Freitag, April 10, 2026
StartBörseEuropas Börsen gehen auf Tauchstation - Zinssorgen belasten

Europas Börsen gehen auf Tauchstation – Zinssorgen belasten

Frankfurt, 06. Mai (Reuters) – Zinssorgen dies- und jenseits des Atlantiks haben den europäischen Aktienanlegern am Freitag zu schaffen gemacht. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils rund 1,2 Prozent auf 13.729 Punkte beziehungsweise 3651 Zähler. „Die Stimmung an der Börse ist schlecht und im aktuellen Umfeld fehlen die Kaufanreize für Aktien“, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets. Im Blick haben die Investoren vor allem die Zinspolitik der US-Notenbank Fed.

Notenbank-Chef Jerome Powell hatte nach der Zinserhöhung um 50 Basispunkte am Mittwoch weitere Anhebungen im größeren Stil von 75 Basispunkten zunächst ausgeschlossen. Doch viele zweifelten daran, dass eine Tempoverschärfung der Fed in den kommenden Wochen vom Tisch sein dürfte. 

„Die Börsianer trauen der Fed im Moment mehrheitlich nicht zu, dass sie gleichzeitig die Inflation bekämpfen und die Wirtschaft vor einem heftigen Absturz bewahren kann“, sagte Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Viele rechneten laut Experten damit, das die Inflations-Bekämpfung für die Fed Vorrang hat und damit in den kommenden Monaten auch größere Zinsschritte folgen könnten.

Rückschlüsse auf die künftige US-Geldpolitik erhofften sich die Investoren vom Arbeitsmarktbericht, der am Nachmittag anstand und einen Hinweis auf die Gesundheit der weltgrößten Volkswirtschaft geben dürfte. Analysten erwarten für April den Aufbau von 391.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach einem Plus von 431.000 Jobs im Vormonat.

ANLEGER SPEKULIEREN AUF STEIGENDE ZINSEN IM EURO-RAUM 

Neben der US-Notenbank lässt aber auch das Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) in puncto Zinswende die Anleger nicht los. Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung im Euro-Raum nahmen zu, nachdem das französische EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau sich für ein Ende der Anleihenkäufe in der zweiten Jahreshälfte ausgesprochen hatte – was als Voraussetzung für eine Zinserhöhung gilt. Der Euro verteuerte sich in der Spitze um 0,4 Prozent auf 1,0580 Dollar. Der Dollar-Index gab 0,2 Prozent auf 103,49 Zähler ab. 

Am Anleihenmarkt trennten sich die Investoren von Staatspapieren – dies trieb die Rendite der zehnjährigen deutschen Bonds auf 1,0888 Prozent, den höchsten Stand seit September 2014. Mit steigenden Zinsen werden Anleihen im Vergleich zu Aktien zunehmend attraktiver für Investoren.

RTL KANN MIT UMSATZZAHLEN NICHT PUNKTEN

Auf der Unternehmensseite rückte Adidas ins Rampenlicht. Nach einem Gewinneinbruch zu Jahresbeginn schraubt der Sportartikelkonzern die Erwartungen für 2022 zurück. Die Aktien rutschten im Dax zeitweise um fast sieben Prozent auf 175,44 Euro ab. Grund für den schwindenden Optimismus ist das Geschäft in China, das unter Boykottaufrufen gegen westliche Marken und den neuerlichen Corona-Lockdowns in großen Städten leidet. „Der größte Wachstumsmarkt der Branche dürfte für Adidas zumindest kurzfristig ein Problem bleiben“, urteilte Molnar von RoboMarkets. Für die Aktien des Rivalen Puma ging es fast drei Prozent abwärts.

Im MDax musste RTL trotz eines Umsatzwachstums zum Jahresauftakt Federn lassen. Die Aktien des europäischen Fernsehkonzerns fielen in der Spitze um fünf Prozent auf 41,72 Euro, den niedrigsten Stand seit Januar 2021. Laut einem Händler lagen die Umsatzzahlen leicht unter den Markterwartungen. Ein Kursfeuerwerk zündete dagegen SAF Holland, die im SDax fast 14 Prozent auf 7,67 Euro zulegten. Der bayerische Lkw-Zulieferer hat nach einem Anstieg im ersten Quartal seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr erhöht. 

An der Londoner Börse brockten ein überraschend hoher Quartalsverlust und gekappte Gesamtjahresziele IAG den größten Kursrutsch seit einem knappen halben Jahr ein. Die Aktien der British-Airways-Mutter rutschten in London um gut zwölf Prozent in den Keller. Der europäische Reiseindex gab zeitweise 2,5 Prozent nach.

Europas Börsen gehen auf Tauchstation – Zinssorgen belasten

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

- Advertisment -spot_img

Neueste Beiträge

Das könnte dir auch gefallen!

Erhalte ab sofort alle wichtigen Nachrichten des Tages um 19 Uhr kostenlos per eMail in dein Postfach!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.