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Mittwoch, Februar 1, 2023

Friedensprozess in Äthiopien nimmt Fahrt auf – Rolle Eritreas unklar

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Addis Abeba, 30. Dez – In Äthiopien nimmt die Umsetzung des vor zwei Monaten beschlossenen Waffenstillstands nach zwei Jahren Bürgerkrieg konkrete Formen an. Drei Augenzeugen berichteten am Freitag, eritreische Soldaten hätten die Städte Shire und Axum in der äthiopischen Rebellen-Provinz Tigray geräumt und seien in Richtung Grenze abgezogen. Eritrea hat in dem Bürgerkrieg aufseiten der Zentralregierung in Addis Abeba gegen die Tigray-Rebellen im Norden Äthiopiens gekämpft. Tigray grenzt an Eritrea. 

Der Waffenstillstand soll den Auftakt zu einem Friedensprozess bilden. Am Anfang steht die Entflechtung der Truppen. Teil des Abkommens ist der Abzug aller ausländischen Soldaten aus Äthiopien. Am Donnerstag hatten Vertreter der beiden Bürgerkriegsparteien in Mekelle, der Hauptstadt von Tigray, ein gemeinsames Team zusammengestellt, das die Entwaffnung der tigrayischen Milizen, die Wiederherstellung öffentlicher Dienste sowie humanitärer Hilfe und den Abzug ausländischer Truppen begleiten soll. Techniker begannen mit der Reparatur von Telekom-Leitungen und die nationale Fluglinie Ethiopian Airlines nahm wieder Flüge in den nördlichen Landesteil auf.

Allerdings ist Eritrea nicht Mitunterzeichner des Waffenstillstands-Abkommens, das unter Vermittlung der Afrikanischen Union zwischen äthiopischer Zentralregierung und den Tigray-Rebellen besiegelt wurde. Eritrea sieht in der Tigray Volksbefreiungs-Front TPLF nach wie vor einen Feind. Dies geht zurück auf einen blutigen Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea von 1998 bis 2000. Damals wurde die äthiopische Regierung von der TPLF beherrscht. 

Ob die Räumung von zwei Städten den Beginn des Abzugs der eritreischen Truppen aus ganz Tigray bedeuten könnte, blieb zunächst offen. Der eritreische Informationsminister Yemane Gebremeskel sagte Reuters, er könne weder bestätigen noch dementieren, ob die Truppen seines Landes abgezogen würden. Weder die Tigray-Rebellen noch die äthiopische Regierung wollten zunächst zu der Frage Stellung nehmen.

Ursache des Bürgerkrieges waren seit langem bestehende Rivalitäten regionaler Mächte, die um die Vorherrschaft in Äthiopien streiten. Die TPLF-Rebellen warfen dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed vor, die Macht auf Kosten der Regionen Äthiopiens zu zentralisieren. Abiy bestreitet dies und wirft der TPLF im Gegenzug vor, die Macht im Land zurückerobern zu wollen. Die TPLF war bis zur Wahl von Abiy zum Regierungschef 2018 dominierende Kraft im Staat. Die Kämpfe in Afrikas zweitbevölkerungsreichstem Land haben Millionen Menschen vertrieben, Tausende Zivilisten wurden getötet. In Teilen von Tigray herrscht Hungersnot.

Friedensprozess in Äthiopien nimmt Fahrt auf – Rolle Eritreas unklar

Quelle: Reuters

Symbolfoto: Bild von Mustafa cevcek auf Pixabay

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