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Sonntag, Dezember 4, 2022

DIW-Chef- Krieg kostet deutsche Wirtschaft bis zu 200 Milliarden

Expertenmeinungen

Berlin, 24. Aug – Der seit sechs Monaten andauernde russische Krieg gegen die Ukraine wird die deutsche Wirtschaft nach den Worten von DIW-Präsident Marcel Fratzscher noch über Jahre belasten. „Der Ukraine-Krieg hat massiven Schaden für die deutsche Wirtschaft verursacht“, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Von dem zu Jahresbeginn für möglich gehaltenen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 4,5 Prozent in diesem Jahr könnte bestenfalls ein Plus von anderthalb Prozent übrig bleiben, was größtenteils an den ökonomischen Folgen des Krieges liege, der am 24. Februar begann. 

„Und das ist jetzt nur der Einfluss auf dieses Jahr.“ Das werde sich die nächsten zwei, drei Jahre fortsetzen – „so lange, bis wir wirklich unabhängig von russischem Gas sind“, sagte Fratzscher. Das werde bis mindestens 2025 dauern. „Wir reden grob geschätzt über drei Jahre hinweg von vier bis fünf Prozentpunkten des Bruttoinlandsproduktes, die verloren gehen“, sagte Fratzscher. „Das sind 150 bis 200 Milliarden Euro weniger Wirtschaftsleistung.“

„UNGEWÖHNLICHE REZESSION“

Fratzscher hält die Gefahr einer Rezession im Winterhalbjahr für „hoch und steigend“. Es könnte schon im laufenden Sommerquartal eine schrumpfende Wirtschaftsleistung geben. „Das könnte sich im Herbst und auch Anfang kommenden Jahres fortsetzen“, warnte der Ökonom. Im Augenblick sehe er aber keine tiefe Rezession. Es werde nicht so dramatisch werden wie zu Beginn der Corona-Pandemie. „Wir könnten eine ungewöhnliche Rezession erleben, in der wir keinen Anstieg der Arbeitslosigkeit haben werden, aber einen deutlichen Rückgang des privaten Konsums und damit des Lebensstandards ungewöhnlich vieler Menschen“, sagte Fratzscher. 

Nicht so schnell verschwinden wird nach seiner Prognose die hohe Inflation. „Wir müssen uns in den nächsten fünf Jahren auf Inflationsraten von drei bis vier Prozent einstellen.“ Es gebe zahlreiche Preistreiber wie teurere Rohstoffe, demografische Effekte sowie Lieferkettenprobleme. Drei bis vier Prozent Inflation müssten aber kein Problem sein. „Damit kann eine Wirtschaft leben, aber es ist sehr wohl ein riesiges Problem für die Zentralbanken.“ Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eigentlich eine Inflation von zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. 

„KEINE PANIK“

Fratzscher glaubt nicht an die Gefahr zu hoher Lohnabschlüsse, die dann die ohnehin kräftige Inflation weiter anheizen. „Das ist ein Märchen.“ Die Gefahr sei nicht akut. „Man muss jedenfalls keine Panik schieben, auch weil die Gewerkschaften nicht mehr eine so starke Verhandlungsmacht haben, wie dies noch in den 1970er Jahren der Fall war.“ Es gebe eher deutliche Reallohnverluste. Dieses Jahr dürften die Löhne im Schnitt um 4,5 Prozent zulegen – bei einer Inflation in Deutschland von etwa acht Prozent. „Auch für die kommenden Jahre sehe ich keine Anzeichen, dass wir in eine Lohn-Preis-Spirale rutschen könnten.“ 

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte zuletzt immer wieder vor einer solchen Spirale gewarnt und von einer realen Gefahr gesprochen. Fratzscher sagte dagegen, viele Unternehmen seien nicht überfordert mit den Lohnforderungen. Es gebe durchaus Spielräume in vielen Branchen. „In der Energiebranche zum Beispiel gibt es keinen Grund, dass die Lohnsteigerungen nicht deutlich über die Inflation hinausgehen. In anderen Branchen, die vor großen wirtschaftlichen Problemen stehen, sieht das anders aus und Lohnzurückhaltung ist richtig und notwendig.“ 

DIW-Chef- Krieg kostet deutsche Wirtschaft bis zu 200 Milliarden

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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