Sanierer soll bei Problemtochter von Siemens Energy aufräumen

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Madrid/Düsseldorf, 03. Feb (Reuters) – Der Energietechnikkonzern Siemens Energy will mit Vorstand Jochen Eickholt das Ruder bei der Verluste schreibenden spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa rumreißen. „Er hat mehrfach seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, schwächelnde Geschäfte wieder erfolgreich zu machen“, begründete Siemens-Energy-Aufsichtsratschef Joe Kaeser den für Anfang März angekündigten Chefwechsel bei Gamesa. Die Spanier legten am Donnerstag tiefrote Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 vor. Unter dem Strich stand ein Verlust von 403 Millionen Euro. Der scheidende Gamesa-Chef Andreas Nauen zeigte Verständnis für den angekündigten Führungswechsel.

Er sei am Mittwoch über die Pläne informiert worden und die Logik sei offensichtlich, sagte Nauen in einer Analystenkonferenz. Gamesa habe zu oft für negative Überraschungen gesorgt. Dadurch sei Vertrauen verspielt worden. Die Entscheidung für den Führungswechsel gefalle ihm zwar nicht, er könne sie aber absolut nachvollziehen. Nauen hatte erst im Juni 2020 den Chefposten übernommen.

Die Aktien von Siemens Gamesa legten am Donnerstag zeitweise um drei Prozent zu, Papiere von Siemens Energy um 0,8 Prozent. Gamesa hatte kürzlich zum dritten Mal innerhalb von neun Monaten Abstriche bei den Prognosen machen müssen, wodurch auch Siemens Energy immer mehr unter Druck gerät. Siemens Energy hält zwei Drittel der Anteile an Siemens Gamesa.

Siemens Energy

INSIDER – VERSTÄRKTE BEMÜHUNGEN FÜR EINE KOMPLETTÜBERNAHME

Nun soll Eickholt die Kohlen aus dem Feuer holen. „Jochen Eickholt ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um die Sanierung von Unternehmen in schwierigen Situationen geht“, betonte Siemens-Energy-Chef Christian Bruch. Der 60-Jährige Eickholt ist seit April 2020 Vorstandsmitglied bei Siemens Energy. Er ist dort unter anderem für die Geschäftsbereiche Stromerzeugung und Industrial Applications zuständig. Der Diplom-Ingenieur hatte 1999 beim Siemens-Konzern angeheuert und seitdem mehrere Führungsposten im In- und Ausland inne.

Gamesa ist immer mehr zum Bremsklotz geworden. Zwischen Oktober und Dezember fuhren die Spanier einen operativen Verlust von 309 Millionen Euro vor Sondereffekten ein. Auch im Gesamtjahr 2021/22 (per Ende September) rechnet Gamesa mit Verlusten, weil der Hochlauf der neuen Generation von Windturbinen an Land (onshore) Probleme macht. Wegen Schwierigkeiten in der Lieferkette laufen dem Unternehmen zudem die Kosten davon.

Siemens-Energy-Chef Bruch legt in der kommenden Woche Zahlen für das erste Quartal vor, das erneut von Gamesa belastet wird. Ihm fehlt bei der Tochter der Durchgriff, weil das Unternehmen mit Sitz in Zamudio im Baskenland selbst an der Madrider Börse gelistet ist. Insidern zufolge verstärkt Siemens Energy Überlegungen für eine Komplettübernahme der Tochter. Das Unternehmen spiele mit Beratern Möglichkeiten durch, wie sich die restlichen 33 Prozent der Gamesa-Anteile am besten und bilanzschonendsten übernehmen ließen, hatten mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Bis zum Sommer könnte eine Lösung gefunden werden.

Siemens Gamesa mache gute Fortschritte beim Verkaufsprozess für die Entwicklung von Windprojekten in Südeuropa, berichtete Nauen am Donnerstag. Gamesa bestätigte die kürzlich gesenkten Prognosen, wonach im Gesamtjahr 2021/22 der Umsatz um zwei bis neun Prozent sinken wird. Die Ebit-Marge vor Sonderfaktoren dürfte zwischen minus vier und plus ein Prozent liegen.

Sanierer soll bei Problemtochter von Siemens Energy aufräumen

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

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