Fraport – 50 Millionen Euro mehr Kosten für mehr Personal

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Frankfurt, 09. Aug (Reuters) – Der Stellenaufbau bei den Bodendiensten erhöht die Personalkosten des Flughafenbetreibers Fraport in diesem Jahr um rund 50 Millionen Euro. Das Sparziel von 300 Millionen Euro im Jahr im Vergleich zum Vorcorona-Jahr 2019 müsse wegen der „Qualitätsprobleme“ der Bodendienste auf 250 Millionen Euro gesenkt werden, erklärte Fraport-Finanzchef Matthias Zieschang am Dienstag bei einer Analystenkonferenz.

Der größte deutsche Flughafen leidet wie viele andere Airports unter Personalmangel nach Stellenabbau und Weggang von Mitarbeitenden in der Corona-Krise. Das führt zu Problemen während der Urlaubssaison, in Frankfurt vor allem bei der Gepäckabfertigung. Fraport habe rund 700 Leiharbeiter anheuern müssen. Das sei mit höheren Kosten verbunden als ebenfalls laufende Neueinstellungen. Zudem fielen Zuschläge an für Sonderschichten. 

„Wir hoffen, im September sind die Qualitätsprobleme behoben“, sagte Zieschang. Dann könne die Produktivität der Bodendienste im vierten Quartal steigen. Auch im kommenden Jahr soll der Betrieb dann nicht mehr so knirschen wie in diesem Jahr. Fraport will mit den Bodendiensten dann wieder operativen Gewinn erwirtschaften, nachdem die Sparte 2022 voraussichtlich mit einem Defizit abschließen werde.

Trotz Stellenaufbaus am Boden soll die Beschäftigung am Fraport-Hauptstandort Frankfurt nicht wieder die alte Stärke von 20.800 erreichen. In der Corona-Krise wurden rund 4500 Arbeitsplätze abgebaut. Das Bodenpersonal schrumpfte um etwa 2000 Köpfe auf 7.300. Das Minus insgesamt soll sich Zieschang zufolge bei gut 4000 einpendeln, um die Kosten im Griff zu behalten.

Nach der Pandemie steigen die Löhne vor dem Hintergrund von Personalknappheit und höherer Inflation stärker – Fraport kalkuliert dem Finanzchef zufolge mit einem Plus von fünf Prozent 2023 nach sonst nur 2,5 Prozent vor der Krise. Die höheren Kosten müssten letztlich über steigende Flughafengebühren der Airlines wieder hereingeholt werden. Für 2023 steht in Frankfurt eine Anhebung um 4,9 Prozent schon fest. Weitere Erhöhungen ab 2024 seien zu erwarten.

ERHOLUNG VERSTÄRKT SICH

Fraport rechnet angesichts der starken Reisenachfrage mit einem höheren Verkehrsaufkommen am Airport Frankfurt in diesem Jahr. „Für Frankfurt erwarten wir auf Gesamtjahressicht nun zwischen 45 und 50 Millionen Passagiere und damit ein höheres Aufkommen als noch zum Jahresanfang angenommen“, erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte. Verglichen mit rund 70 Millionen vor Ausbruch der Corona-Pandemie wären das 63 bis 71 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Bisher ging das Unternehmen von 39 bis 46 Millionen Fluggästen aus. Der größte deutsche Flughafen erholt sich dennoch langsamer als die touristisch geprägten Airports im Ausland, an denen Fraport beteiligt ist – die griechischen Regionalflughäfen zählten zuletzt mehr Fluggäste als 2019. 

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz von Fraport um 66 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) legte um zwei Drittel zu auf 182 Millionen Euro zu. Unter dem Strich schrieb Fraport aber einen Verlust von 53 Millionen Euro, weil das Darlehen an den Betreiber des Flughafens St. Petersburg von 163,3 Millionen Euro vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine vollständig abgeschrieben wurde. Die Wertminderung bedeute aber kein Anteilsverkauf, erklärte Schulte. Ein Verkauf der Beteiligung sei weiterhin bis 2025 ausgeschlossen.

Die Abschreibung führt zu einer geringeren Prognose für den Nettogewinn im Gesamtjahr von Null bis 100 Millionen Euro statt 50 bis 150 Millionen Euro. Der Betriebsgewinn soll zugleich höher ausfallen, da neben der stärkeren Verkehrsentwicklung der Verkauf des Anteils am chinesischen Flughafen Xi’an zu Buche schlägt. Fraport erwartet jetzt einen Vorsteuergewinn von 400 bis 520 Millionen Euro, zuvor waren es 320 bis 440 Millionen Euro.

Fraport – 50 Millionen Euro mehr Kosten für mehr Personal

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Titelfoto: Symbolfoto

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