Europa besonders stark von Energiekrise betroffen
Europa zählt aufgrund seiner Energieabhängigkeit zu den Regionen, die am stärksten von der anhaltenden Energiekrise betroffen sind. Diese Anfälligkeit trifft Europas Wachstumsstrategie zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Energieintensive Sektoren unter Druck
Der erwartete Wachstumsimpuls für die kommenden Jahre sollte von Verteidigungsausgaben, öffentlicher Infrastruktur und einer teilweisen Reindustrialisierung kommen. Diese Sektoren gehören zu den energieintensivsten Bereichen der Wirtschaft. Höhere und volatilere Energiepreise treffen daher genau die Bereiche, auf die sich die politischen Entscheidungsträger verlassen hatten, um Impulse zu setzen.
Realwirtschaft stärker betroffen als Inflation
Im Gegensatz zur Zeit nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine dürfte der aktuelle Schock in der Realwirtschaft deutlich spürbar sein, während die Inflation vergleichsweise gedämpft bleibt. Sie könnte zwar Werte im mittleren einstelligen Bereich erreichen, bleibt jedoch hinter dem starken Anstieg nach 2022 zurück.
Angebotsschock belastet Wachstumsperspektiven
Höhere Energiepreise wirken wie ein klassischer Angebotsschock, der die Kosten für Haushalte und Produzenten erhöht und letztlich die Konjunktur belastet. Wachstumsbedenken dürften daher die nächste Phase der Marktpreisbildung dominieren, insbesondere wenn die angespannten finanziellen Rahmenbedingungen anhalten.
EZB korrigiert Wachstumsprognosen nach unten
Die Entscheidungsträger der EZB haben das BIP Wachstum für 2026 um rund 0,3 Prozentpunkte nach unten korrigiert, da höhere Energiekosten und Unsicherheit den Konsum und die Investitionen belasten. Italien zeigt diese Dynamik besonders deutlich.
Italien im Fokus der wirtschaftlichen Risiken
Die zuvor erwartete Entwicklung hin zu größerer politischer Stabilität und solideren Haushaltsergebnissen steht nun unter Druck. Italiens hohe Abhängigkeit von LNG Importen und seine energieintensive Industrie werfen grundlegende Fragen zum zukünftigen Wachstumsmodell auf.
Geopolitische Verschiebungen verstärken den Druck
Über Italien hinaus gewinnt die geopolitische Dimension an Bedeutung. Russland geht wirtschaftlich gestärkt aus dem Konflikt hervor und profitiert von steigenden Energieeinnahmen. Europas Plan, russische LNG Importe bis 2027 auslaufen zu lassen, könnte zusätzliche Risiken bergen.
Steigende Staatsausgaben erhöhen fiskalischen Druck
Die Notwendigkeit höherer Verteidigungsausgaben nimmt zu. Gleichzeitig belasten Energiehilfen für Haushalte und Unternehmen die öffentlichen Haushalte zusätzlich. Ohne eine koordinierte fiskalische Strategie könnte es schwierig werden, diese Herausforderungen langfristig zu bewältigen.
Kommentar von Katharine Neiss, Chefökonomin für Europa im Fixed-Income-Geschäft von PGIM
Bild Quelle: PGIM
Quelle TE Communications GmbH


















