Freitag, April 12, 2024
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Einzelhändler kämpfen vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts mit Lieferproblemen

Berlin, 20. Sep – Die deutschen Einzelhändler machen sich vor Beginn des umsatzträchtigen Weihnachtsgeschäfts Sorgen um den Nachschub an Waren. Im August klagten 77,5 Prozent der Einzelhändler über Lieferprobleme, nach 77,3 Prozent im Juli. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervor. „Im Moment sieht es überhaupt nicht danach aus, dass sich die Probleme in der Vorweihnachtszeit entspannen werden“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

Die Situation in den Lieferketten ist dem Handelsverband Deutschland (HDE) zufolge vielerorts sehr angespannt. „Ursache dafür sind vor allem die wiederholten Lockdowns in China, die Fabriken und Häfen lahmlegen und für große Verzögerungen sorgen“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der Nachrichtenagentur Reuters. „Gerade die Containerschifffahrt braucht Wochen bis Monate, bis alles wieder im richtigen Takt ist.“ Einer Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zufolge stecken aktuell rund elf Prozent aller verschifften Waren fest.

„SEHR UNBEFRIEDIGEND“

Das bekommen etwa die Fahrradhändler zu spüren: Hier berichten 95,5 Prozent von Lieferproblemen. Ähnliches melden die Händler von Haushaltsgeräten (95,5 Prozent) und Unterhaltungselektronik (95,7 Prozent). Bei den Spielwarenhändlern hat sich die Situation dagegen ein wenig entspannt. Nachdem im Juli noch 100 Prozent über ausbleibende Ware klagten, waren es im August 73,5 Prozent.

„Für die betroffenen Handelsunternehmen ist diese Situation mit Blick auf das nahende Weihnachtsgeschäft sehr unbefriedigend, die Kunden müssen aber keine leeren Regale fürchten“, sagte HDE-Experte Genth. Die Bestellungen für das Weihnachtsgeschäft seien meist schon vor einigen Monaten getätigt worden. Viele Waren seien deshalb zwar mit Verspätung, aber doch noch rechtzeitig eingetroffen. „Und selbst, wenn bestimmte Waren knapp werden, gibt es in den allermeisten Fällen Produkte, auf die Kundinnen und Kunden ausweichen können“, sagte Genth.

Konsumforscher rechnen in diesem Jahr angesichts voller Lager und schwindender Kaufkraft mit einem frühen Beginn des Weihnachtsgeschäfts im deutschen Einzelhandel. „Der Druck ist in diesem Jahr besonders stark, rechtzeitig dabei zu sein“, sagte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH Köln), Kai Hudetz, kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters. „Denn viele Händler haben durch allgemeine Konsumzurückhaltung infolge von Inflation und Preissteigerungen volle Lager.“

Nicht nur die Lieferengpässe drücken derzeit auf die Stimmung im Einzelhandel. „Auch die hohen Inflationsraten dämpfen die Einkaufslust der Kunden“, sagte Ifo-Experte Wohlrabe. Im August lag die Teuerungsrate bei 7,9 Prozent. Mit Auslaufen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sei im September mit einem weiteren Schub zu rechnen, sagt die Bundesbank voraus. Die Inflationsrate dürfte „in den nächsten Monaten in den zweistelligen Bereich vorrücken“.

Einzelhändler kämpfen vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts mit Lieferproblemen

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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