Meinungen: Volkswirte zum leichten Rückgang der Inflation im Januar

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Update 14:49 Uhr

Frankfurt/Berlin, 31. Jan (Reuters) – Die Inflation lag im Januar um 4,9 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist. Angetrieben von den stark steigenden Energiepreisen hatte sie im Dezember noch bei 5,3 Prozent gelegen. Auch wenn es nach sechs Monaten mit anziehender Teuerung nach der Jahreswende nun etwas bergab ging, blieb der Rückgang hinter den Erwartungen zurück. Von Reuters befragte Ökonomen hatten für Januar nur mit einer Inflationsrate von 4,3 Prozent gerechnet.

Das sagen die Volkswirte und Analysten dazu:

ALEXANDER KRÜGER, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

„Bei aller Freude über die gesunkene Inflationsrate überwiegt die Enttäuschung. Nach wie vor ist der Energiepreisdruck so hoch, dass die Inflationsrate nicht deutlicher fällt. Ob der Inflationsgipfel tatsächlich hinter uns liegt, ist nun weniger klar geworden. Im ersten Halbjahr 2022 dürfte die Inflationsrate auf jeden Fall eine Vier vor dem Komma behalten.“

NILS JANNSEN, IFW KIEL:

„Treiber sind deutlich höhere Rohstoffpreise und die wegen Lieferengpässen steigenden Erzeugerpreise, die nach und nach an die Verbraucher weitergereicht werden. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Verbraucher trotz zuletzt kräftig steigender Preise hoch. Mangels Konsummöglichkeiten während der Pandemie haben sie ein Finanzpolster aufgebaut, das sie für Preisanstiege weniger empfindlich macht.“

ULRICH KATER, DEKABANK:

„Die Serie an negativen Inflationsüberraschungen reißt nicht ab. Erst wurde der Anstieg der Inflation unterschätzt, jetzt wird der Rückgang überschätzt. Die Inflationsraten in Deutschland werden zwar im Jahresverlauf weiter sinken, sie werden aber wohl das ganze Jahr über zwei Prozent bleiben. Je länger sich diese hohen Inflationsraten festsetzen, desto stärker werden sich Wirtschaft und Finanzmärkte an ihnen orientieren und die Inflation dauerhaft machen.“

FRITZI KÖHLER-GEIB, KFW:

„Nach den rasanten Preisanstiegen im vergangenen Jahr ist die weitere Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland mit großer Unsicherheit behaftet. So wirken einerseits das Wegfallen von Sonder- und Basiseffekten aus dem Jahr 2020, aber auch die mit der Omikron-Variante einhergehende Abkühlung der Wirtschaftsaktivität einem weiteren Preisanstieg zunächst entgegen. Den Rückgang begrenzt haben andererseits Faktoren wie die weiterhin ungelösten Angebotsengpässe und steigende Energiepreise, die geopolitischen Spannungen mit Russland und die strikte ‚No-Covid-Politik‘ der chinesischen Regierung. In Anbetracht aller Unsicherheiten ist es entscheidend, dass die EZB die Zinswende im Blick behält, verlässlich kommuniziert und diese unter Berücksichtigung der weiteren Inflationsentwicklung konsequent verfolgt.“

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:

„Die Hoffnung auf ein deutliches Absacken der Inflation zum Jahresbeginn hat sich nicht erfüllt. Der Preisdruck wird anhalten, weil Unternehmen die viel höheren Beschaffungskosten nun kontinuierlich über Preisanpassungen an die Endverbraucher weitergeben werden. Das Jahr 2022 hat inflationär begonnen und wird es bleiben. Wenig inflationär sind demgegenüber die aktuellen Lohnabschlüsse. Für die Inflationsperspektive ist das vorteilhaft, weil eine Lohn-Preis-Spirale derzeit noch nicht erkennbar ist. Für die Arbeitnehmer/innen bedeutet das aber, dass es auch 2022 für viele Menschen zu Kaufkraftverlusten kommen wird.“

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

„Mit dem Wegfall des Effektes aus der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer hätte der Rückgang eigentlich ausgeprägter sein müssen. Aber durch den Anstieg der Preise für Haushaltsenergie gab es nur einen vergleichsweise moderaten Rückgang der Inflation. Betrachtet man dazu die Ölpreisentwicklung am aktuellen Rand, wird zusehends unwahrscheinlicher, dass die Inflation bis Ende des Jahres auf ein für die Geldpolitik akzeptables Niveau fällt. Diese Zahlen werden im EZB-Rat in der anstehenden Sitzung für Diskussionen sorgen, zumal auch die Daten aus Spanien und Belgien deutlich höher lagen als gedacht.“

MICHAEL HEISE, HQ TRUST:

„Eine 3 vor dem Komma ist vorerst nicht in Sicht. Sie könnte allenfalls im zweiten Halbjahr wieder möglich sein, wenn die Lieferengpässe und damit die Erzeugerpreise zurückgehen und wenn sich die Energie- und Rohstoffpreise nicht weiter deutlich verteuern. Eine geldpolitische Wende sollte angesichts der Inflationszahlen für Deutschland und andere EWU Staaten nicht länger hinausgezögert werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die längerfristigen Inflationserwartungen weiter erhöhen und sich die Inflation damit selbst verstärkt.“

MARCO WAGNER, COMMERZBANK:

„Vor allem die Energiepreise haben kräftig zugelegt. Der Rückgang der Teuerungsrate ist alleine darauf zurückzuführen, dass der Effekt der temporären Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020 den Vorjahresvergleich nicht mehr wie in den Vormonaten nach oben verzerrt. Ohne diesen Effekt hätten sowohl die Gesamt- wie auch die Kernrate im Januar weiter zugelegt.“

RALF UMLAUF, HELABA:

„Die Zahlen liegen insgesamt deutlich höher als erwartet. Die Teuerung erscheint damit hartnäckiger als zunächst gedacht und so steht die EZB unter Druck, doch noch schneller zu reagieren. Auf jeden Fall dürften die Notenbanker am Donnerstag in Erklärungsnöte kommen.“

THOMAS GITZEL, VP BANK:

„EZB-Chefin Christine Lagarde dürfte heute ein Stein vom Herzen fallen. Der Rückgang der Inflationsraten wird innerhalb der EZB flehentlich herbeigesehnt. Zwar fällt der Teuerungsrückgang etwas geringer aus als Volkswirte erwartet hatten, doch immerhin stimmt die Richtung. Letzteres ist entscheidend. Die fallende deutsche Inflationsrate ist deshalb reine Labsal für die Währungshüter. Christine Lagarde darf guter Dinge sein, dass sich die These eines nur temporären Inflationsanstieges bewahrheitet. Vermutlich sehen wir deshalb am Donnerstag in der EZB-Pressekonferenz eine gutgelaunte Notenbank-Präsidentin.“ 

Meinungen: Volkswirte zum leichten Rückgang der Inflation im Januar

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