Sonntag, Mai 19, 2024
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Lufthansa setzt nach Turnaround auf stabiles Wachstum

Frankfurt, 03. Mrz – Die Lufthansa will nach der verlustreichen Corona-Pandemie zurück zu alter Stärke finden. Nach dem ersten Gewinn 2022 seit Ausbruch der Pandemie soll es für die Airline-Gruppe weiter aufwärts gehen. „Die Lufthansa ist zurück. In nur einem Jahr ist uns ein nie zuvor erreichter finanzieller Turnaround gelungen“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Freitag. „Insgesamt gehen wir auf Jahre von gesundem Angebot aus“, ergänzte Spohr, dessen Vertrag in dieser Woche vorzeitig bis Ende 2028 verlängert worden war. Die Nachfrage werde steigen, das Flugangebot wegen Produktionsstau bei den Flugzeugbauern und Teilemangel aber knapp bleiben. 

Im vergangenen Jahr erzielte die Lufthansa ein bereinigtes Betriebsergebnis von 1,5 Milliarden Euro nach einem Defizit von 1,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz verdoppelte sich dank starker Nachfrage nach Passagierflügen und in der Luftfracht fast auf knapp 33 Milliarden Euro. Die Airlines der Gruppe – neben Lufthansa und dem Ferienflieger Eurowings die Schweizer Swiss, Austrian Airlines (AUA) und Brussels Airlines – beförderten 2022 insgesamt 102 Millionen Passagiere, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch unter dem Strich schaffte der MDax-Konzern, der Chancen auf eine Rückkehr in den Leitindex Dax bei der Überprüfung der Indizes der Deutschen Börse am Abend hat, schwarze Zahlen: Der Nettogewinn lag mit 791 Millionen Euro aber unter den Analystenschätzungen von 875 Millionen Euro. Eine Dividende soll es wieder 2024 geben.

Positiv stimmt Lufthansa-Chef Spohr die ungebrochen hohe Nachfrage – und das trotz gestiegener Ticketpreise, denn die Durchschnittserlöse sollen weiter mindestens ein Fünftel über dem Vorkrisenniveau liegen. So soll das Kapazitätsangebot bei den Passagierairlines auf 85 bis 90 Prozent erhöht werden von 72 Prozent 2022. Den Gewinn will das Management 2023 „deutlich“ steigern. Das wäre jedenfalls mehr als die Markterwartung von bislang maximal 1,65 Milliarden Euro, erklärte Finanzchef Remco Steenbergen. Im kommenden Jahr peilt der Konzern acht Prozent Rendite an – das wären der Lufthansa zufolge über drei Milliarden Euro operativer Gewinn, mehr als in guten Jahren vor der Pandemie. 

FLUGCHAOS VERMEIDEN

Erneut waren 2022 die Frachttochter Lufthansa-Cargo mit einem Rekordergebnis von 1,6 Milliarden Euro und die Wartungstochter Lufthansa Technik größte Gewinnquellen, während die Passagier-Airlines wegen des schwachen ersten Halbjahres noch 300 Millionen Euro Verlust einfuhren. Ferner schlugen hohe Kosten von 555 Millionen Euro zur Entschädigung von Kunden für Flugausfälle und -verspätungen im Sommer zu Buche, als es in der Luftfahrt wegen Personalmangels überall klemmte. Auch in diesem Sommer dürfte noch nicht alles rund laufen, so nahm die Lufthansa bereits wieder Flüge aus dem Programm. Die Airline plane bewusst vorsichtig, weil Zuverlässigkeit nach dem Chaos im letzten Sommer an oberster Stelle stehe, erklärte Spohr.

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Lösung in besserer Bezahlung des Personals und fordert Verhandlungen über eine Inflationsausgleichsprämie von 3000 Euro für alle. „Wenn solche Anreize zum Verbleib in der Lufthansa fehlen, dann werden wir wieder einen Chaos-Sommer erleben“, warnte Marvin Reschinsky, Verdis Konzernbetreuer für die Lufthansa. Spohr erklärte, dies könne in künftigen Tarifrunden eine Rolle spielen. Die dauerhaften Tariferhöhungen seien im vergangenen Jahr aber schon über der Inflationsrate gewesen. Die Belegschaft soll in diesem Jahr von 109.000 auf 115.000 wachsen. 

CARGO-BOOM LÄSST NACH

Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo, die größte Gewinnquelle während der Corona-Krise, dürften Umsatz und Ergebnis nach einer Sonderkonjunktur in diesem Jahr zurückgehen. Die Transportpreise in der Luftfahrt waren während der Corona-Pandemie stark gestiegen – im vergangenen Jahr waren sie mehr als doppelt so hoch wie 2019. Das kehrt sich mit der schwächeren Konjunktur und wieder wachsenden Frachtkapazitäten mittlerweile um, die Frachtpreise sinken. 

Bei den geplanten Verkäufen von Tochterunternehmen sieht sich die Lufthansa nach Worten von Spohr nicht unter Druck: „Wir machen es, wenn der Richtige kommt – wenn nicht, dann nicht.“ Das betreffe sowohl den möglichen Verkauf von 20 Prozent der Wartungstochter Lufthansa Technik als auch den des Zahlungsdienstleisters Airplus. Auch für das internationale Catering sucht die Lufthansa einen Käufer. Bei Lufthansa Technik sei neben dem Teilverkauf auch ein Teilbörsengang noch immer eine Option, erklärte Finanzchef Steenbergen. 

Die Lufthansa will außerdem mit einem Einstieg bei der italienischen ITA Airways ihren Marktanteil in Italien ausbauen. Die Anfang des Jahres begonnenen Verhandlungen liefen sehr gut, sagte Spohr. Das Projekt habe Priorität, doch auch die portugiesische Staatsairline TAP, die vor der Privatisierung steht, hat Spohr im Auge. 

Lufthansa setzt nach Turnaround auf stabiles Wachstum

Quelle: Reuters

Symbolfoto: Bild von Tobias Rehbein auf Pixabay

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