Weniger Naturkatastrophen-Schäden – Aber keine Entwarnung

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München, 28. Jul (Reuters) – Trotz einer glimpflicheren Naturkatastrophen-Bilanz im ersten Halbjahr macht sich der Klimawandel nach Ansicht der Münchener Rück immer stärker in Überschwemmungen, Gewittern, Dürren und anderen Unwetterereignissen bemerkbar. „In den USA zerstörten extreme Tornados Milliardenwerte, Teile der Ostküste Australiens versanken in Fluten und im Süden Europas herrschten Hitze, Waldbrände und Dürre“, sagte Rückversicherungs-Vorstand Torsten Jeworrek am Donnerstag in München. Die Rückversicherer müssten darauf reagieren und ihre Modelle anpassen, mit denen sie die Wahrscheinlichkeit von Schäden schätzen und ihre Preise kalkulieren.

Unter dem Strich verursachten Naturkatastrophen von Januar bis Juni weltweit Schäden von 65 (2021: 105) Milliarden Dollar. Für Schäden von 34 Milliarden Dollar mussten Versicherer und Rückversicherer einstehen. Das ist etwa so viel wie ein Jahr zuvor, weil ein relativ großer Teil der Schäden in den USA und in Australien entstand, wo überdurchschnittlich viele Werte versichert sind. Schwere Gewitter verursachten allein in den USA Schäden von 22 Milliarden Dollar, wovon 17 Milliarden versichert sind.

Für die diesjährige Tropensturm-Saison im Nordatlantik, die erst begonnen hat, rechnet der weltgrößte Rückversicherer mit mehr Stürmen als üblich, weil die natürliche Klimaschwankung „El Nina“ die Bildung von Hurrikanen begünstigen.

Aber auch in Europa stellen die Experten der Münchener Rück eine Zunahme von Unwetterschäden fest, von Hagel über Dürre bis zu schweren Unwettern. „Wir haben in Europa eine Serie von trockenen Jahren, die auffällig ist“, sagte der Chef-Klimatologe des Rückversicherers, Ernst Rauch, der Nachrichtenagentur Reuters. „Wie viel davon dem Klimawandel zuzuordnen ist, muss aber erst wissenschaftlich untersucht werden.“ Feststehe aber, dass die Temperatur in Deutschland seit 1880 schon um 1,6 Grad gestiegen sei und damit stärker als im weltweiten Durchschnitt. „Das deckt sich mit der Erwartung, dass die Erwärmung in gemäßigten Zonen stärker ausfallen wird.“ Das mediterrane Klima rücke immer weiter nach Norden.

„Für die Landwirtschaft ist das mehr als ein Warnzeichen“, sagte Rauch. Die Versicherungswirtschaft spüre davon aber wenig, weil Policen gegen Dürre und schlechte Ernten in Europa kaum gefragt seien. „Landwirte können oder wollen sich die Prämien nicht leisten.“

Die Flutkatastrophe an Erft und Ahr hat in Deutschland eine Debatte über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden wie Überschwemmungen ausgelöst. Der Versichererverband GDV will das verhindern. Die Münchener Rück sei dafür aber offen, sagte Klima-Experte Rauch. „Ökonomisch ist eine Versicherungspflicht das Sinnvollste, weil dabei Risiken auf maximal viele Schultern verteilt werden. Aber die Prämien müssen natürlich verursachergerecht sein.“

Weniger Naturkatastrophen-Schäden – Aber keine Entwarnung

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