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Samstag, Dezember 3, 2022

Zuckerbergs Metaverse als globaler Wirtschaftsraum?

Expertenmeinungen

Metaverse ist Karneval fürs Internet. Jeder ist verkleidet: Das nennt man Avatar – wie bei Videospielen. Da ist auch keiner echt. Auch die Qualität entspricht den Videospielen - allerdings denen aus den 1990ern. Was soll also das Ganze?

Seit 2021 heißt Facebook nun Meta. Ein Jahr und viele Milliarden Dollar später ist jetzt Mark Zuckerbergs neue 3D Brille Meta Quest Pro auf dem Weltmarkt verfügbar. Sie kann sogar Emotionen lesen. Ist das eine reine Verzweiflungstat von Zuckerberg oder entsteht hier ein neuer Wirtschaftsraum? Spoiler: beides!

Metaverse ersetzt kein persönliches Treffen, sondern den Beamer

Selbst im Lockdown hat niemand ernsthaft geglaubt, Videokonferenzen können echte Treffen ersetzen. Und das sollen sie auch nicht. Im Gegenteil: Sie sind zu einer eigenständigen Kommunikationsform geworden. 

Das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten ist beispielsweise viel produktiver, wenn jeder Teilnehmer seine eigene Tastatur hat.  Anstatt auf eine entfernte Leinwand blicken zu müssen, arbeitet es sich am eigenen Bildschirm viel angenehmer. Lahme Vorträge mit Beamer waren auch deshalb so nervig, weil man früher im gleichen Raum sein musste.

Persönliche Treffen dienen zuallererst dem Networking. Für den Aufbau von Vertrauen brauche ich online, nach meiner Erfahrung, dreimal mehr Meetings. Wo ist das Problem? Nachdem die Fahrtzeit wegfällt, trifft man sich eben öfter. 

Das Metaverse ist wie eine riesige 3D-Videokonferenz, wo immer jemand da ist. Wer alleine rumsteht, ist offen für Gespräche  –  genauso wie auf einer realen Konferenz. 

Die $ 13 Billiarden Fehlprognose

Die Ökonomen der Citygroup (Metaverse and Money 2022) rechnen für das Jahr 2030 mit mindestens einer Milliarde kaufkräftiger Nutzer und einem Marktvolumen zwischen 8 und 13 Billiarden Dollar. Weil Wirtschaft eben keine Wissenschaft ist, sind diese Prognosen genauso falsch, wie alle anderen. Das Interessante ist jedoch die Argumentation. 

Ein offenes Metaverse von Apple, Microsoft und tausenden anderen Firmen wäre nach PC und Smartphone die dritte Iteration des Internets. Unser dreidimensionaler Sehsinn ist sowieso nicht für zweidimensionale Bildschirme gemacht. Genauso wenig sind unsere Hände für Tastaturen geeignet. Der Laptop fesselt uns an eine Sitzgelegenheit – oft schmerzhaft.  Seit dem Smartphone haben moderne Menschen nur noch eine Hand frei.

Wäre es da nicht viel angenehmer, den Bildschirm wie eine leichte Sonnenbrille zu tragen. Die Sicht auf die Gesprächspartner bleibt frei. Der Bildschirm erscheint erst beim Blick nach rechts unten. Schließlich weiß die Brille, wohin ich gerade fokussiere. An Stelle von Maus oder Trackpad tritt eine präzise Erkennung von Gesten. Die Tastatur ist längst der Spracheingabe gewichen.  

Marktführerschaft oder Hype?

Von Marktführerschaft im Metaverse kann man heute bei Mark Zuckerberg nicht sprechen, weil es noch keinen relevanten Markt gibt. Aber neben der idealen Marke Meta verfügt Zuckerberg über Kundenstock und Finanzmittel, um seinen Pionierstatus langfristig zu verteidigen. 

Für Zuckerberg handelt es sich um einen notwendigen Befreiungsschlag von der technischen Abhängigkeit von PCs und Smartphones. Noch bedrohlicher für Meta sind die Privatsphäre orientierten Betriebssysteme, allen voran Apples iOS, die langsam den Daten-Hahn abdrehen. 

Mit einer eigenständigen Brille erhält er endlich die Macht über die Hardware und folglich die Daten zurück. Weil diese Brille nicht nur die Umgebung analysiert, sondern auch die Emotionen seiner Träger, gibt es in Zukunft treffsichere Werbung für passende Wohnzimmer-Accessoires, aber nur wenn man gerade traurig ist. Ganz zufällig wird auch noch Schokolade angeboten.

Metaverse als Zahlungssystem

Vor wenigen Jahren ist Facebook mit seiner dezentralen Währung ≋libra pompös gescheitert. Aber niemand hat ernsthaft geglaubt, Zuckerberg würde sich dadurch entmutigen lassen. Meta hat mittlerweile angekündigt, an einer neuen Wallet für das Metaverse zu arbeiten. Es handle sich um eine zentralisierte Methode zur sicheren Verwaltung von digitaler Identität, Einkäufen und Eigentumsverhältnissen. 

Im Metaverse Standard Forum arbeiten viele Player gemeinsam mit Meta an der Standardisierung des Open Metaverse. Je nahtloser man seine Identität, Vermögen und Besitzverhältnisse zwischen den verschiedenen Welten von Microsoft, Google und unzähligen anderen Anbietern transferieren kann, umso größer ist der mögliche Gesamterfolg. Zusätzlich verringert sich das Risiko einer kartellrechtlichen Zerschlagung. 

Spätestens dann wird es für Regulatoren der echten Welt zu unübersichtlich, um die Interoperabilität des Metaverse Money mit den klassischen Wirtschaftsräumen zu unterbinden. 

Alleine bei Meta inklusive Facebook, WhatsApp und Instagram handelt es sich dann um den größten einheitlichen Wirtschaftsraum mit kaum mehr als 3,6 Milliarden monatlichen Nutzern. 

“Wer da zu spät kommt, den bestraft Gorbatschow.”

Autor: Christoph Holz ist Informatiker und Raumfahrttechniker. Er hat Start-ups gegründet, ist Silicon-Valley-Entrepreneur, Angel-Investor, ein echter Cyborg und tritt als Redner, Podcaster und Hochschullektor auf. https://www.christophholz.com/

Zuckerbergs Metaverse als globaler Wirtschaftsraum?

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Hier findet ihr den aktuellen Livestream zum Thema Web3 NFT Metaverse Talk

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