Volkswirte zum überraschend gestiegenen Ifo-Index im Januar

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Update 10:47

Berlin, 25. Jan (Reuters) – Die Stimmung von Top-Managern in Deutschland hat sich zum Jahresstart erstmals seit Juni wieder aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar überraschend auf 95,7 Punkte, nach 94,8 Punkten im Dezember, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von Reuters befragte Fachleute hingegen hatten nur eine Stagnation erwartet. Sie sagten in ersten Reaktionen:

Index

JÖRG ZEUNER, UNION INVESTMENT:

„Das Geschäftsklima in Deutschland stabilisiert sich. Die Talsohle dürfte damit durchschritten sein. Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen haben sich deutlich erholt. Zwar belastet die aktuelle Pandemiewelle weiterhin besonders den Handel und den Dienstleistungssektor. Die Ifo-Daten deuten auf eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaft im vierten Quartal hin. Jedoch sind die heutigen Daten ein Hoffnungsschimmer für das erste Quartal dieses Jahres. Es besteht die realistische Chance, dass mit einer steigenden Grundimmunisierung der Bevölkerung die Pandemie bald in die Endemie übergehen dürfte. Dann sollte sich die Stimmung in der Wirtschaft noch weiter aufhellen.“

CLAUS NIEGSCH, DZ BANK:

„Die befragten Unternehmen haben aus den vorherigen Pandemie-Sommern gelernt und sich an Corona zunehmend angepasst. Nach schwachen Entwicklungen im Winter, folgten jeweils dynamische Erholungen. Das ist auch für dieses Jahr zu erwarten und überwiegt bei den Unternehmen mittlerweile die Sorgen vor Omikron und den Lieferengpässen. Das erste Quartal wird für die deutsche Wirtschaft zwar noch schwierig ausfallen. Ab dem Frühling folgt dann aber eine durchgreifende Belebung.“

ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:

„Die Lage der deutschen Unternehmen ist unverändert angespannt. Zwar haben sich die Lieferengpässe etwas entspannt, doch die Belastungen durch die Corona-Beschränkungen und die Energiepreise hielten an. Hinzu kommt sicherlich ein gewisses Maß an Verunsicherung durch die Ukraine-Krise. Was sich aber zurecht deutlich verbessert hat, sind die Geschäftsaussichten, denn in sechs Monaten befinden wir uns im Sommer. Dann dürften sich einige der Probleme der deutschen Wirtschaft entspannt haben: Corona dürfte witterungsbedingt wieder in den Hintergrund treten, die Liefersituation sollte sich besser darstellen und die Energiepreise sich wieder etwas normalisiert haben. Die deutsche Wirtschaft setzt auf einen guten Sommer!“

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

„Das war passend zu den übrigen steigenden Frühindikatoren zum Jahresauftakt. Seitens der Wirtschaft ist soweit alles klar für einen Aufschwung. Wir sehen viele Aufträge, die Konsumenten sitzen auf einem Finanzpolster, das sie ausgeben wollen, auch die Fiskalpolitik und die Geldpolitik sind auf Expansion gestellt. Andererseits haben sich zu Corona inzwischen die hohe Inflation und die Ukraine-Krise gesellt. Es wird höchste Zeit, dass der Gordische Knoten mal endlich durchgehauen wird. Wobei in diesem besonderen Fall vorsichtig aufdröseln vielleicht ratsamer wäre. So oder so: Das erste Quartal wird konjunkturell voraussichtlich erst einmal nahe der Stagnation bleiben.“

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK:

„Dass die Unternehmen im Dienstleistungssektor die aktuelle Geschäftslage im Januar schlechter einschätzten, ist Omikron geschuldet. Positiv ist jedoch, dass die Geschäftserwartungen in allen wichtigen Branchen deutlich gestiegen sind. Offenbar schauen die Unternehmen zunehmend durch Omikron hindurch. Das stützt meine Prognose, dass sich die deutsche Wirtschaft ab dem Frühsommer kräftig erholen sollte, wenn die Corona-Welle abebbt. Ich erwarte für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr weiter ein Plus von 3,0 Prozent.“

ALEXANDER KRÜGER, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE PRIVATBANK:

„Wegen des sich zuspitzenden Ukraine-Konflikts besitzt der Indexanstieg wenig Wert. Die aktuelle Ukraine-Entwicklung dürfte in der Befragung nur unzureichend enthalten sein. Auf den erwartungsgetriebenen Indexanstieg fällt damit ein großer Schatten. Immerhin gibt es erste vorsichtige Hinweise auf weniger verspannte Lieferketten. Insbesondere der Dienstleistungssektor dürfte unter der Corona-Pandemie aber vorerst noch ächzen. Durch den Ukraine-Konflikt hat das Risiko zugenommen, dass Konjunkturerwartungen enttäuscht werden.“

THOMAS GITZEL, VP BANK:

„Noch hält uns der Corona-Winter in seinem schwierigen wirtschaftlichen Bann, doch in Deutschland wittern die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen bereits Frühlingsluft. Nach sechs Rückgängen in Folge, hellt sich die Stimmung pünktlich im ersten Monat des Jahres wieder auf. Allerdings reflektiert der Ifo-Geschäftsklimaindex die sich in den vergangenen Tagen zugespitzte Situation an der Ostgrenze der Ukraine noch nicht wider. Vor allem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe dürften die Situation mit Sorge verfolgen. Schwere politische Konflikte bergen derzeit das Risiko, dass sich die angespannte Lieferkettensituation weiter verschärft.“

Volkswirte zum überraschend gestiegenen Ifo-Index im Januar

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