Russische Armee ohne Durchbruch – Ergebnislose Gespräche

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Moskau/Kiew, 28. Feb (Reuters) – In der Ukraine ist der russischen Armee am fünften Tag schwerer Kämpfe kein entscheidender Durchbruch gelungen. Auch erstmalige Gespräche für eine Feuerpause wurden am Montag ohne greifbares Ergebnis vertagt.

Die Zivilbevölkerung wird immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Nach UN-Angaben sind über eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Die Ukraine warf der russischen Armee vor, zunehmend auch Wohngebiete zu bombardieren, was die Regierung in Moskau zurückwies.

Während weltweit die Empörung über den russischen Angriff anhielt, stockten viele westliche Staaten Militärhilfen für die Ukraine auf. In Russland machten sich die Auswirkungen der Sanktionen zunehmend bemerkbar.

In der Nacht zum Montag waren Explosionen in der Hauptstadt Kiew und der zweitgrößten Stadt des Landes, Charkiw, zu hören. Kämpfe gab es auch im Südosten im Gebiet von Mariupol, wie der Regionalgouverneur mitteilte. Laut Nachrichtenagentur Interfax befand sich die Stadt Berdjansk am Asowschen Meer in der Hand des russischen Militärs.

Der ukrainische Generalstab erklärte, die russische Armee konzentriere sich derzeit auf die Region um die Stadt Tschernihiw nördlich von Kiew und Donezk im Osten. Aufnahmen des privaten amerikanischen Satelliten-Betreibers Maxar zeigten einen russischen Militär-Konvoi auf dem Weg nach Kiew, der sich über eine Länge von 27 Kilometern erstreckte.

BERICHTE ÜBER ZIVILE OPFER

Nach ukrainischer Darstellung sind immer mehr Zivilisten unter den Opfern der russischen Vorstöße. Bei Raketenangriffen in Charkiw starben örtlichen Behörden zufolge mindestens elf Menschen. Dutzende Menschen seien verletzt worden, sagte der Leiter der Regionalverwaltung, Oleg Synegubow. Es war nicht sofort möglich, die Opferzahlen unabhängig zu überprüfen. Am Sonntag hatte das Kiewer Gesundheitsministerium erklärt, bis zu dem Zeitpunkt seien 352 Zivilsten, darunter 14 Kinder, getötet worden.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte vor zunehmenden Menschenrechtsverletzungen. Die Vereinten Nationen würden diese mit Teams vor Ort beobachten. Nach seiner Einschätzung droht Europa die schwerste Flüchtlingskrise seit Jahrzehnten. „Wir müssen allen Menschen in der Ukraine zeigen, dass wir in dieser Zeit der Not an ihrer Seite stehen.“ 

RUSSISCH-UKRAINISCHE GESPRÄCHE SOLLEN FORTGESETZT WERDEN

Einzelheiten des ersten Gespräches zwischen ukrainischen und russischen Vertretern seit Ausbruch der Kämpfe in einem Ort nahe der belarussischen Grenze wurden zunächst nicht bekannt. Medienberichten zufolge ist eine zweite Runde in den kommenden Tagen geplant. Die Ukraine hat als Ziel der Verhandlungen einen Waffenstillstand und den sofortigen Abzug russischer Truppen erklärt.

Der russische Präsident Wladimir Putin ist offenbar nicht zu Zugeständnissen bereit. Nach einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron teilte die Regierung in Moskau mit, Putin habe Macron erklärt, dass eine Einigung nur möglich sei, wenn Kiew neutral, „entnazifiziert“ und „entmilitarisiert“ sei. Damit wiederholte Putin die Ziele, die er zu Anfang der Invasion angekündigt hatte.

Viele westliche Staaten verstärkten ihre Militärhilfen. In Deutschlandfunk kündigte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht an: „Die Waffen sind auf dem Weg und da geht es nicht um Tage, sondern da geht es um Stunden.“ Ähnlich äußerte sich der britische Premierminister Boris Johnson.

Er habe zugesagt, „in den kommenden Stunden und Tagen mehr zu schicken“, teilte sein Büro mit. In Rom beschloss das Kabinett, „Militärfahrzeuge, Material und Ausrüstung für die ukrainische Regierung“ zu schicken. Das lettische Parlament erlaubte Staatsangehörigen, in der Ukraine zu kämpfen. 

Das russische Präsidialamt warf der Europäischen Union wegen der Waffenlieferungen feindseliges Verhalten vor. Die Kehrtwende der Bundesregierung vom Sonntag, der Ukraine doch Waffen zu schicken, wertete das Außenministerium in Moskau als „empörende Geste“. Die Ukraine verstärkte unterdessen ihre Anstrengungen, politisch näher an Europa zu rücken.

Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete eine formelle Bitte um die Aufnahme in die EU. Aus hochrangigen EU-Kreisen verlautet, dies könne für die Staats- und Regierungschefs ein Thema bei einem inoffiziellen Gipfel im März sein.

Aus Protest gegen die Invasion schlossen der Weltfußballverband Fifa und der europäische Fußballverband UEFA russische Mannschaften bis auf weiteres von allen Wettbewerben aus. Das Internationale Olympische Komitee schlug den Ausschluss russischer und belarussischer Sportler von internationalen Sportveranstaltungen vor. 

RUSSISCHE NOTENBANK VERDOPPELT LEITZINS

Unterdessen bekam Russland die Folgen der Wirtschafts- und Finanzsanktionen zu spüren. Die Zentralbank in Moskau verdoppelte den Leitzins auf 20 Prozent von 9,5 Prozent. „Dies ist notwendig, um die Finanz- und Preisstabilität zu unterstützen und die Ersparnisse der Bürger vor Wertverlusten zu schützen“, hieß es zur Begründung. Damit reagierte die Notenbank auf weitere Sanktionen der Europäischen Union, die sich auch gegen die Zentralbank selbst richten.

Die Moskauer Börse blieb weitgehend geschlossen. Der Rubel stürzte auf ein Rekordtief. Bei russischen Staatsanleihen lösten die verschärften Sanktionen Panikverkäufe aus. Bereits am Sonntag hatten sich vor Bankautomaten in Russland vielerorts Schlangen gebildet.

Nach der Sperrung des EU-Luftraums für russische Flugzeuge strich die Fluggesellschaft Aeroflot alle Flüge nach Europa. Im Gegenzug sperrte Russland seinen Luftraum für Airlines aus Deutschland und 35 weiteren Ländern. China kritisiert die Sanktionen. Diese stellten keine Lösung des Konfliktes dar, sondern verschärften bestehende Probleme.

Russische Armee ohne Durchbruch – Ergebnislose Gespräche

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Titelfoto: Symbolfoto 

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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