Experten halten Ampel-Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr für unrealistisch

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Berlin, 15. Feb (Reuters) – Die sogenannten Immobilienweisen halten den von der Bundesregierung angestrebten Bau von 400.000 Wohnungen pro Jahr für nicht realistisch. Das Ziel sei kaum erreichbar, sagte der Wohnimmobilien-Experte Harald Simons am Dienstag in Berlin.

Sollte die Ampel-Koalition Schwung in den Markt bringen, würden die zusätzlichen Wohnungen überwiegend erst in der nächsten Wahlperiode nach 2025 fertig. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hatte zuletzt bereits die Erwartungen zu dämpfen versucht: „Wir wollen im Laufe dieser Wahlperiode die 400.000 Wohnungen pro Jahr erreichen, diese Kapazitäten dann aber auch verstetigen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

2021 dürften rund 315.000 neue Wohnungen fertiggestellt worden sein. 2020 wurde erstmals seit 20 Jahren wieder die Marke von 300.000 überschritten. „Als Folge der gestiegenen Zahl an Baugenehmigungen dürften die Fertigstellungszahlen auch in den nächsten Jahren langsam weiter steigen“, heißt es im Frühjahresgutachten der Immobilienweisen, das am Dienstag veröffentlicht wurde.

Allerdings stagniert der Neubau vor allem in den besonders nachgefragten Top-Städten seit mindestens drei Jahren. „In Berlin schwankt die Zahl der fertiggestellten Wohnungen seit 2018 um die 18.000, in Hamburg um 10.000, in München um 9000 und in Frankfurt bereits seit 2014 um 5000 Wohnungen. Weder für 2022 noch in den Folgejahren kann mit einem neuen Anstieg der Fertigstellungszahlen gerechnet werden.“

Ziel

Der Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses, Andreas Mattner, forderte die neue Regierung aus SPD, Grünen und FDP auf, Investoren nicht mit zu viel Regulierungen abzuschrecken. Sonst werde es nicht mehr als 300.000 Fertigstellungen im Jahr geben. Das Ziel der Regierung sei sehr ehrgeizig, aber erreichbar, wenn alle dafür nötigen Hebel auch umgestellt würden. „Die Chance hat diese Regierung.“ Er freue sich über die Selbstverpflichtung.

KAUFPREISE STEIGEN DEUTLICH SCHNELLER ALS MIETEN

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen schossen 2021 im bundesweiten Mittel um 14,3 Prozent auf 3140 Euro pro Quadratmeter nach oben, wie aus dem Gutachten weiter hervorgeht. Im Jahr zuvor hatte das Plus bei 11,2 Prozent gelegen. Die Mieten für Bestandswohnungen erhöhten sich 2021 um 3,7 Prozent auf 8,46 Euro pro Quadratmeter. Hier hatte das Plus im Jahr davor bei 3,1 Prozent gelegen.

Simons kritisierte, in den Metropolen würden viel zu viele kleine Wohnungen mit maximal drei Zimmern inklusive Küche gebaut. „Wir bauen kleine Schuhschachteln.“ Daher seien bei den wenigen größeren Wohnungen Preisaufschläge zu beobachten. „Die Familien verlassen mit wehenden Fahnen die großen Städte.“ Es brauche dringend größere Wohnungen, um den Trend zu ändern.

Experten halten Ampel-Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr für unrealistisch

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