien ohne Annäherung – Warnstreiks folgen

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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