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Montag, Januar 30, 2023

Deutsche Wirtschaft wächst überraschend um 0,3 Prozent im 3. Quartal

Expertenmeinungen

Update Berlin, 28. Okt – Steigende Konsumausgaben der Verbraucher haben der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal völlig überraschend ein Wachstum beschert. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September ungeachtet der Energiekrise um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer Schätzung mitteilte. Erstmals wurde damit das Vor-Corona-Niveau von Ende 2019 wieder übertroffen, wenn auch nur um 0,2 Prozent.

Damit beschleunigte sich das Wachstum sogar, denn im zweiten Quartal hatte es nur zu einem Mini-Plus von 0,1 Prozent gereicht, nach 0,8 Prozent zum Jahrsauftakt. Das kommt unerwartet: Von Reuters befragte Ökonomen hatten diesmal mit einem Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet. Im Winterhalbjahr rechnen führende Institute aber mit einem Abgleiten in die Rezession.

Die Wirtschaft hat sich damit dem Statistikamt zufolge gut behauptet – „trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit anhaltender Corona-Pandemie, gestörten Lieferketten, steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine“. Ökonomen zeigten sich davon überrascht. „Absolut verblüffend“, kommentierte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch das überraschende Ergebnis. „Die europäische Wirtschaft ist offenbar erheblich anpassungsfähiger als viele denken“, sagte der Chefvolkswirt des Fondsanbieters DWS, Martin Moryson. Auch Frankreich und Spanien verzeichneten im Sommer ein Wachstum, das mit jeweils 0,2 Prozent etwas schwächer ausfiel als in Deutschland.

„EXTRA-ERSPARNISSE STABILISIEREN“

Dass ausgerechnet der Konsum zur Konjunkturstütze wurde, überrascht angesichts der hohen Inflation, die an der Kaufkraft nagt. „Stabilisierend wirken die hohen Auftragsbestände in der Industrie sowie die umfangreichen Extra-Ersparnisse der privaten Haushalte, die sich während der Pandemie angesammelt haben“, sagte der Konjunkturchef des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), Nils Jannsen.

Mitden positiven Nachrichten wird es aber Experten zufolge angesichts der Energiekrise infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine vorerst vorbei sein. „Das dürfte nur die Ruhe vor dem Sturm sein“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Entwicklung in den Sommermonaten, in denen die Bundesregierung Entlastungspakete wie Tankrabatt und 9-Euro-Ticket geschnürt hatte. „Denn die hohe Inflation lässt die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen.“ Nach Prognose des Münchner Ifo-Instituts wird die Wirtschaft im laufenden vierten Quartal um 0,6 Prozent schrumpfen. „Die anhaltend hohe Inflation und die Unsicherheit über die Energieversorgung und ihre Kosten belasten die deutsche Wirtschaft deutlich“, stellte auch die Bundesbank fest, die Deutschland an der Schwelle zur Rezession sieht. „Insgesamt könnte die Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr deutlich sinken.“

VIEL GEGENWIND

Die Wirtschaft sieht sich heftigem Gegenwind ausgesetzt. Die kräftige Teuerung von zuletzt 10,0 Prozent im September drückt die Kaufkraft der Verbraucher. „Die hohe Inflation verringert die Kaufkraft der verfügbaren Einkommen und drückt den privaten Konsum“, sagte IfW-Ökonom Jannsen. In der Industrie klagen noch immer etwa zwei Drittel der Betriebe über Materialmangel bei wichtigen Rohstoffen und Vorprodukten, weshalb sie nicht so viel produzieren können wie eigentlich möglich. Die Exporteure dürften die schwächere Weltkonjunktur zu spüren bekommen. In der Baubranche sorgen steigende Zins- und hohe Materialkosten für viele Stornierungen von Projekten.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zu Ende gehenden Jahr um 1,4 Prozent wachsen wird. Für 2023 rechnet sie mit einem Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent. Kommt es allerdings zu einem Gasmangel im Winter, droht ein heftiger Einbruch, warnen Exerten. „Ein Gasmangel würde die wirtschaftliche Aktivität wohl weitaus stärker belasten als eine etwas höhere Inflation“, sagte IfW-Ökonom Jannsen.

Deutsche Wirtschaft wächst überraschend um 0,3 Prozent im 3. Quartal

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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