Finanzministerium – Ende von EZB-Kaufprogramm kann höhere Zinskosten bedeuten

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Berlin, 11. Mrz (Reuters) – Das Auslaufen des wegen der Corona-Krise aufgelegten Anleihen-Kaufprogramms PEPP der Europäischen Zentralbank (EZB) kann dem Bundesfinanzministerium zufolge höhere Zinskosten nach sich ziehen. „Ein Stopp der Anleihekäufe könnte (…) im Prinzip zu steigenden Renditen beitragen“, heißt es in einer Antwort von Finanzstaatssekretär Florian Toncar (FDP) auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Christian Görke. Ob und wann sich ein solcher Effekt mit dem für 31. März angekündigten Ende von PEPP einstelle, „hängt jedoch von vielen weiteren Faktoren ab und ist nicht verlässlich prognostizierbar“, heißt es zugleich in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag.

Bis Ende Januar summierten sich die PEPP-Bestände aller öffentlichen Emittenten aus Deutschland auf mehr als 392 Milliarden Euro. Das habe das Angebot an Staatsanleihen am Markt reduziert und deren Rendite gesenkt, hieß es in der Antwort. 2021 verdiente der Bund angesichts historisch niedriger Zinsen beim Schuldenmachen: Bei der Ausgabe von Bundeswertpapieren wurden Zinseinnahmen von rund 5,6 Milliarden Euro verbucht. 

Finanzministerium

Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass der Bund verstärkt Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten begeben will, um von den niedrigen Zinskosten auch in Zukunft zu profitieren. „Der Anteil von Bundeswertpapieren mit Fälligkeiten von mehr als zehn Jahren an der ausstehenden Schuld wird planmäßig weiter anwachsen“, hieß es in der Antwort. Da zugleich die Emission bei kurzfristigen Papieren reduziert werde, solle die durchschnittliche Laufzeit steigen. 2021 lag diese bei 6,90 Jahren und damit einen Tick niedriger als im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 mit 6,91 Jahren. Das führt das Ministerium auf die Finanzierung der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise zurück, die zu einem großen Teil auch über kurzlaufende Bundeswertpapiere erfolgte.

Görke kritisiert die Entwicklung. Sowohl Finanzminister Christian Lindner (FDP) als auch dessen Vorgänger Olaf Scholz (SPD) hätten einen teuren Fehler gemacht. „Sie haben verpasst, viel mehr langlaufende Anleihen zu verkaufen“, sagte Görke zu Reuters. „So hätten sie die historisch günstigen Zinsen länger sichern können.“ Wenn die EZB bald weniger Anleihen am Markt kaufe oder den Zins anhebe, sei der Zug abgefahren. „Die Quittung sind dann höhere Zinskosten und damit Geldverschwendung“, sagte Görke.

Finanzministerium – Ende von EZB-Kaufprogramm kann höhere Zinskosten bedeuten

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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