Der Traum von Flugtaxis – in der Wirklichkeit sind die Hürden hoch

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Singapur, 17. Feb (Reuters) – Es ist ein lang gehegter Traum: Flugtaxis, die zwischen Häuserschluchten unterwegs sind, fliegende Autos für jedermann, Wundermaschinen aus Science Fiction-Filmen – und ein stark wachsendes Geschäftsfeld für Startups und alteingesessene Flugzeugbauer.

Bei der Flugshow, die derzeit in Singapur läuft, konnten Flugtaxi-Firmen wie Vertical Aerospace und die Embraer-Tochter Eve neue Kunden für sich begeistern. Doch bis der Traum vom Flugtaxi für Jedermann Wirklichkeit wird, muss noch eine Reihe hoher Hürden überwunden werden. Auf der einen Seite die Aufsichtsbehörden, die von der Sicherheit der kleinen Senkrechtstarter überzeugt werden müssen – auf der anderen Seite die Bevölkerung.

Ganz abgesehen von technologischen Herausforderungen. Denn das Senkrechtstarten benötigt viel Energie, zugleich dürfen die Batterien für Flugzeuge nicht zu schwer werden. Dazu kommt die Frage nach den Piloten für all die Kleinflugzeuge, und auch die Kostenfrage ist nach Einschätzung von Analysten ungeklärt, damit die Flugtaxis nicht nur eine neue Alternative zu Hubschraubern für Superreiche sind.

Flugtaxis

Die Experten von Morgan Stanley schätzten im vergangenen Jahr, dass der Markt für Flugtaxis bis 2040 auf ein Volumen von einer Billion Dollar steigen könnte, sollten die Maschinen zugelassen werden. Zugleich seien aber regulatorische Vorbehalte das größte Risiko für den Sektor, weil hohe Sicherheitsanforderungen vor allem für den Betrieb in Städten gestellt würden.

Dazu kommen mögliche Personalengpässe: Für die Maschinen sind Piloten nötig, insbesondere in der Anfangsphase, bevor automatisierte Systeme folgen. „Der Pilot ist etwas, was man am Anfang benötigt“, sagte Alan Lim, Experte bei der Beratungsfirma Alton Aviation.

„Man muss die Leute an das Fliegen mit den Maschinen gewöhnen, bevor man den Piloten herausnehmen kann.“ Die Beratungsfirma McKinsey schätzte 2020, dass bis 2028 etwa 60.000 Piloten für die Senkrechtstarter nötig sind. Das entspricht rund 17 Prozent aller Piloten, die im Jahr 2018 weltweit im Einsatz waren.

In der Branche werden die kleinen Flugtaxis als Trainingsmöglichkeit für Piloten gesehen, die später auf die großen Verkehrsmaschinen wechseln wollen. „Air Asia wird den Piloten eine Karriere anbieten, bei der man bei der VX4 startet und am Ende zum Kapitän der A320 wird. Und das ist sehr attraktiv“, sagte Domhnal Slattery, Chef des Leasingunternehmens Avolon, der im Aufsichtsrat des Flugtaxi-Unternehmens Vertical Aerospace sitzt. Der Billigflieger Air Asia unterzeichnete zuletzt eine Vereinbarung zum Leasing von mehr als 100 Flugtaxis des Typs Vertical Aerospace VX4 von Avolon.

LEISER ALS HUBSCHRAUBER

Eine Chance bieten die Flugtaxis für die Einsätze, bei denen bislang Hubschrauber genutzt werden. So sicherten sich australische Hubschrauber-Firmen bis zu 90 Maschinen der Embraer-Tochter Eve. Das Unternehmen hat damit mehr als 1800 Bestellungen in seinen Büchern stellen, die ab 2026 abgearbeitet werden sollen.

Eve-Co-Chef Andre Stein sagte, sein Unternehmen lege einen Schwerpunkt auf das Thema Lärmvermeidung. Sein Flugtaxi ist um bis zu 90 Prozent leiser als ein Hubschrauber, vor allem, weil es im Flug sich eher wie ein Flugzeug fortbewegt. „Helikopter machen viel Lärm und verbrennen Treibstoff, und sie sind teuer“, sagte er. „Hier ändern wir das. Wir reden über eine andere Art Dienstleistung, die bei Regulierungsthemen helfen wird.“

Und dennoch – auch wenn die Unternehmen hohe Erwartungen wecken und von Tausenden Kleinfliegern für jedermann reden: Bis Flugtaxis tatsächlich zum Einsatz kommen, dürfte es wohl noch länger dauern. Alton-Experte Lim rechnet erst gegen Ende des Jahrzehnts damit, dass die Maschinen in einem größeren Umfang zum Einsatz kommen. „Sie werden nicht kerzengerade in Sphären springen, wie sie Uber erreicht, bis die Bevölkerung an Bord ist.“

Der Traum von Flugtaxis – in der Wirklichkeit sind die Hürden hoch

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