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Mittwoch, Februar 1, 2023

EZB-Währungshüter erwarten längeren Kampf gegen Inflation

Expertenmeinungen

Paris/Lissabon/Helsinki, 16. Dez – Führende Währungshüter der EZB rechnen auch nach der jüngsten Zinsanhebung noch mit weiteren Schritten nach oben um jeweils einen halben Prozentpunkt. Sie gehen dabei von einem länger währenden Kurs der Zinsanhebungen aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag den Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf nunmehr 2,50 Prozent angehoben und weitere Schritte nach oben in Aussicht gestellt. „Wir werden den Kurs beibehalten und alles tun, was nötig ist, um die Inflation einzudämmen und sie auf dem Zielniveau zu stabilisieren“, sagte Finnlands Notenbankchef, Olli Rehn, am Freitag auf einer Veranstaltung. Nicht überall im Euro-Raum stieß der Straffungskurs auf Zustimmung. Kritik kam von der neuen Regierung in Italien.

Es sei noch ein langer Weg zu gehen, sagte Rehn. Aus seiner Sicht wird die EZB auf ihren nächsten Zinssitzungen im Februar und im März die Zinsen voraussichtlich um jeweils einen halben Prozentpunkt anheben müssen. Auch Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau stllt sich auf einen lange währenden Straffungskurs ein. „Wir haben die erste Hälfte der Partie beendet, aber das Spiel ist noch nicht vorbei,“ sagte er am Freitag dem französischen Radiosender BFM Business. Die EZB sei entschlossen, bis Ende 2024, Ende 2025 die Inflation wieder zurückzudrängen auf zwei Prozent. Diese Marke strebt die Euro-Notenbank als Optimalwert für die Wirtschaft im Währungsraum an. Davon ist sie aktuell weit entfernt: Die Teuerungsrate lag im November mit 10,1 Prozent fünf mal so hoch. 

Noch stärkere Jumbo-Zinsanhebungen um 0,75 Prozentpunkte wie im September und Oktober sind aus Sicht von Portugals Notenbankchef Mario Centeno allerdings voraussichtlich vom Tisch. „Die Rückkehr zu einer Erhöhung um 75 Basispunkte ist ein Ereignis mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit“, sagt er am Freitag in Lissabon. Es gebe inzwischen eine Annäherung an den sogenannten neutralen Zinssatz, der eine Volkswirtschaft weder bremst noch anheizt. „Jeder Zinsanstieg, der sich restriktiv auswirkt, muss uns sehr zu denken geben,“ sagte er. Die Gefahr einer Überreaktion sei sehr groß. „Im Februar wird es wahrscheinlich eine weitere Anhebung um 50 Basispunkte geben“, so Centeno.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte am Donnerstag auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss in ungewöhnlich deutlichen Worten weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Sie führte aus, dass eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt voraussichtlich auch für die nächsten Zinssitzungen der Takt sei. Aus Sicht von Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann haben die Finanzmärkte die Ansage von Lagarde verstanden, wie er am Freitag in Wien sagte. Die kämpferische Botschaft der EZB sei für ihn wie eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte, führte er aus.

KRITISCHE TÖNE AUS ROM

Sein Ratskollege Klaas Knot, der Notenbankchef der Niederlande, erwartet, dass die EZB die Sätze aber voraussichtlich nicht auf das gleiche Niveau anheben wird wie die US-Währungshüter der Fed, sagte er in Amsterdam. Ein Teil des Zins-Unterschieds werde zwar verschwinden. „Meine Vorhersage ist, dass wir die Lücke nicht ganz schließen werden, weil das Problem in den USA tiefer verwurzelt ist als in Europa,“ führte er aus.

In Italiens neuer rechtsgerichteter Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni löste der Straffungskurs der Euro-Wächter unterdessen ein kritisches Echo aus. Der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini kritisierte diesen als „unglaublich, verblüffend, beunruhigend“. Aus Sicht von Italiens Außenminister Antonio Tajani ist es fair, die EZB zu kritisieren, wie er am Freitag dem Radiosender RAI sagte. „Ich war immer sehr skeptisch gegenüber der Entscheidung, die Zinssätze in Europa zu erhöhen“, merkte er an. Der Renditeaufschlag (Spread) italienischer Staatsanleihen zu Bundesanleihen hatte sich nach dem Zinsbeschluss deutlich ausgeweitet.

EZB-Währungshüter erwarten längeren Kampf gegen Inflation

Quelle: Reuters

Symbolfoto: Bild von Edi Nugraha auf Pixabay

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