Markus Baulig: Was deutsche Unternehmen von Tesla lernen können

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Ein Kommentar von Markus Baulig.

Am vergangenen Dienstag eröffnete nach lediglich zwei Jahren Bauzeit das erste Werk des US-Autoherstellers Tesla in Europa. Neben dem Tesla-Chef Elon Musk kamen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zu der Eröffnungsfeier nach Grünheide in der Nähe von Berlin.

Mit dem Bau der „Gigafactory“ ist der US-Autohersteller ein großes Wagnis eingegangenen, denn die Betriebsgenehmigung für das Werk hat Tesla erst vor wenigen Wochen erhalten. Man verließ sich bei den Amerikanern bis zuletzt auf vorläufige Zusagen von Verwaltung und Politik. Ein so ambitioniertes Vorhaben, mit einem solch knappen Zeitplan und dann auch noch ohne verbindliche Zusagen ist in Deutschland normalerweise undenkbar. Die geglückte Inbetriebnahme der Tesla-Fabrik zeigt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Bloß fehlt es häufig genau daran.

Fehlende Risikobereitschaft kostet Unternehmen Millionen

Das Problem deutscher Unternehmer lässt sich vor allem auf zwei Faktoren zurückführen. Zum einen sind Deutsche grundsätzlich seltener bereit, Risiken einzugehen. Insbesondere gilt das für finanzielle Risiken, etwa im Bereich von Finanzanlagen. (vgl. Allensbach, https://bankenverband.de/media/files/Untersuchung.pdf) Dies spiegelt sich auch in der Wirtschaft wider. Risikoaverse Geschäftsentscheidungen bremsen den Fortschritt.  Unternehmern fehlt es an der Bereitschaft schwierige Entscheidungen zu treffen. Ihr Zaudern kostet sie täglich Millionen. 

Schlechte Rahmenbedingungen erschweren mutige Entscheidungen

Zum anderen sind die Strukturen in Deutschland veraltet und kompliziert. Hätte sich Elon Musk mit seiner Gigafactory nicht von vornherein weit aus dem Fenster gelehnt und bis zu 12.000 neue Arbeitsplätze für die Region versprochen, wäre man ihm seitens der Politik und der Behörden nicht so sehr entgegengekommen. Ohne die Aussicht auf viele zusätzliche Millionen für die Steuerkasse, haben es kleine und mittelständische Betriebe meist schwerer. Sie haben häufig weder das Personal noch das Geld, sich zeitaufwendigen und teuren Genehmigungsverfahren zu stellen, die am Ende möglicherweise nicht zum erwünschten Ergebnis führen. 

Markus Baulig
Markus Baulig, Quelle: Baulig Consulting GmbH

Vier Handlungsfelder für strukturelle Veränderungen in deutschen Unternehmen

Der Ball liegt also zuerst einmal im Feld der Politik. Sie muss Hürden abbauen und sich Tesla bundesweit als Blaupause für eine Entbürokratisierungswelle nehmen. Gleichzeitig müssen Unternehmer sich mit dem Gedanken anfreunden, dass ohne Risikobereitschaft langfristig kein Wachstum zu erreichen ist. Die gute Nachricht: Mit schlanken Strukturen, vollständig digitalen Prozessen und klar geregelten Zuständigkeiten ließen sich die meisten Unternehmen in kurzer Zeit so aufstellen, dass Risiken kalkulierbar und die Erfolgsaussichten enorm werden.

Vier konkrete Handlungsfelder gilt es für die Unternehmen zu berücksichtigen:

1. Klare Sprache und transparente Kommunikation auf allen Ebenen. Silos müssen konsequent aufgebrochen werden und Informationen in Echtzeit verfügbar sein.

2. Entschlossenheit muss sich lohnen. Für getroffene und exekutierte Entscheidungen sollten Verantwortliche belohnt werden. Zaudern und zu langes Abwägen muss hingegen unattraktiv sein.   Denkbar wäre ein Bonus-Malus-System. 

3. Folgen von nicht-getroffenen Entscheidungen müssen allen Beteiligten bewusst gemacht werden. Die Nullalternative zieht ebenso Konsequenzen nach sich wie ein Bruch mit dem Status quo. Worin liegen die größeren Chancen?

4. Prozesse müssen konsequent digital und nach Möglichkeit automatisiert ablaufen. Fehlender Zugriff, räumliche Distanz und unnötigerweise mechanisch ausgeführte Tätigkeiten dürfen 2022 keine Entschuldigung mehr für Verzögerungen sein.

Über Markus Baulig:

Markus Baulig ist Co-Gründer und Geschäftsführer von Baulig Consulting – Deutschlands erster vollständig digitaler Unternehmensberatung, die mittelständische Kunden in den Bereichen Umsatzsteigerung und Vertrieb mit Fokus auf digitale Absatzwege berät. Seit der Gründung im Jahr 2016 wurden über 4.000 Kunden via Online-Trainings und Video-Calls zu erprobten, standardisierten Lösungen beraten und in der Umsetzung begleitet. Die Baulig-Unternehmensgruppe beschäftigt rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat ein jährliches Auftragsvolumen von über 31 Millionen Euro. Laut Focus und Statista war Baulig Consulting 2021 Deutschlands am schnellsten wachsende Unternehmensberatung. Im selben Jahr wurde das Unternehmen erneut fünffach TÜV-zertifiziert. Mehr Informationen: www.bauligconsulting.de.

Markus Baulig: Was deutsche Unternehmen von Tesla lernen können

Ein Kommentar von Markus Baulig.

Quelle: Baulig Consulting GmbH

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