Fresenius sucht Investoren – Offen für FMC-Verkauf

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Frankfurt, 22. Feb (Reuters) – Fresenius-Chef Stephan Sturm sucht für große Wachstumsschritte frisches Kapital und öffnet den Gesundheitskonzern für Investoren. Dabei zeigt sich Fresenius erstmals offen für einen Verkauf seines Anteils an der Dialysetochter FMC und schließt für die Klinikkette Helios und die Dienstleistungssparte Vamed auch Börsengänge nicht aus.

„Kündige ich damit einen FMC-Verkauf an? Möchte ich den Konzern filetieren? Nein, ganz sicher nicht. Fresenius bleibt ein diversifizierter Gesundheitskonzern“, sagte Sturm am Dienstag zur Vorlage der Bilanz. „Ich lege Ihnen hier die Optionen dar, wie wir Fresenius mit Augenmaß umbauen und mit noch mehr Tempo voranbringen können.“

Zunächst will Sturm sich aber auf das Tagesgeschäft konzentrieren und Fresenius durch die Pandemie bringen, wobei auch das von ihm angestoßene Sparprogramm helfen soll. Er sei aber bereit, „das zügig anzugehen“. Sturm hatte im vergangenen Jahr die Konzernstruktur auf den Prüfstand gestellt, da das breit aufgestellte Unternehmen mit rund 316.000 Mitarbeitern aus Sicht des Vorstands nicht die Wertschätzung an der Börse erfährt, die es verdiene. Dort sind Abspaltungen en vogue, denn in Augen vieler Investoren sind die Teile eines Konglomerats mehr wert als das Ganze. 

Ein Jahr lang nahm der Vorstand sich für die Überprüfung Zeit – „ohne Tabus“, wie Sturm betonte. Sein Ergebnis: „Unsere aktuelle Konzernstruktur hat sich bewährt.“ Sie habe das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre erst ermöglicht. Alle vier Unternehmensbereiche – zu denen neben FMC, Helios und Vamed noch die Medikamentensparte Kabi gehört – hätten unverändert „hervorragende Wachstumschancen“. „Deshalb ist es für uns attraktiv, auch in allen vier Unternehmensbereichen investiert zu sein.“ Man dürfe aber nicht aus Prinzip an bestehenden Strukturen und Eigentumsverhältnissen kleben. Hinzu komme: „Wenn wir diese Wachstumschancen wirklich konsequent nutzen wollen, wird das nicht nur über rein organisches Wachstum gehen.“

Für große Investitionen und Übernahmen müsse Fresenius aber neue Kapitalquellen erschließen, gestand Sturm ein. Denn eine weitere deutliche Erhöhung der Verschuldung sei nicht drin, ebenso wenig eine Kapitalerhöhung angesichts der aktuellen Börsenbewertung. Fresenius büßte in den vergangenen zwölf Monaten knapp sechs Prozent Kurswert ein und ist an der Börse derzeit etwa 19 Milliarden Euro wert.

Bislang hatte Sturm Spekulationen über eine Trennung von FMC stets eine Absage erteilt, ebenso einer separaten Börsennotierung von Sparten nach den Vorbild von FMC, die wie Fresenius im Leitindex Dax gelistet ist. 

Nun zieht der Vorstand einen Verkauf des Anteils an der Dialysetochter, der bei 32 Prozent liegt, in Betracht – sollte es dafür „ein wirklich attraktives Angebot“ geben. Bei Helios wolle Fresenius langfristig Mehrheitseigentümer bleiben, das müsse aber nicht zu 100 Prozent sein. Bei Vamed zeigte sich Sturm „unter bestimmten Umständen“ auch für eine Minderheitsbeteiligung offen.

Bei Kabi, der Keimzelle des Unternehmens mit Arzneimitteln und Infusionen, will Fresenius dagegen alleiniger Eigentümer bleiben. Dort will Sturm künftig mit Priorität investieren, da das Geschäft nach Einschätzung des Vorstands die besten Wachstumsaussichten und das beste Renditeprofil von allen vier Bereichen hat.

FRESENIUS PLANT ERSTMALS AKTIENDIVIDENDE

Für 2022 erwartet Fresenius einen währungsbereinigten Anstieg des Konzernumsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich und einen Zuwachs des bereinigten Konzerngewinns im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Mit seinem Sparprogramm kommt das Unternehmen schneller voran als erwartet: Bis 2023 werden nun Einsparungen von jährlich mindestens 150 Millionen Euro nach Steuern erwartet statt von mehr als 100 Millionen Euro. Die Mittelfristziele bekräftigte der Konzern, sieht diese aber nun am unteren Ende der bislang prognostizierten Spanne.

Im vergangenen Jahr fuhr Fresenius einen Umsatz von 37,5 Milliarden Euro ein – ein Zuwachs von drei Prozent. Währungsbereinigt stand ein Plus von fünf Prozent zu Buche. Der bereinigte Konzerngewinn erhöhte sich um vier Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Die Dialysetochter FMC hatte erheblich mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen, denn gerade Dialysepatienten sind bei Covid-19 besonders gefährdet. Der Konzerngewinn brach um 25 Prozent ein. 

Die Aktionäre von FMC sollen für das abgelaufene Jahr trotz der Einbußen eine um einen Cent erhöhte Dividende von 1,35 Euro je Aktie erhalten. Fresenius will die Dividende um vier Cent auf 92 Cent je Aktie erhöhen. Die Aktionäre haben erstmals die Wahl zwischen einer Bar- und einer Aktiendividende, sie können damit die Ausschüttung gegen Aktien der Gesellschaft tauschen. Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die 27 Prozent an dem Konzern hält, hat sich bereits für die Aktiendividende entschieden.

Fresenius sucht Investoren – Offen für FMC-Verkauf

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Titelfoto: Symbolfoto

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