Freitag, April 12, 2024
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Adidas beendet Zusammenarbeit mit Rapper Kanye West

Update 16:15 Uhr München, 25. Okt – Adidas zieht nach erneuten Eskapaden von Kanye West bei der Zusammenarbeit mit dem umstrittenen US-Rapper die Reißleine. Die Partnerschaft mit West, der sich inzwischen Ye nennt, werde mit sofortiger Wirkung beendet, teilte Adidas am Dienstag in Herzogenaurach mit. Der zweitgrößte Sportartikel-Konzern der Welt zieht damit die Konsequenzen aus mehrfachen verbalen Ausfällen von Kanye West gegen Adidas. Das Fass zum Überlaufen brachten aber antisemitische Äußerungen des Rappers, die den Druck auf Adidas erhöhten. „Die jüngsten Äußerungen und Handlungen von Ye sind inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich“, erklärte Adidas.

Die von Kanye West entworfene und unter der Marke „Yeezy“ verkaufte Produktlinie werde sofort eingestellt. Sie hatte Adidas jahrelang Milliardenumsätze und hohe Renditen gebracht. Der zweitgrößte Sportartikelkonzern der Welt nimmt dafür im Weihnachtsgeschäft sogar Gewinneinbußen von 250 Millionen Euro in Kauf. Der scheidende Vorstandschef Kasper Rorsted, der sich noch im Sommer hinter den Rapper gestellt hatte, steht damit endgültig vor einem Scherbenhaufen. Die ohnehin von den Probleme in China gebeutelte Adidas-Aktie brach um bis zu neun Prozent auf 94,62 Euro ein und fiel zum ersten Mal seit sechseinhalb Jahren unter die Marke von 100 Euro.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland bezeichnete den Schritt als „überfällig“. Zentralrats-Präsident Josef Schuster sagte, eine frühere Trennung wäre angebracht gewesen: „Ich hätte mir von einem deutschen Unternehmen, das zudem in das NS-Regime verstrickt war, früher eine klare Haltung gewünscht.“ Gründer Adi Dassler und sein Bruder Rudolf hatten seit 1924 Sportschuhe produziert und auch die Wehrmacht mit Schuhen beliefert. Nach dem Krieg trennten sich die beiden. Rudolf Dassler gründete PumaPUMG.DE.

EXPERTEN: 1,5 MILLIARDEN JAHRESUMSATZ MIT „YEEZY“

Die Zusammenarbeit mit Kanye West hatte 2013 begonnen, seit 2016 verkauft Adidas von ihm designte Schuhe und -Bekleidung zu Preisen zwischen 200 und 700 Dollar. Trotzdem waren sie stets schnell ausverkauft. Adidas hatte von „einer der erfolgreichsten Kollaborationen in der Geschichte unserer Branche“ gesprochen. Sie trug auch dazu bei, dass die Franken in den USA Marktführer Nike näherrückten. Nach Schätzungen der Beratungsfirma Telsey brachte „Yeezy“ Adidas jährlich Umsätze von rund 1,5 Milliarden Euro, rund sieben Prozent des Konzernumsatzes. Für West fielen dafür Tantiemen in dreistelliger Millionen-Höhe ab. Sein Anwalt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kanye West hatte Adidas wiederholt mit Vorwürfen überzogen – etwa damit, seine Designs zu stehlen und sie für eigene Produkte zu verwenden. Die Partnerschaft des Rappers mit der US-Modekette Gap zerbrach im September. Twitter und Instagram löschten antisemitische Äußerungen Wests von seinen Konten. Erst Anfang Oktober verlor Adidas die Geduld: Man werde die Partnerschaft auf den Prüfstand stellen – „nach wiederholten Versuchen, die Situation außerhalb der Öffentlichkeit zu klären“. Zuletzt sagte West in einem Podcast, der massenhaft geteilt und kommentiert wurde: „Ich kann antisemitische Dinge sagen, und Adidas kann mich nicht fallenlassen. Na und?“ hatte er dort gesagt.

Seine Äußerungen „verstoßen gegen die Werte des Unternehmens wie Vielfalt und Inklusion, gegenseitigen Respekt und Fairness“, erklärte Adidas. Man werde alle Zahlungen an Kanye West und seine Unternehmen sofort einstellen. Auch eine Abfindung für das vorzeitige Ende des bis 2026 laufenden Vertrages will Adidas nicht zahlen. Die Designrechte an den bestehenden Produkten und an deren Farbgebungen lägen bei Adidas.

Finanziell kommt die Trennung zur Unzeit: Im lukrativen Vorweihnachtsgeschäft will Adidas „Yeezy“ nicht mehr verkaufen. Man werde auch mit den Sportartikelhändlern in Kontakt treten, die die Ware noch auf Lager haben, sagte ein Sprecher. Was mit der bereits vor Monaten produzierten Ware geschieht, die bald in die Läden kommen sollte, IST offen. Adidas rechnet damit, dass mit dem Aus von „Yeezy“ bis zur Hälfte des für das laufende Jahr geplanten Gewinns von einer halben Milliarde Euro wegbricht. Im vierten Quartal – normalerweise dem lukrativsten im Jahr – droht damit ein Verlust.

Der Konzern hatte erst vor fünf Tagen seine Gewinnprognose für 2022 von 1,3 Milliarden auf 500 Millionen Euro nach unten korrigiert, nachdem das Geschäft in China nicht wieder in Gang kommt und eine Rabattschlacht mit Weltmarktführer Nike droht.

Adidas beendet Zusammenarbeit mit Rapper Kanye West

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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