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Freitag, Februar 3, 2023

„Das Metaverse ist nur ein Hirngespinst einer einzelnen Person.“

Expertenmeinungen

In dieser Tonart werden Kritiker oft sehr kreativ, wenn es darum geht, ausschließlich etwas Negatives hinter einer neuen Branche zu sehen. Doch es wäre zu einfach, würde man nur eine Seite der Medaille betrachten. Der Begriff „Metaverse“ ist zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Debatte geworden, zum Teil bis in den Bundestag hinein.

Es gibt eine Vielzahl von Themen, die im Zusammenhang mit dem Metaverse diskutiert werden, von potenziellen Anwendungen bis hin zu den Auswirkungen auf die Privatsphäre und rechtlichen Aspekte. Befürworter argumentieren, dass es Branchen revolutionieren könnte, indem es neue Wege der Interaktion schaffe. Andere kritische Stimmen hingegen sehen überwiegend die Gefahren, weil das dahinterstehende amerikanische Unternehmen Meta als Synonym für das Metaverse verstanden wird.

Wird ein Mensch als Dieb geboren?

Die Vorstellung, dass ein Kind mit einer weißen Weste geboren wird und dass das, wovon es später beeinflusst wird, sowohl positiv als auch negativ sein kann, ist weithin akzeptiert. Es liegt bei den Eltern, Erziehungsberechtigten und der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass das Umfeld des Kindes ihm hilft, sein Potenzial voll auszuschöpfen, indem es ihm Unterstützung, Fürsorge und Anleitung bietet. Mit der Technologie verhält es sich ähnlich. Sie ist zunächst weder positiv noch negativ.

Die Frage ist aber von wem sie wie dazu benutzt und wozu sie letztlich gemacht wird. Die „Web3“-Technologie, ein breiter Begriff, der eine Reihe neuer Technologien und Protokolle im Zusammenhang mit der Dezentralisierung beschreibt. Dazu gehören virtuelle miteinander verbundene Welten, die Blockchain und andere Sub-Technologien wie NFTs oder Coins. Das Interessante daran ist, dass diese nicht einmal in Abhängigkeit zueinanderstehen.

Wer virtuelle Welten in seinem Unternehmen einsetzen möchte, ist nicht abhängig von der Blockchain. Wer Bezahlungen mit einer digitalen Währung auf Blockchain-Basis akzeptieren will, muss nicht erst ein Metaverse aufbauen. Jeder dieser Aspekte ist für sich gesehen vollständig autark. Sie haben aber ein gemeinsames Ziel: Den Menschen als Individuum in das Zentrum zu rücken: Ortsunabhängig (dezentral) und Zeitunabhängig (permanent verfügbar). 

Das erzeugt bei vielen Unternehmen, deren Geschäftsmodelle sehr zentralisiert sind, ein mulmiges Gefühl. Denn wo Veränderung entsteht, ist auch ein Geschäftsmodell möglicherweise in Gefahr. Das erzeugt nachvollziehbar eine erhöhte Alarmbereitschaft. 

Also einfach ignorieren?

Sehen wir uns die sich daraus resultierenden Chancen am Beispiel einer Personalabteilung an, die sich aus der Nutzung virtueller Räume ergeben.

Mit der wachsenden Welt der virtuell vernetzten Räume sind Unternehmen in der Lage, die Vorteile digitaler Räume für ihre Personalstrategien zu nutzen. Virtuelle Räume helfen Unternehmen dabei, für Bewerber und potenzielle Interessenten ein Erlebnis mit Alleinstellungsmerkmalen zu schaffen, um die Unternehmenskultur auf eine Art und Weise kennenzulernen, die ein Telefonat oder Videokonferenz niemals erzeugen können. 

Die Darstellung der Unternehmenszentrale (Digital Twin) in einer virtuellen Welt zeigt, wie die Personen dort arbeiten. Für Bewerber, die mehrere hundert Kilometer entfernt wohnen ist, dass ein positives Merkmal wie innovativ das neue Unternehmen ist. Für einen späteren Onboarding-Prozess ist das viel spannender als das Lesen von Word, PDF oder sonstigen Dokumenten.

Virtuelle Welten bieten Unternehmen eine Reihe von Möglichkeiten zur Förderung von Inklusion und Unternehmenskultur. Zum einen können die Beschäftigten eine Umgebung erleben, in der alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren körperlichen Fähigkeiten gleichberechtigt sind; ohne wertende Haltungen. Das fördert die Vielfalt und Selbstbestimmung in der Zusammenarbeit, mit digitalen Avataren, die jedes Teammitglied repräsentieren. Für Unternehmen sind das kulturelle Werte, zu denen virtuelle Welten einen entscheidenden Beitrag leisten.

metaverse myverse
Die MyVerse GmbH als begehbarer Nachbau im Metaverse Framevr.io

Das Web3 und all seine Facetten wirken sich dabei nicht nur auf Unternehmen aus, sondern auch auf unsere politischen Systeme. Politiker diskutieren über die möglichen Anwendungsszenarien, die mit dieser Form der Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten schaffen. Wichtig sind dabei ihre Folgen für unsere Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Es wird viel darüber diskutiert, was geregelt werden muss, wenn es um den Datenschutz oder den Schutz der Privatsphäre im Zusammenhang mit digitalisierten Prozessen geht. Die Einführung der Web3.0-Technologie sollte mit angemessenen rechtlichen Richtlinien einhergehen, die sowohl den Nutzer als auch das Unternehmen schützen.

Diese Vorschriften sollten sicherstellen, dass digitale Marktplätze für alle Beteiligten fair sind und dass der Datenschutz von den Unternehmen, die sie nutzen, hochgehalten wird. Außerdem würden solche Richtlinien Klarheit darüber schaffen, wie die Menschen diese neue Technologie nutzen.

Deutschland hat nun die Chance den Meilenstein Web3.0 für den Erfolg im neuen digitalen Zeitalter zu nutzen. Und wir möchten mit aller Kraft dazu beitragen, dass all die Anwendungsfälle sinnvoll von den Menschen genutzt werden. Letztlich sind sich alle Seiten einig, dass die digitale Technologie großes Potenzial hat. Aber wie in allen Bereichen dürfen wir „Chancen nutzen“ und „Risiken abwägen und verringern“.

Über den Autor:

Stefan Spelter ist Geschäftsführer der MyVerse GmbH.

Die MyVerse GmbH ist seit 2022 ein Beratungsunternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Digitalisierung sowie die Verbreitung und Implementierung von innovativen Softwarelösungen rund um Dezentralisierung und Web 3.0 voranzutreiben. Zu den Kernkompetenzen der MyVerse GmbH zählen in diesem Kontext das Change-Management und die Einbindung der Menschen beim Onboarding neuer Lösungen, ebenso wie die Überwindung regulatorischer Hürden im Rahmen des Datenschutzes und der IT-Sicherheit. Sie entwickelt Software und Dienstleistungen, sowie entsprechende Use Cases im Bereich IT, AR, VR, KI und Mixed Reality.

Die MyVerse GmbH ist Partner der Mission Top 5 und TheGrow, sowie strategischer Partner im europäischen Raum von Virbela und FRAME.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

„Das Metaverse ist nur ein Hirngespinst einer einzelnen Person.“

Titelfoto und Foto: MyVerse GmbH

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