Ausgangslage vor dem Krieg nicht vergessen
Angesichts des andauernden Krieges kann man leicht aus den Augen verlieren, wie die Weltwirtschaft noch vor wenigen Wochen aussah. Es ist jedoch wichtig, sich diese Ausgangslage in Erinnerung zu rufen. Wenn der Krieg endet, wird es zweifellos zusätzliche Faktoren zu bewerten geben, diese werden jedoch auf den vor dem Krieg vorherrschenden Trends aufbauen.
Inflation war bereits zuvor ein zentrales Risiko
Eine höhere Inflation war bereits ein Risiko. Bei einem kürzlich abgehaltenen Portfolio Strategietreffen bemerkte ein Kollege, dass die chinesische Innenpolitik maßgeblich zur global niedrigen Inflation beigetragen hat. Doch die jüngsten Maßnahmen in China haben das Blatt gewendet. Die zuvor disinflationären Effekte wirken nun potenziell inflationär. Damit stand das Inflationsrisiko bereits vor dem Krieg auf der Agenda.
Einfluss von KI auf Inflation bleibt unklar
Die Auswirkungen von KI auf die Inflation sind weiterhin schwer einzuschätzen. Kurzfristig wirken Investitionen in Rechenzentren eher inflationär, insbesondere durch steigende Betriebskosten. Langfristig könnte KI jedoch durch Produktivitätsgewinne und geringere Arbeitsnachfrage disinflationär wirken. Der genaue Zeithorizont bleibt jedoch unsicher.
US Wachstum vor starkem Aufschwung
Das Wachstum in den USA war auf einen deutlichen Aufschwung vorbereitet. Fiskalische Impulse, geldpolitische Lockerungen und erwartete Steuerrückerstattungen hätten einen starken wirtschaftlichen Sommer begünstigt. Auch global sorgten expansive Politikmaßnahmen für ein positives Umfeld.
Deutlich gestiegene Energiekosten verändern die Lage
Was sich verändert hat, sind vor allem die Energiekosten. Diese sind deutlich gestiegen, teilweise verbunden mit Knappheit und strukturellen Engpässen. Schäden an Infrastruktur und mögliche Blockaden wichtiger Handelsrouten könnten die Situation längerfristig belasten.
Chancen auf Deeskalation bleiben bestehen
Auch wenn die Dauer des Konflikts ungewiss ist, sprechen viele Faktoren für eine mögliche Deeskalation. Logistische, wirtschaftliche und politische Kosten erhöhen den Druck auf eine Lösung. Die Phase akuter Panik könnte daher bereits überwunden sein.
Marktbewegungen durch technische Faktoren verstärkt
Ein Großteil der Marktbewegungen ist auf die Auflösung stark nachgefragter Positionen zurückzuführen. Besonders gehebelte Positionen wurden schnell abgebaut, was zu extremen Ausschlägen geführt hat. Geringe Liquidität verstärkt diese Effekte zusätzlich.
Liquidität und Positionierung als Treiber der Volatilität
Einige Märkte waren zeitweise weniger liquide als während der COVID Pandemie. In Kombination mit überfüllten Positionen führte dies zu überdurchschnittlichen Bewegungen, etwa bei Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit.
Inflationsschutz gewinnt an Bedeutung
Angesichts steigender Inflation erscheint der Ausbau von Inflationsschutz im Portfolio sinnvoll. Inflationsgebundene Wertpapiere wirken derzeit attraktiv, da die erwarteten Preissteigerungen hoch bleiben dürften.
Zentralbanken vor schwierigen Entscheidungen
Die Reaktionen der Zentralbanken auf steigende Energiepreise bergen Risiken. Sowohl zu starke Zinserhöhungen als auch Untätigkeit könnten negative Folgen haben. Politische Motive könnten diese Entscheidungen zusätzlich beeinflussen.
Währungen bieten Chancen durch höhere Volatilität
Im Devisenmarkt wird mit steigender Volatilität gerechnet. Dies eröffnet Chancen für zusätzliche Renditen. Der US Dollar profitierte zuletzt eher von Positionsauflösungen als von seiner Rolle als sicherer Hafen.
Zinsmärkte bieten attraktive Relative Value Chancen
Besonders im globalen Zinsmarkt ergeben sich interessante Möglichkeiten. Die Unterschiede zwischen Märkten sind aktuell so groß wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Strategien entlang der Zinskurve könnten attraktive Renditen bei moderatem Risiko ermöglichen.
Marktkommentar von Arif Husain, Leiter Global Fixed Income und Chief Investment Officer bei T. Rowe Price
Bild Quelle: T. Rowe Price
Quelle TE Communications GmbH



















