„Angst vor Bomben“ – Wie Menschen in Kiew auf Russlands Angriff reagieren

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Kiew, 24. Feb (Reuters) – Der russische Angriff auf die Ukraine versetzt Einwohner der Hauptstadt Kiew in Angst und Schrecken. Viele reagieren aber auch mit Trotz und Patriotismus und wollen ausharren. Alarmsirenen heulen regelmäßig auf, Flugzeuge tauchen über der Stadt auf, Explosionen sind zu hören.

Viele Einwohner stehen an diesem historischen Donnerstag in langen Schlangen vor den Geschäften an, um sich mit Vorräten einzudecken. Andere versuchen, die Stadt zu verlassen. Ein riesiger Stau blockiert die nach Westen führende Hauptverkehrsstraße. Vier Metrostationen werden nach den Worten von Bürgermeister Vitali Klitschko mittlerweile als Bunker genutzt. 

Wochenlang gab es Warnungen ukrainischer und westlicher Politiker vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff – und doch trifft die Attacke viele Einwohner in der Drei-Millionen-Stadt unvorbereitet. „Das habe ich nicht erwartet“, sagt Nikita, ein Marketingspezialist, während er in einer langen Schlange vor einem Supermarkt wartet.

In seinem Einkaufswagen stapeln sich Wasserflaschen. „Bis heute Morgen habe ich geglaubt, dass nichts passieren würde“, sagt der 34-Jährige. „Ich habe gepackt, Lebensmittel gekauft und werde zu Hause bei meiner Familie bleiben.“ Viele Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte sind voll mit Kunden. Sie wollen in Kiew bleiben und decken sich mit Vorräten ein. Kredit- und Bankkarten funktionieren noch.

„PUTIN HAT UNS ANGEGRIFFEN“

Andere Kiewer packen ihre Taschen und Koffer und suchen nach einem Weg aus der Stadt – per Bus, Auto oder Flugzeug. Viele zieht es in die ihrer Meinung nach relativ sichere Westukraine. Am Vormittag kommt der Verkehr auf der vierspurigen Hauptstraße in die westliche Stadt Lwiw zum Erliegen.

Die Autos stauen sich über Dutzende von Kilometern, wie Zeugen der Nachrichtenagentur Reuters berichten. „Ich fahre weg, weil ein Krieg begonnen hat, Putin hat uns angegriffen“, sagt Oxana. Mit ihrem Wagen und ihrer dreijährigen Tochter auf dem Rücksitz steckt sie im Stau fest.

„Wir haben Angst vor Bombardements.“ Sie will Kiew verlassen. Im Machtzentrum der Ukraine haben Regierung, Präsident und Parlament ihren Sitz. Sobald sie draußen sei, werde sie entscheiden, wohin sie gehen wolle, sagt Oxana. „Sagen Sie Russland: ‚Das könnt ihr nicht machen.‘ Das ist so beängstigend.“

Ein anderer Fahrer namens Aleksander will nach Kiew zurückkehren, sobald er seine Kinder herausgebracht hat. „Die Stimmung ist patriotisch“, sagt er. „Wir werden das abwehren. Die Ukraine wird gewinnen, egal was passiert.“

Ein anderer Autofahrer, der im Stau steht, ruft „echte Männer und Patrioten“ zur Mobilisierung auf. „Ich glaube, wir müssen uns zusammenreißen und der russischen Aggression eine harte Antwort geben“, sagt er, ohne seinen Namen zu nennen. „Wir müssen all jene bekämpfen, die in unser Land eindringen. Ich würde jeden Einzelnen von ihnen an einer Brücke aufhängen.“

Einige Reisende schaffen es nicht mehr, Kiew zu verlassen. Am Hauptflughafen klagt eine Frau mit dem Namen Gulnara darüber, dass ihr Flug nach Baku gestrichen worden sei. „Niemand sagt uns, was passiert ist, was mit unserem Flug geschehen wird, was wir tun sollen, wohin wir gehen sollen. Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen. Keiner antwortet uns.“

„Angst vor Bomben“ – Wie Menschen in Kiew auf Russlands Angriff reagieren

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Titelfoto: Symbolfoto 

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