Die große Rentenlüge

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Was tun, wenn die Rente nicht sicher ist?

Norman Argubi ist unabhängiger Finanzberater, Volljurist, Vorstand der finanz-center AG in Hamburg und schon seit mehr als 30 Jahren in der Finanzbranche tätig.

„Die Rente ist sicher“, versprach der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm noch in den 80er- und 90er-Jahren. Dass diese Aussage nicht stimmen kann, zeichnete sich schon damals ab − inzwischen ist allerdings gewiss, dass das Konzept „Viele Arbeitnehmer finanzieren wenige Rentenbezieher“ nicht mehr funktioniert. Als Lösung schlägt die Politik in der Regel längere Erwerbstätigkeit und höhere Rentenbeiträge vor. Leidtragende sind dabei hauptsächlich junge Arbeitnehmer, die immer höhere Abgaben zahlen müssen und dabei nicht wissen, ob sie im Alter überhaupt noch Rente erhalten werden.

Kollaps des Rentensystems

Warum das deutsche Rentensystem nicht mehr funktioniert, lässt sich einfach erklären: Erstens gibt es durch den demografischen Wandel inzwischen viel mehr alte als junge Menschen, also viel mehr Rentenempfänger als Beitragszahler. Zweitens werden die Menschen immer älter. Inzwischen zahlt die Rentenkasse durchschnittlich 18 Jahre Rente an eine Person aus, während es 1950 nur 7 Jahre waren. Drittens fehlen inzwischen viele Jahre der Beitragszahlung: In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg machte der Großteil der Jugendlichen eine Ausbildung und fing mit 15 Jahren an zu arbeiten. Heutzutage machen 50 Prozent Abitur, viele nehmen danach noch ein Studium auf und starten erst mit 25 oder 30 Jahren in das Arbeitsleben. Infolgedessen muss die Rentenkasse aktuell schon massiv von Steuergeldern subventioniert werden. Inzwischen fließen etwa 100 Milliarden Euro Steuern jährlich in die Rente. Das System trägt sich also schon lange nicht mehr von selbst. Eine Erhöhung des Renteneintritts auf 69 Jahre oder eine Anhebung der Beiträge stellt lediglich einen Tropfen auf den heißen Stein dar und wird das System nicht retten können.

Altersvorsorge in die eigene Hand nehmen

Viele Menschen stellen sich inzwischen die Frage, wie und nicht ob sie für das Alter vorsorgen sollen. Wer kann, sollte dem Rentensystem grundsätzlich entfliehen. Dies trifft beispielsweise auf Selbstständige zu, da sie nicht verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Bei einem Gehalt von 4.000 Euro lassen sich auf diese Weise 760 Euro sparen, die selber anderweitig angelegt werden können. Allerdings steht Angestellten diese Option nicht zur Verfügung. Sie sollten sich aber trotzdem privat um ihre Altersvorsorge kümmern und sich nicht auf die staatliche Rente verlassen. Insbesondere junge Menschen müssen sich frühzeitig um ihre finanzielle Bildung kümmern und das Thema Geldanlage nicht zu lange aufschieben. Für den Anfang bietet sich eine Investition in Aktienfonds an. Ihr Vorteil ist, dass Anleger schon mit wenig Geld einsteigen können und bei Fonds im Laufe der Zeit zusätzlich die höchsten Renditen zu erwarten sind. Bei Aktienfonds handelt es sich im Grunde genommen um eine Beteiligung an einem großen Sammeltopf, in dem sich viele verschiedene Aktien befinden, die über einen Manager gekauft und verkauft werden. Durch die breite Anlage in Aktien unterschiedlicher Unternehmen minimiert sich das Risiko. Wer sein ganzes Erspartes auf ein Unternehmen setzt, verliert im schlimmsten Fall alles. Wird das Vermögen auf viele unterschiedliche Aktien aufgeteilt, balancieren sich vereinzelte Verluste und Gewinne aus. Da Fonds alle staatlich kontrolliert werden, ist das eigene Geld zudem sicher aufgehoben. 

In Sachwerte investieren

Wer mithilfe von Aktienfonds erste Gewinne realisieren konnte, sollte später auch Immobilien, seltene Erden, Gold, Silber oder Kryptowährungen in sein Portfolio aufnehmen. Wichtig ist, immer in Sachwerte zu investieren, die einen realen Gegenwert aufweisen. Sein hart erarbeitetes Geld einfach auf dem Sparkonto liegen zu lassen, stellt den größtmöglichen Fehler dar. Da es auf Tagesgeld, Festgeld oder Sparbücher derzeit kaum noch Zinsen gibt, verlieren Sparer dort durch die Inflation über die Jahre stark an Vermögen. Wer sich bei der Wahl der richtigen Geldanlage Unterstützung wünscht, sollte außerdem besser einen unabhängigen Finanzberater statt einen Berater von der Hausbank hinzuziehen. Bankangestellte müssen in der Regel die Interessen der Bank vertreten und haben Vorgaben, welche Finanzprodukte sie verkaufen sollen. Die Interessen des Kunden geraten dabei schnell in den Hintergrund. Im Gegensatz dazu sind unabhängige Finanzberater schon laut Gesetz zunächst dem Kunden und seinen Interessen verpflichtet.

Weitere Informationen unter www.finanz-center.com

Norman Argubihttp://www.finanz-center.com
Als Volljurist und unabhängiger Finanzberater informiert Norman Argubi, Vorstand der finanz-center AG, seit mehr als 30 Jahren über sinnvolle Investitionen und Vermögensverwaltung.

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