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Donnerstag, Dezember 1, 2022

Europas Börsen auf Erholungskurs – Wall Street und BoE helfen

Expertenmeinungen

Frankfurt, 28. Sep – Gestützt auf Kursgewinne der Wall Street haben die europäischen Aktienmärkte ihre Talfahrt vorerst beendet. Außerdem hellten frische Geldspritzen der Bank von England (BoE) die Stimmung auf, sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. „Damit könnten die Briten den Weg für Wendungen anderer Zentralbanken frei gemacht haben.“ Anhaltende Rezessionsängste und die mutmaßliche Sabotage an Erdgas-Pipelines in der Ostsee verhinderten aber größere Kursgewinne. 

Dax und EuroStoxx50 stiegen nach mehreren Verlust-Tagen in Folge am Mittwoch um jeweils ein knappes halbes Prozent auf 12.183,28 beziehungsweise 3337,61 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 0,8 Prozent vor. Der Euro konnte seine Anfangsverluste ebenfalls wettmachen und verteuerte sich auf 0,9643 Dollar. Am Morgen hatte er mit 0,9534 Dollar noch ein 20-Jahres-Tief markiert. 

Kopfschmerzen bereitete Börsianern der überraschend deutliche Rückgang des GfK-Index, der die Kauflaune der deutschen Verbraucher widerspiegelt. Er markierte mit minus 42,5 Punkten ein Rekord-Tief. „Die Eiszeit bei der Verbraucherlaune wird anhalten, eine Stimmungswende liegt im Nirwana“, sagte Alexander Krüger, Chef-Volkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. 

Gleichzeitig stieg der europäische Erdgas-Future um fast elf Prozent auf 203,50 Euro je Megawattstunde. „Die Beschädigung der Infrastruktur drängt die Spannungen zwischen dem Westen und Russland in Richtung eines Punktes ohne Wiederkehr“, warnte Analystin Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank. 

BOE-GELDSPRITZE VERSCHAFFT BRITISCHEN BONDS VERSCHNAUFPAUSE

Um den Ausverkauf bei britischen Bonds zu stoppen, kündigte die BoE Wertpapierkäufe an. Die Rendite der zehnjährigen Gilts fiel daraufhin auf 4,037 Prozent, nachdem sie am Dienstag ein 14-Jahres-Hoch von 4,541 Prozent markiert hatte. Die erhoffte Beruhigung der Finanzmärkte könnte sich aber als trügerisch erweisen, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. „Wir wissen nun, wo die Schmerzgrenze der BoE liegt.“ Der Markt wird sie ausreizen wollen. 

Das Pfund Sterling schickte die BoE-Entscheidung auf eine Achterbahnfahrt. Am Abend lag die Währung 0,9 Prozent im Plus bei 1,0825 Dollar. Sollte sich die Kursentwicklung nicht beruhigen, sei der nächste Schritt eine außerplanmäßige Zinserhöhung, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. 

TRÜBE AUSSICHTEN SCHICKEN STAHLWERTE AUF TALFAHRT

Am Aktienmarkt flogen vor allem Stahlwerte aus den Depots. Die Titel von ArcelorMittal, Thyssenkrupp oder Salzgitter brachen um bis zu elf Prozent ein, nachdem Analyst Luke Nelson von der Bank JPMorgan ein düsteres Bild der Branchenaussichten gezeichnet hatte. Steigende Kosten bei sinkenden Verkaufspreisen drückten auf die Margen. Die Ertragskraft werde voraussichtlich auf die Tiefs während der Corona-Rezession 2020 zurückfallen. 

Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Papiere von Apple, die sich an der Wall Street um 3,4 Prozent verbilligten. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge strich der Elektronik-Konzern seine Pläne, die Produktion des iPhone 14 in der zweiten Jahreshälfte zu steigern. Die steigenden Kosten für Energie oder Hypotheken dämpften Konsumausgaben, sagte Patrick Armstrong, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Plurimi. „Apple ist nicht immun dagegen und das ist symptomatisch dafür, was zahlreichen Firmen widerfährt.“ Im Sog des Apple-Kursrutsches verloren die Aktien europäischer Zulieferer wie STMicro oder Nordic Semiconductor um bis zu 2,6 Prozent. 

Biogen verbuchte dagegen mit einem Plus von zeitweise gut 43 Prozent den drittgrößten Kurssprung der Firmengeschichte. Die Testergebnisse für ein Alzheimer-Medikament der Pharmafirma seien so gut ausgefallen, wie man es sich nur wünschen könne, sagte Analyst Phil Nadeau vom Vermögensverwalter Cowen. Er traue dem Mittel Multi-Milliarden-Dollar-Umsätze zu. Im Windschatten der Biogen-Rally rückten die Titel der Rivalen AC Immune, Ely Lilly und Roche, die ähnlich wirkende Arzneien entwickeln, bis zu 19 Prozent vor. 

Europas Börsen auf Erholungskurs – Wall Street und BoE helfen

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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