Dienstag, Mai 28, 2024
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EZB-Zinswende hilft Euro nur leicht – Aktien uneinheitlich

Frankfurt, 21. Jul (Reuters) – Die überraschend kräftige Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat dem Euro nur begrenzten Auftrieb gegeben. Wegen des Rätselratens um die künftige Geldpolitik und die Entwicklung der heimischen Konjunktur gewann die Gemeinschaftswährung am Donnerstag 0,2 Prozent auf 1,0195 Dollar. Außerdem machte die Regierungskrise in Italien Investoren nervös. Vor diesem Hintergrund fiel der Dax um 0,3 Prozent auf 13.246,64 Punkte, während sich der EuroStoxx50 knapp im Plus bei 3585,68 Zählern behauptete. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 0,3 Prozent ein. 

Im Kampf gegen die galoppierende Inflation hob die EZB erstmals seit elf Jahren wieder die Zinsen an. Der Schritt von einem halben Prozentpunkt fiel doppelt so groß aus wie ursprünglich signalisiert. Nun hänge das weitere Vorgehen der Notenbank von der Inflation und der Konjunktur ab, sagte Julien Lafargue, Chef-Anlagestratege der Barclays Private Bank. „Das bedeutet, dass sich Investoren ohne klare Vorstellung über den nächsten Schritt der EZB von Sitzung zu Sitzung hangeln müssen.“ 

REGIERUNGSKRISE IN ROM – DRAGHI WILL NICHT MEHR

Verkompliziert wurden die Aussichten vom Bruch der Regierungskoalition in Italien. Anders als vor einer Woche werde Staatspräsident Sergio Mattarella das Rücktrittsangebot von Ministerpräsident Mario Draghi diesmal wohl annehmen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Marco Wagner. Er rechne für September oder Oktober mit Neuwahlen. „Damit dürfte der Antrieb für die Reformen, die Draghi auf den Weg gebracht hat, weitgehend dahin sein.“ 

Daher warfen Investoren italienische Staatsanleihen in hohem Bogen aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen BondsIT10YT=RR zeitweise auf ein Vier-Wochen-Hoch von 3,752 Prozent. Dies setzte den italienischen Banken zu, die traditionell viele dieser Papiere halten. Der Mailänder Branchenindex.FTITLMS3010 rutschte um drei Prozent ab. 

Das von der EZB vorgestellte Anti-Fragmentierungstool TPI, das ein Auseinanderlaufen der Bond-Renditen einzelner Euro-Staaten verhindern soll, bremste den Ausverkauf italienischer Anleihen vorerst nicht. Es sei zwar erfreulich, dass unbegrenzte Wertpapierkäufe möglich seien, sagte Paul Diggle, leitender Ökonom beim Vermögensverwalter abrdn. Es bleibe aber unklar, ob die Regierungskrise in Italien eine ‚unerwünschte, ungeordnete Marktdynamik‘ sei, die den Einsatz des TPI rechtfertige. 

DURCH „NORD STREAM 1“ FLIESST WIEDER GAS

Gleichzeitig gab es in der Gas-Krise vorläufig Entspannung. Nach dem Ende der Wartung der wichtigen Pipeline „Nord Stream 1“ fließt wieder russisches Erdgas nach Deutschland. Dies drückte den europäischen Future 3,4 Prozent ins Minus auf 156 Euro je Megawattstunde. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, gab Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets zu bedenken. Sollte weiterhin weniger Gas geliefert werden als ursprünglich vereinbart, könnten die Lager zum Jahresende leer sein. „Selbst wenn Deutschland seinen Verbrauch um ein Fünftel reduziert.“ 

Abwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 2,7 Prozent auf 103,97 Dollar je Barrel (159 Liter). Hier drücke unter anderem die vergleichsweise schleppende US-Benzinnachfrage zur Sommer-Reisesaison auf die Stimmung, sagte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates. 

UNIPER AUF TALFAHRT – TESLA-ZAHLEN ELEKTRISIEREN ANLEGER

Bei den Aktienwerten stand UniperUN01.DE erneut im Rampenlicht. Die staatliche Rettung des angeschlagenen Gas-Versorgers steht Insidern zufolge kurz bevor. Die Papiere rutschten dennoch um gut zehn Prozent ab, nachdem sie in den vorangegangen beiden Tagen zeitweise 34 Prozent zugelegt hatten. Auf der Verliererseite standen auch SAP. Nach einer Prognosesenkung fielen die Aktien des Softwareriesen um 2,8 Prozent. „Das Umsatz-Wachstum vor allem im wichtigen Cloud-Geschäft deutet aber darauf hin, dass das Geschäft im Großen und Ganzen gut läuft“, sagte ein Börsianer.

An der Wall Street gehörte Tesla mit einem Kursplus von etwa sieben Prozent zu den Favoriten. Der Elektroautobauer konnte seinen Gewinn trotz eines gesunkenen Absatzes fast verdoppeln. Das Unternehmen verdanke dies Preiserhöhungen und der gestiegenen Nachfrage nach ertragsstärkeren Modellen, schrieb Analyst Craig Irwin von der Investmentbank Roth. Die Aktie sei allerdings bereits recht teuer. 

EZB-Zinswende hilft Euro nur leicht – Aktien uneinheitlich

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