Österreichs Raiffeisen Bank erwartet ihr schwierigstes Jahr

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Wien, 31. Mrz (Reuters) – Das wegen ihrer Geschäfte in Russland massiv unter Druck geratene Wiener Geldhaus Raiffeisen Bank International (RBI)stimmt seine Aktionäre auf schwierige Zeiten ein. „2022 wird das wohl forderndste Jahr seit dem Bestehen der RBI sein“, sagte Aufsichtsratschef Erwin Hameseder am Donnerstag bei der Hauptversammlung, bei der eine Teilnahme vor Ort oder über das Internet möglich war. „Wir werden einen langen Atem brauchen“, fügte er an. An der Wiener Börse gerieten die RBI-Papiere einmal mehr unter Druck. Die Aktien verloren 3,6 Prozent auf 13 Euro. 

Das Geldhaus prüft derzeit wegen des Krieges in der Ukraine alle strategischen Optionen für ihre russische Tochterbank bis hin zu einem Ausstieg. Bankchef Johann Strobl, der sich in seiner Rede erschüttert über den Krieg zeigte, steht damit vor der wohl schwierigsten Entscheidung seiner Amtszeit: Schließlich erwirtschaftete die Russland-Tochter zuletzt etwa ein Drittel des Konzerngewinnes von 1,4 Milliarden Euro. Er räumte ein, dass die RBI derzeit im Blickpunkt stehe und viel Kritik ausgesetzt sei. Die Prüfung über einen möglichen Rückzug aus Russland werde allerdings eine gewisse Zeit dauern. „Eine Bank ist keine Würstelbude, die man in einer Woche zusperren kann“, so Strobl. 

Raiffeisen Bank

Die Hauptversammlung, bei der nach Angaben eines Aktionärs bewaffnete Sicherheitskräfte anwesend waren, dauerte wegen der zahlreichen Fragen der Aktionäre viele Stunden. Ein Aktionär stellte die Frage, ob Investoren wegen des Russland-Geschäftes nun überhaupt noch in die RBI investieren wollten. Strobl antwortete, dass Investoren, die ihren Ausstieg aus russischen Unternehmen angekündigt hätten, dies nicht auf die RBI beziehen würden. „Das bezieht sich rein auf russische Unternehmen, wo man direkt investiert ist“, sagte der Manager, der nach eigenen Angaben zahlreiche Gespräche mit Investoren dazu geführt hat. Der Vorstand sei sich aber bewusst, dass es in Zukunft für die Bank sehr schwierig sein könnte, wenn man in Russland bleibt. 

Zu bedenken gilt es zudem, ob und inwiefern das Russland-Engagement Auswirkungen auf den genossenschaftlich organisierten Raiffeisen-Sektor haben könnte. Die RBI ist schließlich das Spitzeninstitut der Raiffeisenlandesbanken. „Wir sind sehr sensitiv auf die Frage, kann das negative Auswirkungen auf die gesamte Gruppe haben“, sagte Strobl. „Aus heutiger Sicht, sehe ich diese direkte Bedrohung nicht“, fügte er an. 

Über einen weiten Teil versuchte Strobl vor allem die Sorgen der Aktionäre hinsichtlich Russland zu zerstreuen. Gefahren für die Konzerngruppe sehe keine, sagte er. „Der RBI-Konzern ist so aufgestellt, dass selbst in einem Extremszenario in einer Tochterbank kein Ansteckungsrisiko für die Gruppe besteht“, heißt es in einer Präsentation der Bank. Die Töchter in Ost- und Südosteuropa, die überwiegend lokal und eigenständig operierten, hätten gegenüber der russischen Tochter auch keine Ausstände.

Für die Konzernzentrale in Wien sieht die Bank keine Verpflichtungen, die über das investierte Eigenkapital in Höhe von 2,4 Milliarden Euro hinausgehen. Die gesamte Gruppe verfüge zudem über eine hohe Liquidität, erklärte die Bank. Die harte Kernkapitalquote (CET1) würde zwar auf knapp über zwölf Prozent sinken von zuletzt 13,1 Prozent. Laut Strobl erfüllt die Bank aber weiterhin die gesetzlichen Mindestquoten. 

UKRAINE-MITARBEITER ARBEITEN AUS KELLERN UND U-BAHNSTATIONEN

In der Ukraine seien nach wie vor die meisten Filialen geöffnet und man könne all wichtigen Bankdienstleistungen anbieten. Der IT-Betrieb laufe und die Geldautomaten würden funktionieren. „Wir haben 380 Filialen in der Ukraine und im Schnitt sind 300 Filialen pro Tag geöffnet“, sagte Strobl.

Wichtig sei es, die Verfügbarkeit der Konten zu gewährleisten und den Kunden Zugang zu Bargeld zu ermöglichen. Das gelinge aber nur unter „sehr schwierigen, unvorstellbaren Bedingungen“. „Die Mitarbeiter arbeiten teilweise aus Kellern, aus U-Bahn-Stationen und aus Tiefgaragen“, sagte Strobl. Den ukrainischen Kunden habe man zudem ein freiwilliges Moratorium angeboten. 

In Russland hingegen müsse sich die Tochterbank auf einen erheblichen Wirtschaftsabschwung vorbereiten. „Das heißt, de facto keine Neukredite, ein schrumpfendes Kreditvolumen und sinkende Kundenzahlen“, sagte Strobl. Bei der Prüfung der Aktivitäten in dem Land müsse man sehr sorgfältig vorgehen. „Damit es keinen Anlass gibt, dass die Bank über Nacht durch eine Fehlhandlung unserer Seite die Banklizenz verliert“, sagte Strobl. Dies wäre nachteilig für Kunden und Mitarbeiter.

Österreichs Raiffeisen Bank erwartet ihr schwierigstes Jahr

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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