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Samstag, Dezember 3, 2022

Kryptobörse FTX kämpft ums Überleben – Regulierer greifen ein

Expertenmeinungen

UPDATE Singapur/Frankfurt, 11. Nov – Die taumelnde Kryptobörse FTX sucht Insidern zufolge händeringend nach frischem Geld. Gleichzeitig froren mehrere Staaten Aktiva des Unternehmens ein, um die Folgen eines Kollapses für die Branche zu begrenzen. Außerdem kämpften am Freitag Rivalen von FTX darum, von den Turbulenzen nicht mit in die Abgrund gerissen zu werden. 

FTX-Chef Sam Bankman-Fried verhandele mit Konkurrenten und anderen Investoren über eine Finanzspritze im Volumen von 9,4 Milliarden Dollar, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Er führe unter anderem Gespräche mit der Kryptobörse OKX und dem Wagniskapital-Geber Sequioa. Während sich einige der potenziellen Geldgeber zurückhaltend über ein mögliches Engagement äußerten, stellte Justin Sun, Gründer der Software-Plattform Tron, einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge dagegen eine milliardenschwere Investition in Aussicht. Tron basiert auf der Blockchain-Technologie, die Bitcoin & Co zugrund liegt und ermöglicht die Abwicklung sogenannter Smart Contracts. Diese werden programmiert, um unter bestimmten Bedingungen automatisiert Zahlungen zu leisten. 

Die Chancen für eine Rettung von FTX beurteilten Experten dennoch als gering. „Sie liegen bestenfalls bei 20 bis 30 Prozent“, sagte Matthew Dibb, für das Tagesgeschäft zuständiger Chef des auf Kryptowerte spezialisierten Vermögensverwalters Stack Funds. 

BEHÖRDEN ERMITTELN – MEHR REGULIERUNG GEFORDERT

Parallel dazu wies ein anderer Insider darauf hin, dass die US-Börsenaufsicht SEC gegen Bankman-Fried ermittele. Außerdem macht den früheren Wall Street-Händler nach eigenen Angaben sein Brokerhaus Alameda dicht, das als Auslöser für die Turbulenzen bei einer der weltweit größten Kryptobörsen gilt. 

Vor diesem Hintergrund wurden in den USA Forderungen nach einer strengeren Regulierung des Sektors lauter. „Börsen sollten keine derartigen Risiken bergen“, kritisierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. „Aber da draußen ist der Wilde Westen und Imperien sind dort auf Sand gebaut.“ Einem Medienbericht zufolge widerrief die zyprische Börsenaufsicht die EU-Lizenz von FTX. Außerdem froren Behörden der Bahamas einige Aktiva einer FTX-Tochter ein. „Von den USA über Japan bis zu den Bahamas haben Regulierer bereits eingegriffen“, sagte Kami Zeng, Chef-Analyst des auf Kryptowährungen spezialisierten Vermögensverwalters Fore Elite. „Da kommt noch mehr.“ 

SCHADENSBEGRENZUNG UND MÖGLICHE ANSTECKUNGSEFFEKTE

Unterdessen stoppte die Kryptobank BlockFi, die im Sommer von FTX übernommen werden sollte, vorerst sämtliche Abhebungen von Kundengeldern. Beim Brokerhaus Genesis stehen nach eigenen Angaben 175 Millionen Dollar im Feuer, die in Handelsgeschäften an der FTX stecken. In Japan schrieb der Technologie-Investor Softbank9984.T seine Beteiligung an der Kryptobörse komplett ab. Einem Insider zufolge lag der Betrag bei weniger als 100 Millionen Dollar. 

FTX war in den vergangenen Tagen in Schieflage geraten, weil Kunden massenhaft Gelder abzogen. Branchenprimus Binance wollte FTX daraufhin übernehmen, machte im letzten Moment aber einen Rückzieher. Dies schüre Ängste, dass bei anderen Firmen ähnliche Schwachstellen zutage träten wie bei FTX, sagte Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Er zitierte Börsenguru Warren Buffett, dem zufolge erst dann klar wird, wer nackt geschwommen ist, wenn die Flut zurückweicht. 

Auch der Kryptowährungsmarkt geriet in Turbulenzen. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise Bitcoin und die Nummer zwei Ethereum verloren seit Wochenbeginn jeweils rund 20 Prozent an Wert. Bitcoin fiel dabei zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief von 15.566 Dollar. Der FTX-Token, eine Art digitaler Anteilsschein, rauschte sogar mehr als 80 Prozent in die Tiefe. „Das Vertrauen war vom ersten Tag dieser Affäre weg“, sagte Fore Elite-Experte Zeng. „Es ist nicht abzusehen, dass es zurückkommt.“ 

Kryptobörse FTX kämpft ums Überleben – Regulierer greifen ein

Quelle: Reuters

Titelfoto: Bild von A M Hasan Nasim auf Pixabay

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