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Dienstag, November 29, 2022

Rohstoffe für den Klimawandel: Nachfrage nach Kupfer könnte bis 2030 um 600 Prozent steigen

Expertenmeinungen

Ein Marktkommentar von Paul Udall, Portfolio Manager bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM):

In den nächsten 30 Jahren dürften Elektroautos zur dominierenden Form des Individualverkehrs werden und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ablösen. Auch bei der Entwicklung der Speicher­systeme und der Verteilungsinfrastruktur, die für den Umstieg auf Wind- und Solarenergie erforderlich sind, spielen Mineralien eine wichtige Rolle. Die Nachfrage nach Mineralien wie Lithium wird mit der zunehmenden Nutzung von Elektrofahrzeugen und der Errichtung von Wind- und Solarinfrastrukturen stark ansteigen. Diese Rohstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, wird eine zentrale Herausforderung im Rahmen des klimabedingten Wandels darstellen

Der Brennstoff bleibt der Schlüssel zu einer Netto-Null-Zukunft, auch wenn der Wandel die Art des Brennstoffs verändert. Die Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Abbildung 1 verdeutlichen die massive Abhängigkeit sauberer Technologien von mineralischen Rohstoffen. Elektroautos benötigen etwa das Sechsfache an Mineralien im Vergleich zu herkömmlichen Autos, während ein Offshore-Windkraftwerk 13-mal mehr benötigt als ein Gaskraftwerk vergleichbarer Größe.

Welche Mineralien werden besonders begehrt sein? Bis 2040 dürfte die Nachfrage nach Batteriematerialien wie Lithium etwa 40-mal höher sein als im Jahr 2020.Die Nachfrage nach Kupfer könnte bis 2030 um rund 600 % steigen, wobei die Spanne der Prognosen sehr groß ist.2

Nachhaltiger Stahl ist ein weiterer interessanter Sektor, da Stahl rund 20 % der Kosten für die Herstellung einer Windturbine ausmacht. Die Technologie des Elektrolichtbogenofens, bei der der CO2-Fußabdruck zehnmal geringer ist als bei der Stahlproduktion im Hochofen (auf Kohlebasis), könnte eine zukunftsfähige Option sein. Zudem machen die Entwicklungen in der wasserstoffbasierten Stahltechnologie von sich reden.

Herausfordernde Perspektiven auf der Angebotsseite

Der Nachfrageanstieg dürfte auf ein angespanntes Angebot treffen. Der Ausbau der Kupferproduktion braucht Zeit: Die Erweiterung bestehender Minen dauert etwa drei Jahre, ein komplett neues Projekt acht Jahre. Angesichts der aktuellen Produktionsaussichten für Kupfer, Lithium und Kobalt (Abbildung 2) zeichnet sich nach dem IEA-Szenario für nachhaltige Entwicklung ein erhebliches Defizit ab.

Diese Dynamik von Angebot und Nachfrage sollte die strukturelle Performance von Bergbauaktien stark begünstigen, der Sektor ist von Natur aus aber sehr zyklisch und weist eine schlechte Bilanz bei der Kapitalallokation auf. Anleger sollten sich daher auf eine korrekte Größenverteilung konzentrieren. Mit einer starken Cash-Generierung und sehr attraktiven Multiplikatoren im Vergleich zu den reinen Clean-Technology-Unternehmen können diese entscheidenden Materialien jedoch ein wichtiger Anlagebereich für Klimaportfolios sein.

Negative Auswirkungen vermeiden

Natürlich entstehen bei sauberen Technologien auch Umweltkosten. Die Nebenwirkungen des Lithiumabbaus sind beispielsweise der Verlust von Wasser und biologischer Vielfalt, kontaminierte Böden und giftige Abfälle.3 Wissenschaftler sind besorgt über die möglichen schädlichen Auswirkungen auf die Ozeane, da die Jagd nach Rohstoffen das Interesse am Tiefseebergbau steigert.

Da die Nachfrage nach diesen Mineralien steigt, sollten auch die Bemühungen um die Einführung entsprechender Schutzmaßnahmen und die Durchführung sogenannter DNSH-Tests („do no significant harm“) zur Vermeidung von Schäden für lokale Gemeinschaften und die Natur verstärkt werden.

Mehr Investitionen im Recyclingbereich und die Förderung der Kreislaufwirtschaft werden hier ebenfalls dazu beitragen, sowohl die Umweltschäden zu begrenzen als auch eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

[1] IEA.

[2] Goldman Sachs Research.

[3] The side effects of lithium mining | Wellcome Collection.

Rohstoffe für den Klimawandel: Nachfrage nach Kupfer könnte bis 2030 um 600 Prozent steigen

Titelfoto: Paul Udall (Quelle: LOIM)

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