Anschlag auf Autor Salman Rushdie in iranischen Medien begrüßt

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13. Aug (Reuters) – In iranischen Medien ist der Messerangriff auf den mit dem Roman „Die satanischen Verse“ weltbekannt gewordenen Schriftsteller Salman Rushdie begrüßt worden. In der regierungsnahen Zeitung „Kayhan“, deren Chefredakteur von Irans weltlichen und geistlichen Oberhaupt Ali Chamenei ernannt wird, hieß es am Samstag: „Tausend Bravos (…) für die mutige und pflichtbewusste Person, die den abtrünnigen und bösen Salman Rushdie in New York angegriffen hat“. Weiter hieß es: „Die Hand des Mannes, der dem Feind Gottes den Hals umgedreht hat, muss geküsst werden.“ In Deutschland gab Bundesinnenministerin Nancy Faeser dem Iran eine Mitverantwortung für das Attentat. Rushdie selbst hatte erst vor zwei Wochen mit Blick auf Attentatsaufrufe iranischer Gesitlicher erklärt: „Das ist lange her, wissen Sie, inzwischen ist mein Leben wieder relativ normal.“

Der Schriftsteller war am Freitag bei einer Vortragsveranstaltung im US-Bundesstaat New York von einem Angreifer auf der Bühne mit einem Messer attackiert worden. Nach einer Notoperation wurde der 75-Jährige an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Seinem Literaturagenten Andrew Wylie zufolge wird Rushdie wahrscheinlich ein Auge verlieren. Zudem seien Nerven in einem Arm durchtrennt und seine Leber verletzt worden. Die Polizei nahm einen 24-jährigen aus dem Bundesstaat New Jersey als mutmaßlichen Täter fest. Zu einem Tatmotiv äußerte sie sich bislang nicht. Der Angriff löste weltweit Bestürzung aus.

Im Iran titelte die „Vatan Emrooz“: „Messer im Nacken von Salman Rushdie“. Die Zeitung „Chorasan“ brachte die Schlagzeile: „Satan auf dem Weg zur Hölle“. Die Nachrichtenseite Asr Iran veröffentlichte ein Zitat von Chamenei, in dem es heißt, der vom ehemaligen iranischen Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini abgeschossene „Pfeil“ werde eines Tages das Ziel treffen. Von der Führung in Teheran lag noch keine Stellungnahme vor. 

CHOMENI HATTE FATWA GEGEN RUSHDIE ERLASSEN

Wegen Rushdies Roman „Die satanischen Verse“ hatte der Chamenei-Vorgänger Chomeni 1989 eine Fatwa veröffentlicht, die zur Ermordung des Autors aufforderte. Viele Muslime sahen in dem Buch Blasphemie und eine Beleidigung des Propheten Mohammed. Das Buch wurde in vielen islamischen Ländern verboten. Die iranische Führung rückte zwar später von diesem Aufruf ab. Chamenei hatte 2019 aber erklärt, die Fatwa sei unumstößlich. Iranische Organisationen hatten eine Belohnung auf Tötung Rushdies ausgesetzt.

Vor zwei Wochen hatte Rushdie in einem Interview mit der Illustrierten „Stern“ erklärt: „So eine Fatwa ist eine ernste Sache. Aber das ist lange her.“ Auf die Frage, was er heute fürchte, antwortete Rushdie: „Früher hätte ich gesagt – den religiösen Fanatismus. Das sage ich heute nicht mehr. Die aktuell größte Gefahr ist, dass wir unsere Demokratie verlieren.“ Das Schlimmste sei, dass Morddrohungen alltäglich geworden seien: „Nicht mehr nur Politiker bekommen sie, sondern selbst amerikanische Lehrer, wenn sie bestimmte Bücher im Unterricht durchnehmen.“

„Für diese schreckliche Bluttat tragen auch die Verantwortung, die Salman Rushdie seit Jahrzehnten verfolgt und mit dem Tod bedroht haben“, sagte die Bundesinnenministerin der „Bild am Sonntag“. „Salman Rushdie ist ein großer, mutiger Kämpfer für die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Kunst. Er hat sich nie einschüchtern lassen. Der Mordanschlag auf ihn ist ein furchtbares Verbrechen.“

Anschlag auf Autor Salman Rushdie in iranischen Medien begrüßt

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