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Dienstag, November 29, 2022

Weiter zugedrehter Gashahn verunsichert Anleger in Europa

Expertenmeinungen

Frankfurt, 25. Jul (Reuters) – Die Ankündigung weiter sinkender Gaslieferungen aus Russland hat an den Börsen in Europa zum Wochenauftakt für Verunsicherung gesorgt. Die Erklärung von Gazprom, zur Wochenmitte den Gasfluß durch die Pipeline Nord Stream 1 auf nur noch rund 20 Prozent zu reduzieren, drückte die Kurse und ließ den Dax 0,3 Prozent schwächer mit 13.210 Punkten aus dem Handel gehen. Auch auf dem europäischen Börsenparkett versetzte der weiter zugedrehte Gashahn der Stimmung einen Dämpfer und die Kursgewinne bröckelten ab. Der EuroStoxx50 schloss stabil bei 3599 Zählern.

Zwei Tage vor dem US-Zinsentscheid stehen Anleger ohnehin schon unter Spannung. Bei ihnen gilt eine Anhebung des US-Schlüsselsatzes am Mittwoch um 0,75 Prozentpunkte als ausgemacht. „Der Gipfel bei den Leitzinsen in den USA scheint zum Greifen nah“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Wenn die Fed das auch so am Mittwoch kommuniziert, könnte es ein kleines Kursfeuerwerk an der Wall Street geben.“ 

Sollte die Fed ein langsameres Zinserhöhungstempo signalisieren, könne mit einer Erleichterungsrally vor allem bei Technologiewerten gerechnet werden, prognostizierte auch Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Diese seien derzeit sehr günstig. Zum Wochenauftakt stand der Technologie-Index Nasdaq allerdings erneut unter Druck, während der Dow-Jones-Index der Standardwerte leicht anzog.

IFO-RÜCKGANG PERLT AN ANLEGERN AB

Wenig beeindruckt zeigten sich Anleger vom erneuten Rückgang des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. „Dass es nicht noch drastischer ausfiel, ist der noch relativ guten Situation im Dienstleistungssektor zu verdanken“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Es müsse auch wenig verwundern, dass die Firmen ihren weiteren Geschäftsverlauf deutlich skeptischer als noch im Vormonat einschätzten. „Auch wenn gegenwärtig Gas aus Russland in begrenztem Umfang fließt, hängt das Damoklesschwert ‚kompletter Gasstopp‘ über dem Konjunkturausblick.“

Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 kündigte der russische Staatskonzern Gazprom am Montagnachmittag an, die Gaslieferungen über die Pipeline ab 27. Juli auf nur noch rund 20 Prozent zu halbieren. Eine weitere Turbine müsse wegen Wartung außer Betrieb gesetzt werden, hieß es. Die Gaspreise zogen im Zuge der Meldung an. Der europäische Future stieg um rund zehn Prozent auf 177 Euro je Megawattstunde.

VW NACH FÜHRUNGSWECHSEL UNTER DRUCK

Bei den Unternehmen stand Volkswagen im Rampenlicht, nachdem der Autobauer am Freitag einen Wechsel der Führung angekündigt hatte. Der bisherige Konzernchef Herbert Diess wird durch den Leiter der Sportwagen-Tochter Porsche AG, Oliver Blume, ersetzt. Letzterer werde künftig beide Unternehmen führen. Börsianer kritisierten das Timing der Personalie kurz vor dem geplanten Börsengang der Porsche AG sowie Blumes Ämterhäufung. „In Anbetracht der anhaltenden Führungsprobleme und der niedrigen Bewertung sehen wir darin jedoch eine Chance“, gab Analyst Daniel Schwarz vom Brokerhaus Stifel, Nicolaus & Co zu bedenken. „Kommt der Börsengang von Porsche zustande, hat Blume als unangefochtener CEO einen Startvorteil.“ Die Aktien von VW und des Großaktionärs Porsche fielen dennoch in der Spitze um jeweils rund vier Prozent. 

Nach unten ging es auch für Philips. Die Titel rutschten in Amsterdam in der Spitze mehr als elf Prozent ab, nachdem die Medizintechnik-Firma ein enttäuschendes Quartalsergebnis bekanntgegeben und ihre Ziele gekappt hatte. Die Senkung der Umsatzprognosen komme nicht überraschend, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies. Die Aussichten für die operative Gewinnmarge seien dagegen deutlicher zurückgenommen worden als erwartet. 

Zu den Gewinnern gehörten dagegen Bankaktien, die von steigenden Zinsen profitieren. Der entsprechende Branchenindex legte 1,7 Prozent zu.

Weiter zugedrehter Gashahn verunsichert Anleger in Europa

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

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