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Donnerstag, Dezember 8, 2022

Geldanlage mit ETFs: Warum Indexfonds auch in Krisenzeiten sinnvoll sind

Expertenmeinungen

Als vor 30 Jahren der erste ETF auf den Markt kommt, ahnt niemand, welche Erfolgsgeschichte die Börsenteilnehmer miterleben werden. Aktuell stecken beinahe sechs Billionen Euro in den passiven Anlageprodukten – und die Tendenz steigt. Bereits 1993 wurde der erste ETF von State Street Global Advisors aufgelegt. Ziel war ein günstiges Anlageprodukt, das unkompliziert ein breit diversifiziertes Portfolio ermöglicht. Das Prinzip, dem dieser erste ETF folgte, gilt dabei heute noch. Da ein ETF immer einen Index eins zu eins abbildet, ist kein aktives Management nötig und die Verwaltungsgebühren für Anleger sehr gering. Außerdem können mit keinem anderen Anlageprodukt gleichzeitig mehr Regionen, Sektoren und Unternehmen ins Portfolio geholt und so Risiken minimiert werden wie bei einem ETF. 

Obwohl State Street Global Advisors bereits in den 1970er Jahren Indexfonds konstruierte, wurde der erste ETF, der Standard & Poor’s Depositary Receipt (SPDR), erst 1993 an der New Yorker Börse gelistet. Der SPDR-ETF bildet den S&P 500 Index ab und ist aktuell, mit einem verwalteten Vermögen von 280 Milliarden US-Dollar, der größte ETF überhaupt. Heute, knapp 30 Jahre später gibt es mehr als 8.000 ETFs weltweit – alleine an der Deutschen Börse in Frankfurt werden mehr als 1.500 Indextracker angeboten. Waren ETFs in den ersten Jahrzehnten vor allem ein Instrument für professionelle Investoren, so haben in den vergangenen Jahren auch immer mehr Privatanleger die Finanzprodukte für sich entdeckt.

Dabei sind die niedrigen Gebühren der Hauptgrund dafür, dass ETFs den traditionell gemanagten Fonds zunehmend Marktanteile abspenstig machen. Zudem sind sie leicht verständlich, einfach umzusetzen und mit der richtigen Strategie auch risikoarm. Wer sein Portfolio breit über verschiedene Länder und Branchen diversifizieren möchte, kann dies schon mit der Investition in einen einzigen ETF erledigen. Mit dem SPDR MSCI All-Country-World ETF (ACWI IMI) beispielsweise können Anleger an der Wertentwicklung von derzeit über 8.900 großen, mittleren und kleinen Unternehmen aus 23 Industriestaaten und 27 Schwellenländern teilhaben. 

Demokratisierung der Geldanlage

Der Erfolg der börsengehandelten Indexfonds kam jedoch nicht über Nacht. Erst 19 Jahre nach Auflegung des ersten ETFs wurde die Billion-Dollar-Marke erreicht. Danach ging es allerdings schnell – bis zur zweiten Billion dauert es nur noch vier Jahre bis zur nächsten dann nur noch zwölf Monate. Dennoch sind ETFs in der Fondsindustrie noch Nachzügler, wobei ETFs in den USA mit mehr als 16 Prozent des passiven Fondsvermögens schon wesentlich weiter sind als die europäischen Anleger.

In unseren Breiten fallen gerade einmal fünf Prozent auf die passiven Produkte. Allerdings wird sich das bei dem aktuellen Wachstum des ETF-Marktes noch ändern. Friedrich Merz bezeichnete ETFs kürzlich sogar als Instrument zur Demokratisierung der Geldanlage, weil privaten Investoren endlich ein Tool zur Verfügung stünde, das bisher nur Profis vorbehalten war. 

ETFs für Privatanleger

Der größte Vorteil  von ETFs gegenüber aktiv gemanagten Fonds ist auch der wichtigste: ETFs kosten den Anleger viel weniger. Verwaltungsgebühren von Fonds mit aktivem Management betragen in der Regel 1,5 bis zwei Prozent des Fondsvermögens. Ein ETF dagegen kostet meist zwischen 0,1 und 0,6 Prozent des Fondsvermögens. Das ist möglich, da sich der Anteilwert des ETF genauso entwickelt, wie das zugrunde liegende Index dafür ist nur wenig Manpower nötig.

ETFs können dabei Aktienindizes oder auch einen Anleiheindex nachbilden. Welche Unternehmen sich genau in dem Index beziehungsweise dem ETF, der ihm folgt, befinden, kann einfach online abgerufen werden. Somit sind Investments dieser Art auch äußerst transparent.

Portfolio diversifizieren und Risiko streuen 

Auch aktive Fonds sind dazu verpflichtet, das Anlagerisiko gering zu halten, indem sie in viele verschiedene Wertpapiere investieren. ETFs bieten hier allerdings den Vorteil, dass die Risikostreuung noch größer ist, insofern man sich für einen Index entscheidet, der sehr viele Unternehmen enthält. Während beispielsweise ein ETF auf den deutschen Aktienindex DAX nur die Entwicklung aller 40 im Index enthaltenen Aktien abbildet, sind in einem ETF auf den MSCI World Index dagegen rund 1.600 Unternehmen weltweit enthalten. Wer einen MSCI All Country-World-ETF kauft, geht noch weiter und investiert mit einem ETF in rund 3.000 bis 4.000 Aktien aus der ganzen Welt. Eine solche Risikostreuung, kann mit dem Kauf einzelner Aktien nicht erreicht werden. 

Geldanlage mit ETFs: Warum Indexfonds auch in Krisenzeiten sinnvoll sind

Autor: Markus Weis blickt auf insgesamt mehr als 20 Jahre Investmenterfahrung zurück. Aktuell ist er Head of Germany bei SSGA SPDR. Zuvor war er bereits stellvertretender Country Head für Deutschland und Österreich bei Vanguard.

https://www.ssga.com/de/en_gb/institutional/etfs

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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