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Europas Anleger scheuen Risiken – Dax und Pfund im Minus

Frankfurt, 21. Okt – Trübe Konjunkturaussichten schicken Europas Börsen zum Wochenschluss in den Keller. Dax und EuroStoxx50 lagen am Freitagnachmittag ein und 1,2 Prozent im Minus bei 12.638 und 3451 Zählern. An der Wall Street sorgte das schleppende Umsatzwachstum des Snapchat-Betreibers Snap vorbörslich für Kursverluste. Da an der Inflationsfront keine Entspannung in Sicht ist, zogen zudem die Zinsen an den Anleihemärkten weiter an. 

Der Druck auf die Notenbanken bleibt Marktteilnehmern zufolge also hoch. „Es besteht immer noch große Unsicherheit über die Wirtschaft, die Inflation und wo die Zinssätze enden werden, und nichts davon ist für eine starke nachhaltige Erholung der Aktienmärkte förderlich“, sagte Stratege Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. Inzwischen rechneten Börsianer mit einem Maximalsatz bei den US-Leitzinsen von bis zu fünf Prozent. „Bei einem derzeitigen Leitzins-Korridor von drei bis 3,25 Prozent ist damit nur etwas mehr als die Hälfte der Strecke geschafft“, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets.

REGIERUNGSCHAOS IN GROSSBRITANNIEN – PFUND UNTER DRUCK

Wegen der Spekulationen auf anhaltende kräftige Zinserhöhungen der Notenbanken flogen bereits gehandelte, niedriger verzinste Bonds aus den Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf ein Elf-Jahres-Hoch von 2,532 Prozent. Die der zehnjährigen US-Staatsanleihen kletterte mit 4,338 Prozent auf den höchsten Stand seit November 2007.

Das Pfund Sterling stürzte dagegen um 0,9 Prozent auf 1,1132 Dollar ab, nachdem ihm die Rücktrittsankündigung der britischen Premierministerin Liz Truss am Donnerstag zu einem kurzen Kurssprung verholfen hatte. „Ich denke, das war eine Kurzschlussreaktion auf eine zumindest vorübergehende Entspannung der politischen Unsicherheit im Vereinigten Königreich“, sagte Anlagestrategin Carol Kong von der Commonwealth Bank of Australia. Es herrsche aber wenig Zuversicht, dass es Stabilität in der Regierung geben werde, sagte Erlam. „Die Tatsache, dass Boris Johnson eine spektakuläre Rückkehr schaffen könnte, fasst ziemlich genau zusammen, wie chaotisch die Situation ist.“

LICHT UND SCHATTEN BEI BILANZEN

Die Münchener Rück punktete mit einem überraschenden Gewinn im Quartal. Die Aktien kletterten um 3,5 Prozent an die Dax-Spitze. Die Analysten von Jefferies wiesen auf eine positive Überraschung bei den Investitionen im Bereich Leben/Gesundheit Deutschland der Tochter Ergo hin. Zudem hält der weltgrößte Rückversicherer trotz eines Milliardenschadens aus dem Hurrikan „Ian“ an seiner Gewinnprognose fest.

Ein schwächelndes Geschäft der Modemarke Gucci überschattete dagegen die robusten Zahlen der Mutter Kering. Die Aktien des Luxusgüter-Herstellers fielen in Paris um bis zu fünf Prozent, so stark wie zuletzt vor einem knappen halben Jahr. Im Sog von Kering verlieren Rivalen wie LVMH oder Richemont bis zu 2,5 Prozent. 

Auch L’Oreal konnte mit seinem Umsatzplus über Markterwartungen bei Anlegern nicht punkten. Die Aktien des Kosmetik-Herstellers steuerten in Paris mit einem Minus von zeitweise 5,6 Prozent auf den größten Tagesverlust seit zweieinhalb Jahren zu. Analysten wiesen das schwächelnde Geschäft der ertragsstarken Sparte Luxe hin.

Europas Anleger scheuen Risiken – Dax und Pfund im Minus

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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