Experten warnen G20-Finanzminister vor Schuldenkrise armer Länder

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Jakarta/Berlin, 17. Feb (Reuters) – Experten haben zu Beginn des G20-Finanzministertreffens in Jakarta vor einer Schuldenkrise besonders armer Länder gewarnt. Indonesien als Gastgeberland der Beratungen am Donnerstag und Freitag kündigte an, Schuldenerleichterungen seien eines der Themen auf der Agenda. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge sind rund 60 Prozent der Entwicklungsländer – vor allem aus Afrika – bereits wegen ihrer Schulden in einer Notlage oder davon akut bedroht. Nach Berechnungen der Weltbank müssen 74 Entwicklungsländer dieses Jahr zusammen 35 Milliarden Dollar an ihre Gläubiger zurückzahlen – in einer Zeit, in der die Zinsen wieder steigen und die Finanzierungskosten besonders für riskantere Anlagen teurer werden.

In den ersten beiden Corona-Krisenjahren 2020 und 2021 wurden den ärmsten Ländern alle Zins- und Tilgungszahlungen noch gestundet, damit sie Geld haben, gegen die Pandemie anzukämpfen. Diese Hilfen sind mittlerweile ausgelaufen, weswegen der Druck jetzt steigt.

Die G20-Länder hatten sich in der Krise auf einen Rahmen verständigt, wie künftig mit Fällen umgegangen werden soll, wenn ganze Länder vor der Pleite stehen. Viele Länder fürchten aber, am Kapitalmarkt abgestraft zu werden, wenn sie sich für Hilfen im Rahmen des sogenannten Common Frameworks anmelden. „Es gibt ihnen keinen Anreiz“, sagte Daouda Sembene vom Washingtoner Zentrum für globale Entwicklung zu Reuters. Andere Länder wie Sambia, Äthiopien oder der Tschad warten trotz Anträgen beim Common Framework noch auf Hilfen.

US-Finanzministerin Janet Yellen hatte im Vorfeld des G20-Treffens bereits gefordert, ärmere Staaten bräuchten dringend Hilfen. Hung Tran vom Think Tank Atlantic Council sagte, die G20-Initiativen zum Umgang mit hohen Schuldenständen seien weitgehend gescheitert.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa will erreichen, dass der Common Framework schneller zu Entscheidungen kommt und Zinszahlungen während der Verhandlungen eingefroren werden. China spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Volksrepublik ist in den vergangenen Jahrzehnten zum wichtigsten Gläubiger afrikanischer Staaten geworden. Schulden abzuschreiben, sei für China bislang aber immer ein Tabu gewesen, so ein G20-Insider.

Indonesiens Präsident Joko Widodo sagte zu Beginn der G20-Beratungen, es sei nicht die Zeit für Rivalitäten. Das Treffen in Jakarta, an dem viele Finanzminister und Notenbankchefs wegen der Omikron-Welle nur virtuell teilnehmen, wird überschattet vom befürchteten Angriff Russlands auf die Ukraine. Am Freitag wird ein Abschlussdokument mit den G20-Prioritäten erwartet. Wegen der sehr unterschiedlichen Interessen fürchten viele Beobachter aber eher allgemeine Einschätzungen statt klarer Ziele. 

Experten warnen G20-Finanzminister vor Schuldenkrise armer Länder

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