Freitag, Juli 12, 2024
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TUI wird den Staat bald los – Kapitalerhöhung Nummer vier

Frankfurt, 24. Mrz – Der Reisekonzern TUI geht mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung den letzten Schritt zur Rückzahlung der Staatshilfen aus der Corona-Krise. Das Unternehmen aus Hannover will in den nächsten drei Wochen 1,8 Milliarden Euro frisches Kapital bei seinen Aktionären einsammeln, wie TUI am Freitag mitteilte.

Als der Tourismus wegen der Corona-Beschränkungen im Frühjahr 2020 zusammenbrach, hatte der deutsche Staat TUI mit 4,3 Milliarden Euro gestützt, um eine Pleite zu verhindern: 1,3 Milliarden Euro davon waren Stille Einlagen und drei Milliarden Euro KfW-Kredite. Inzwischen hat sich das Reisegeschäft kräftig erholt. Dem Bund winkt aus der Rettungsaktion nach Berechnungen von Reuters ein Gewinn von mindestens 600 Millionen Euro.

„Die TUI verfügt damit wieder über eine gute Bilanzstruktur, und wir setzen alles daran, die Ertragskraft des Konzerns weiter zu verbessern“, sagte TUI-Chef Sebastian Ebel. „Die Buchungsentwicklung ist weiterhin sehr ermutigend.“ Er hatte im Dezember mit dem Bund vereinbart, die Staatshilfen spätestens bis Ende 2023 zurückzuzahlen. „Alles in allem ein sinnvoller Schritt“, sagte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets. „Sollten mit den nächsten Quartalsergebnissen nun wieder Gewinne ausgewiesen werden, könnte auch TUI die schwere Pandemiezeit endgültig abhaken.“

Es ist bereits die vierte Kapitalerhöhung von TUI, die der Rückzahlung der Corona-Hilfen dient – und die bei weitem größte. Gelingt sie, wird TUI fast vier Milliarden Euro frisches Kapital von seinen Aktionären bekommen haben. Die Anteilseigner können bis zum 17. April für je drei Aktien acht neue zum Preis von 5,55 Euro kaufen – insgesamt stehen 328,9 Millionen Papiere zum Verkauf. Der Ausgabepreis liegt bei gut einem Drittel des TUI-Schlusskurses vom Donnerstag von 16,00 Euro und knapp 40 Prozent unter dem um die Effekte der Kapitalerhöhung bereinigten Kurs (TERP). Am Freitag gaben die Aktien um sechs Prozent auf 15,04 Euro nach.

TUI-Großaktionär Alexej Mordaschow kann allerdings nicht mitziehen, weil der russische Oligarch Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs unterliegt. Seine 30,9 Prozent dürften damit deutlich verwässert werden.

Mit dem Erlös will TUI drei Komponenten der Staatshilfen zurückzahlen: Eine Stille Einlage und eine Optionsanleihe über zusammen 479 Millionen Euro lässt sich der Bund – einschließlich Zinsen und einem Ausgleich für den Verzicht auf die Wandlung in Aktien – für 750 Millionen Euro ablösen. Zudem zahlt TUI einen Kredit über 440 Millionen Euro an die Staatsbank KfW zurück, mit dem der Konzern den Winter überbrückt hatte.

Die Kreditlinie der KfW von zuletzt 2,1 Milliarden Euro will TUI auf 1,1 Milliarden abschmelzen – das ist dann die einzige staatliche Unterstützung, die der Konzern noch in Anspruch nehmen könnte. Von den gezogenen Bankkrediten über 1,44 Milliarden Euro sollen mit der Kapitalerhöhung rund 570 Millionen getilgt werden. Die Verschuldung von TUI werde damit um eine auf 2,4 Milliarden Euro sinken, erklärte das Unternehmen.

Für den Staat hat sich die Unterstützung von TUI ausgezahlt. Bereits mit der Auffangaktion für die Lufthansa, an der sich der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) direkt beteiligt hatte, hatte er 760 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Dagegen steht der WSF bei der Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof nach deren zweiter Insolvenz innerhalb von zwei Jahren vor einem Verlust von mehreren hundert Millionen Euro.

TUI wird den Staat bald los – Kapitalerhöhung Nummer vier

Quelle: Reuters

Symbolfoto: Bild von wasi1370 auf Pixabay

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