Dienstag, April 23, 2024
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Europas Anleger treten zum Monatsanfang auf die Bremse

Frankfurt, 02. Mai (Reuters) – Die Furcht vor US-Zinserhöhungen und maue Konjunkturdaten aus China haben dem Wonnemonat Mai einen trüben Start an Europas Börsen beschert. Der Dax gab am Montag rund ein Prozent auf 13.951 Punkte nach, der EuroStoxx50 verlor rund zwei Prozent auf 3727 Zähler. „Im Moment wird jede Erholungsbewegung durch Verkäufe abgewürgt, noch bevor sie richtig begonnen hat“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Da ist es sicherlich nicht hilfreich, dass jetzt ausgerechnet der Mai beginnt, dem ein besonders schlechter Ruf vorauseilt.“ 

Am Vormittag sorgte zudem kurzzeitig ein heftiger Kursrutsch für Aufregung. Der EuroStoxx50 rutschte um bis zu drei Prozent ab; an der Börse in Stockholm.OMXS30 ging es zeitweise um bis zu acht Prozent nach unten. Der Spuk war allerdings zügig wieder vorbei. Die genaue Ursache für den „Flash Crash“ blieb zunächst unklar. „Da hat wohl ein Anleger die Börsenweisheit ‚Sell in May and go away‘ (Verkaufe im Mai und ziehe Dich zurück) zu wörtlich genommen“, witzelte ein Aktienhändler. Ein anderer Börsianer tippte auf eine Kaskade automatisierter Verkäufe.

An der Wall Street deuteten die US-Futures hingegen zunächst auf einen freundlicheren Handelsstart hin. Enttäuschende Geschäftszahlen der beiden Technologiekonzerne Amazon und Apple hatten vor dem Wochenende die US-Börsen belastet und den Dow Jones Index am Freitag 2,8 Prozent sowie den technologielastigen Nasdaq-Index mehr als vier Prozent abrutschen lassen.

GEGENWIND AUS CHINA 

Auf die Stimmung drückte zum Wochenanfang auch der überraschend deutliche Rückgang des Barometers für die Laune der Einkaufsmanager aus der chinesischen Industrie. Die am Wochenende veröffentlichten Indizes aus China zeigten unmissverständlich, welchen Schaden die Lockdowns in der Wirtschaft anrichteten, sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou. „Obwohl Peking in den nächsten Monaten weitere Unterstützungsmaßnahmen ergreifen dürfte, werden die virusbedingten Einschränkungen den Wirtschaftsaktivitäten wohl einen heftigen Dämpfer versetzen.“

Dies schlug sich unter anderem in einem fallenden Preis für die Rohöl-Sorte BrentLCOc1 aus der Nordsee nieder, die sich knapp vier Prozent auf 103,37 Dollar je Barrel (159 Liter) verbilligte. 

Auch der anstehende Zinsentscheid der US-Notenbank schürte die Nervosität am Markt. Die Fed werde den Schlüsselsatz am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt oder mehr anheben und dieses Tempo so lange beibehalten, bis der Inflationsdruck nachlasse, prognostizierte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Da dieser Zeitpunkt gefühlt sehr weit in der Zukunft liegt, breitet sich unter den Anlegern eine gewisse Resignation aus. Sie müssen mit der Situation klarkommen, dass derzeit sowohl Anleihen als auch Aktien gleichzeitig fallen.“ 

KPMG VERWEIGERT ADLER GROUP TESTAT

Bei den deutschen Aktienwerten sorgte ein Rekord-Kurssturz bei Adler Group von zeitweise fast 50 Prozent für Aufsehen. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG verweigerten dem Immobilien-Investor das Testat für den Jahresbericht 2021. Der Hedgefonds Viceroy des Investors Fraser Perring wirft Adler Bilanz-Tricksereien vor. KPMG hatte bei einer separaten Sonderprüfung zwar keinen systematischen Betrug, aber Mängel festgestellt. Im Sog von Adler gerieten auch die Titel des Großaktionärs VonoviaVNAn.DE unter Druck, die zudem mit einem Dividendenabschlag gehandelt wurden. 

In Kopenhagen steuerten Vestas mit einem Kursverlust von zeitweise gut elf Prozent auf den größten Tagesverlust seit sechs Monaten zu. Der Windkraftanlagen-Bauer machte einen überraschend hohen operativen Quartalsverlust von 329 Millionen Euro und warnte für das Gesamtjahr vor einer negativen Marge von minus fünf Prozent. Einziger Lichtblick seien der Auftragsbestand und die höheren Preise für neue Orders, sagte Analyst Per Hansen vom Finanzdienstleister Nordnet. Im Sog von Vestas gaben die Titel von Nordex und Siemens Gamesa knapp sechs Prozent nach.

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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