Donnerstag, April 18, 2024
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Darum hat die Tokenisierung so viel Potenzial

Die Digitalisierung schreitet voran. Ein Teil davon ist der Tokenisierungsprozess, bei dem verschiedene Finanzprodukte digitalisiert werden. Anteile, die früher in Papierform ausgegeben wurden, werden heutzutage digital wiedergegeben, wobei oft noch ein Broker oder Mittelsmann diese Aufgabe übernimmt. Die Blockchain-Technologie vereinfacht viele Prozesse. Doch was können wir in Zukunft von der Tokenisierung erwarten?

Für welche Branchen bietet die Tokenisierung besonders großes Potenzial?

Der Begriff Tokenisierung wird derzeit hauptsächlich im Zusammenhang mit regulierten Finanzprodukten verwendet, oft im Kontext von Real World Assets (RWA), das sind Werte aus der realen Welt. Dadurch ist es heute möglich, Anteile digital in Form eines Blockchain-Tokens abzubilden. Jeder Anleger kann seine Anteile auf seiner eigenen Kryptowallet in Form von Sicherheitstokens halten. Im Gegensatz zu Utility Tokens, die von ICOs oder NFTs bekannt sind, sind Sicherheitstokens nicht so einfach zu erstellen und herauszugeben. Sie müssen den Regeln der zuständigen Finanzbehörde entsprechen, in Deutschland ist das die BaFin.

Tokenisierungsprojekte sind nicht unsicherer als herkömmliche Finanzinstrumente. Die Blockchain-Technologie bietet eine neue Art der Repräsentation und vereinfacht unter anderem die Übertragbarkeit und den Handel, und bietet zudem ganz neue Möglichkeiten dank Web3. Dabei unterliegen die Projekte denselben Regeln wie herkömmliche Finanzinstrumente.

Potenzial für Immobilien und Unternehmen

Für Immobilien bietet die Tokenisierung eine gute Möglichkeit, da sie nicht mehr nur an einen Eigentümer, sondern an mehrere gleichzeitig verkauft werden können. Investoren müssen nicht die gesamte Immobilie kaufen, sondern können Bruchteile erwerben, die durch Blockchain-Tokens repräsentiert werden. Die Mieteinnahmen der Immobilie, abzüglich Verwaltungskosten, werden anteilig an alle Tokeninhaber ausgeschüttet. Das geschieht in der Regel jährlich, aber auch quartalsweise, monatlich oder sogar täglich wäre technisch möglich.

Auch im Bereich der Tokenisierung von Unternehmen wird es interessant. Unternehmen, die expandieren möchten und daher Kapital benötigen, können mithilfe der Tokenisierung Geld von mehreren Investoren gleichzeitig aufnehmen. Beim traditionellen Fundraising müssen die Investoren zum Notar gehen, um Anteile zu übertragen. Mit der Tokenisierung erfolgt die Geldaufnahme automatisiert und ohne Notar. Die Tokens werden an die Investoren übertragen, nachdem das Geld überwiesen wurde, entweder vom Unternehmen selbst oder automatisch über eine Tokenisierungsplattform. Alles ist voll automatisiert und funktioniert ohne die Offline-Hürden, die es gerade in Deutschland gibt. Hier können beispielsweise Gesellschaftsanteile nicht so einfach online übertragen werden. Es gibt verschiedene Arten von Tokens, wie Equity, Anteile, Genussrechte oder Anleihen mit variablen oder festen Zinssätzen.

Zusammenspiel von DeFi und Tokenisierung

Decentralized Finance (DeFi) bietet einige effektive, dezentrale Angebote wie dezentralen Handel. Security Tokens können vollständig mit DeFi integriert werden, ohne Einbußen wie erforderliche KYC-Prozesse und Einhaltung aller Regeln. Die Lösung dafür ist ein sogenannter KYC-NFT, der den Handel mit Security Tokens an dezentralen Börsen ermöglicht. Gleichzeitig wird der Herausgeber immer darüber informiert, wer gerade im Besitz von Tokens ist. Für den Investor besteht nämlich eine KYC-Pflicht.

Die Security Tokens werden in das Wallet des Investors übertragen. Wer sich bereits lange im Web3 oder im dezentralen Internet aufhält und dApps verwendet, weiß, wie einfach man sein eigenes Wallet mit der Anwendung verbinden kann. Die Anwendung weiß dann, wer man ist und wie viele Tokens man besitzt. Das ermöglicht Online-Unternehmen, die ihre Dienstleistungen ausschließlich online anbieten, eine völlig andere Form der Interaktion mit dem Investor. So können Investoren, die eine bestimmte Summe in das Projekt investiert haben, bestimmte Vorteile erhalten. Beispielsweise könnte ein Hotel den Investoren, die mindestens 50.000 € investiert haben, kostenfreien Zugang zum Spa-Bereich gewähren.

Die Nachteile und Herausforderungen

Insbesondere größere oder institutionelle Investoren stellen sich oft die Frage, wie solche Tokens nicht nur erworben, sondern auch mittel- bis langfristig gehalten werden können. Oftmals fehlen interne Prozesse oder Infrastruktur, um Kryptowerte zu halten. Dies stellt für Projektinhaber eine Herausforderung dar, da es größere Investoren möglicherweise eher von einer Investition in solche Projekte abhalten könnte. Hier gibt es jedoch eine einfache Lösung: regulierte Kryptoverwahrer. Die BaFin hat bereits einige Lizenzen dafür vergeben. Der Kryptoverwahrer erfüllt sozusagen eine der Hauptaufgaben und agiert ähnlich wie der Broker in der herkömmlichen Finanzwelt. Dadurch wird keine eigene Infrastruktur benötigt.

Ausblick

Die Tokenisierung steckt noch in den Anfängen, es ist noch viel mehr möglich. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind gegeben, insbesondere in Deutschland hat es viele positive Entwicklungen gegeben. Täglich werden neue Projekte gestartet. Der Markt ist riesig, denn grundsätzlich kann alles, was einen Wert hat, tokenisiert werden. Das betrifft Unternehmensanteile aller Art, verschiedene Produkte, Kunstwerke und alles, was als Wertgegenstand betrachtet werden kann, aber auch immaterielle Dinge wie Patente. Es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, bis die Technologie akzeptiert wird, aber langfristig wird die Tokenisierung den traditionellen Aktienhandel, wie wir ihn heute kennen, aller Wahrscheinlichkeit nach vollständig ersetzen.

Autor:

Maximilian Schmidt ist CEO der CPI Technologies GmbH (https://cpitech.io/). Die Firma ist spezialisiert auf Softwareentwicklung in den Bereichen Blockchain und digitale Produktentwicklung. Am 09. April ist CPI Sponsor der Frankfurter Tokenisierungskonferenz (https://tokenizationsummit.de), wo Interessenten mehr über das Thema Tokenisierung erfahren können.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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