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Freitag, Dezember 9, 2022

Bundesbank-Präsident für baldigen Start des EZB-Bilanzabbaus

Expertenmeinungen

Frankfurt, 18. Okt – Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte laut Bundesbank-Präsident Joachim Nagel zügig den Abbau ihrer billionenschweren Anleihenbestände in Angriff nehmen. Die EZB müsse die auf fast fünf Billionen Euro angeschwollenen Bestände in den Blick nehmen, forderte Nagel am Dienstag in einer Rede beim Hauptstadtempfang der Bundesbank in Berlin. Diese drückten die Renditen der Anleihen weiterhin erheblich. „Aus meiner Sicht spricht daher viel dafür, bald nicht mehr alle auslaufenden Anleihen zu ersetzen“, sagte er. Dies würde die Entschlossenheit der Euro-Wächter zeigen, die Inflation zeitnah zur EZB-Zielmarke von zwei Prozent zurückzubewegen. 

In der Fachwelt wird der Bilanzabbau über eine Verringerung von Anleihenbeständen als „quantitative Straffung“ (QT – Quantitative Tightening) bezeichnet. Insidern zufolge hatten die EZB-Währungshüter Anfang Oktober auf einem Treffen in Zypern bereits über einen Zeitplan für den Bilanzabbau gesprochen. Dabei sei auch ein mögliches Startdatum im zweiten Quartal 2023 genannt worden. Entschieden sei ein Zeitplan aber noch nicht.

Nagel wies auch auf Belastungen durch den geldpolitischen Straffungskurs für die Bilanz der Bundesbank hin. „Die Zinswende lässt Zinsänderungsrisiken in den Bilanzen schlagend werden. Das betrifft auch uns als Zentralbank“, sagte er. Die Bundesbank sitzt auf einem hohen Bestand an Anleihen mit zum Teil sehr langer Restlaufzeit, die nur geringe Zinsen abwerfen. Auf der anderen Seite steigen im Zuge der EZB-Zinswende die Zinsen auf die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank. „Daraus können Belastungen für unsere Jahresergebnisse resultieren,“ sagte Nagel. Die EZB hatte im Sommer in kurzer Zeit den Einlagensatz auf inzwischen 0,75 Prozent angehoben und weitere Anhebungen in Aussicht gestellt. 

„Für mögliche Verluste aus finanziellen Risiken stehen zunächst die Rückstellungen in unserer Bilanz als Puffer zur Verfügung“, merkte Nagel an. Der Bundesbank-Scheck an den Bund war in den Corona-Jahren 2020 und 2021 ausgeblieben, da die Bundesbank damals jeweils nur ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet hatte. Noch für 2019 hatte sie einen Gewinn von rund 5,9 Milliarden Euro an den Bundeshaushalt überwiesen. Im Jahresabschluss 2021 hatte sie ihre Wagnisrückstellung auf 20,2 Milliarden Euro aufgestockt, auch mit Blick auf künftige Zinsänderungen.

Auf mögliche Bilanzverluste im Zuge der EZB-Zinswende hatten kürzlich auch die Notenbanken Belgiens und der Niederlande hingewiesen. So erwartet der oberste Währungshüter der Niederlande, Klaas Knot, für dieses Jahr zwar nur einen kleinen Verlust. Für die Jahre ab 2023 rechnet er aber mit tiefroten Zahlen in der Bilanz. Ähnlich hatte sich die Notenbank Belgiens geäußert. Gewinne zu erzielen sind zwar für Notenbanken kein Ziel. Aber sollten die Verluste in der Bilanz anhalten und Vorsorgepuffer zu gering sein, könnten Staaten gezwungen sein, für ihre Notenbanken Kapital nachzuschießen. 

Bundesbank-Präsident für baldigen Start des EZB-Bilanzabbaus

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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