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Donnerstag, Dezember 8, 2022

125 Tote bei Massenpanik nach Fußballspiel in Indonesien

Expertenmeinungen

UPDATE:

Malang, 02. Okt (Reuters) – Nach der Massenpanik bei einem Fußballspiel in Indonesien haben die Behörden am Sonntag die Zahl der Toten auf 125 revidiert. Der Vize-Gouverneur von Ostjava, Emil Dardak, erklärte, die frühere Zahl von 174 habe möglicherweise doppelt gezählte Opfer umfasst. Nach wie vor wurde von 180 Verletzten ausgegangen. Der Polizei zufolge waren am Samstag Besucher im Zuge von Krawallen überrannt worden. Das Unglück ist eines der schwersten im weltweiten Fußball.

Malang, 02. Okt (Reuters) – Bei einer Massenpanik nach einem Fußballspiel in Indonesien sind nach Angaben der Behörden bis zu 174 Menschen getötet worden. 180 weitere hätten sich zudem verletzt, nachdem sie auch im Zuge von Krawallen im Stadion überrannt worden seien, teilte die Polizei in Ostjava am Sonntag mit. Polizeichef Nico Afinta sagte, Fans der Heimmannschaft Arema FC seien am Samstagabend aus Verärgerung über eine Niederlage ihres Teams auf das Spielfeld gestürmt. Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Das habe zu einer Massenpanik geführt, bei der zahlreiche Menschen erstickt seien. Das Unglück ist das schwerste im weltweiten Fußball seit über einem halben Jahrhundert. 1964 waren im Zuge eines Spiels zwischen Peru und Argentinien 328 Menschen bei einer Massenpanik gestorben.

Der stellvertretende Gouverneur von Ostjava, Emil Dardak, und die örtliche Katastrophenschutzbehörde bezifferten die Zahl der Todesopfer zunächst auf 174. Später hieß es, möglicherweise seien Opfer doppelt gezählt worden. Die örtliche Gesundheitsbehörde sprach von 130 Toten. 

Bei dem Erstliga-Spiel hatte der Arema FC sein Match am Samstag gegen Persebaya Surabaya mit 2:3 verloren. Nach dem Abpfiff sei die Situation in dem Stadion in Ostjava „anarchisch“ geworden, sagte Polizeichef Afinta. Fans hätten Beamte angegriffen und Autos beschädigt. Es sei dann zu einem Gedränge gekommen, als Fans zu einem Ausgang geflüchtet seien. 

Auf Videoaufnahmen lokaler TV-Sender ist zu sehen, wie zahlreiche Menschen auf das Spielfeld laufen und es zu Handgreiflichkeiten kommt. Nebel liegt in der Luft, bei dem es sich offenbar um Tränengas handelt. Am Rand des Spielfelds liegen größere Polizeifahrzeuge mit zertrümmerten Scheiben auf der Seite, aus einem der Fahrzeuge steigt Rauch auf. Die Bilder zeigen auch Personen, die offenbar das Bewusstsein verloren haben, und von Helfern weggetragen werden. 

KRANKENHAUS: FÜNFJÄHRIGES KIND UNTER DEN TOTEN

Der Leiter eines örtlichen Krankenhauses sagte dem Sender Metro TV, einige der Opfer hätten Hirnverletzungen erlitten. Unter den Toten sei auch ein fünfjähriges Kind. Die Behörden hatten zunächst von 127 Toten gesprochen, im Verlauf war die Zahl dann weiter gestiegen. 

Der indonesische Sicherheitsminister Mahfud MD schrieb auf Telegram, das Stadion sei über seine Kapazität hinaus gefüllt gewesen. Es seien 42.000 Eintrittskarten verkauft worden, das Stadion aber nur für 38.000 Besucher zugelassen. Ostjavas Gouverneur Khofifah Indar Parawansa sagte, die Verletzten und die Familien der Opfer könnten mit finanzieller Hilfe rechnen.

Bei Spielen in Indonesien ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Ausschreitungen und auch Gewalt unter Anhängern verschiedener Vereine gekommen. Sportminister Zainudin Amali sagte dem Sender KompasTV nach dem Unglück, er werde die Sicherheit bei Fußballspielen neu bewerten und dabei auch erwägen, zunächst keine Zuschauer mehr in Stadien zuzulassen. Präsident Joko Widodo sagte, die Behörden müssten die Sicherheit bei den Spielen gründlich überprüfen. Er hoffe, dass dies „die letzte Fußballtragödie in diesem Land“ gewesen sei. Wikodo wies den indonesischen Fußballverband an, alle Spiele der obersten Liga bis zum Abschluss von Ermittlungen auszusetzen. Amnesty International Indonesien kritisierte, der Einsatz von übermäßiger Gewalt durch den Staat zur Eindämmung solcher Ansammlungen sei in keinster Weise gerechtfertigt. 

Der Weltfußballverband Fifa forderte vom indonesischen Fußballverband einen Bericht über das Unglück an. Fifa-Regeln schreiben vor, dass Ordner und Polizisten in Stadien keine Schusswaffen oder Reizgas bei sich tragen oder einsetzen dürfen. Die Polizei von Ostjava reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage, ob ihr solche Vorschriften bekannt sind. 

Indonesien soll Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft für Spieler unter 20 Jahren (U20) im Mai und Juni 2023 sein. Das Land hat sich auch um die Ausrichtung des Asien-Cups 2023 beworben, dem Äquivalent zur Fußball-Europameisterschaft.

1989 waren im Hillsborough-Stadion im britischen Sheffield 96 Menschen getötet worden. Bei dem Spiel des FC Liverpool gegen Nottingham Forest war es zu einem Gedränge gekommen, bei dem auch mehr als 760 Menschen verletzt wurden.

 

Mindestens 174 Tote bei Massenpanik nach Fußballspiel in Indonesien

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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