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Montag, Januar 30, 2023

Ökonomen zu den Folgen der US-Wahl für deutsche Wirtschaft

Expertenmeinungen

Berlin, 09. Nov – Auch nach Schließung der meisten Wahllokale in den USA bleibt das Rennen um den Kongress eine Zitterpartie für Präsident Joe Biden. Seine Demokraten mussten zwar wie erwartet einige Niederlagen in Kauf nehmen. Unter dem Strich ließ sich am Mittwochmorgen aber noch nicht sagen, ob es den als Favoriten in die Abstimmung gestarteten Republikanern gelang, die Kontrolle über das Parlament zu erobern. Vom Ausgang der Wahl hängt ab, wie effektiv Biden in den zwei Jahren bis zur nächsten Präsidentenwahl regieren kann. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

CARSTEN BRZESKI, ING-CHEFVOLKSWIRT:

„Wie es aussieht, ist der Ausgang knapper als erwartet und wurde das Land nicht von der von einigen befürchteten roten (Republikaner) Welle erfasst. Während das den Ausgang der 2024 Wahl offener macht, könnte Joe Biden die nächsten zwei Jahre wohl dennoch als Lame Duck im Weißen Haus verbringen. Das heißt, dass es wenig bis kaum wirtschaftspolitische Entscheidungen geben wird. 

In Zeiten, in denen sich die US-Wirtschaft Richtung Rezession bewegt, verspricht das auch für die deutsche Wirtschaft wenig Gutes. Denn im Falle einer Rezession, die wir für die erste Jahreshälfte 2023 erwarten, wird es keine Einigkeit für Konjunkturpakete geben. Da in den letzten Jahren die boomende US-Wirtschaft eine der wenigen Stützen der deutschen Exporteure war, ist der Ausgang der Zwischenwahlen ein zusätzlicher Risikofaktor für die deutschen Wirtschaftsaussichten. 

Problematisch könnte es auch werden, wenn die USA ihre Unterstützung für die Ukraine zurückziehen. In so einem Szenario würden sich die (geopolitische) Unsicherheit wieder erhöhen und wohl auch die Energiepreise weiter steigen. Erscheinen die US-Zwischenwahlen vielen Deutschen immer sehr weit weg: Die indirekten wirtschaftlichen Folgen des Wahlausgangs werden wir auch in Deutschland spüren.“

DIRK CHLENCH, LBBW:

„Die, gemessen an den Vorhersagen, geringen Verluste der Demokratischen Partei dürften Präsident Joe Biden ermutigen, zur US-Präsidentschaftswahl im November 2024 anzutreten. Da auch sein Amtsvorgänger Donald Trump aller Voraussicht nach seinen Hut in den Ring werfen wird, steht uns eine Neuauflage des Wahlkampfes Biden versus Trump ins Haus.

Vor dem Hintergrund der absehbaren Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus wird Präsident Joe Biden in der restlichen Amtszeit mit Dekreten und Verordnungen regieren müssen. Es bleibt nun zu hoffen, dass die anstehende Erhöhung der US-Staatsschuldenobergrenze trotz Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus ohne ein politisches Hauen und Stechen über die Bühne gehen wird.“

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

„Die Folgen der US-Zwischenwahlen für die deutsche Wirtschaft sind sehr gering. Die Demokraten stehen den Republikanern in Sachen Protektionismus in nichts nach. Außerdem liegt die Kompetenz für Außen- und Wirtschaftspolitik größtenteils beim amerikanischen Präsidenten. Nur für Freihandelsabkommen bräuchte er die Zustimmung des Kongresses. Aber ein neues Ankommen zwischen den USA und der EU steht leider ohnehin nicht an.“

Ökonomen zu den Folgen der US-Wahl für deutsche Wirtschaft

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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