Credit Suisse sondiert bei Großanlegern Stärkung der Bilanz

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Zürich, 22. Sep – Die krisengeschüttelte Credit Suisse lotet Insidern zufolge bei Großanlegern eine milliardenschwere Stärkung ihrer Bilanz aus. Die Schweizer Großbank führe mit Großaktionären Gespräche über die Bedingungen einer möglichen Kapitalerhöhung, sagte eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Einem zweiten Insider zufolge hat die Bank schon von mehreren Wochen damit begonnen, Großanleger auf eine Kapitalerhöhung einzustimmen. Teil des vom Verwaltungsrat rund um Präsident Axel Lehmann angestoßenen Konzernumbaus sei auch eine Schrumpfung der Investmentbank. Dabei wurden verschiedene Szenarien diskutiert. Die am weitesten gehende Option umfasse dabei einen weitgehenden Ausstieg aus diesem Geschäft in den USA, erklärten zwei Insider. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. 

„Die Credit Suisse verlässt den US-Markt nicht“, erklärte die Bank in einer Stellungnahme. „Jede Berichterstattung, die etwas anderes suggeriert, ist kategorisch falsch und völlig unbegründet.“ Credit Suisse betreibt in den USA nicht nur Investmentbanking, sondern etwa auch Vermögensverwaltung für Profi-Anleger (Asset Management). Weitere Angaben zur Strategieüberprüfung will die Bank bei der Veröffentlichung des Quartalsabschlusses am 27. Oktober machen.

Nach der Veröffentlichung des Berichts verdoppelte die Credit-Suisse-Aktie die Kursverluste auf 5,5 Prozent und schloss mit 4,647 Franken auf dem tiefsten Stand seit mindestens 30 Jahren. 

Das von einer Reihe von Fehlschlägen geplagte Institut hatte Ende Juli die Strategie erneut auf den Prüfstand gestellt und den Konzernchef ausgewechselt. Alleine über die vergangenen drei Quartale summierten sich die Verluste auf fast vier Milliarden Franken. Angesichts der Unsicherheiten haben sich die Finanzierungskosten für die Bank deutlich erhöht. Die Analysten der Deutschen Bank schätzten die Kapitallücke in einer Ende August veröffentlichten Studie auf mindestens vier Milliarden Franken, das entspricht etwa einem Drittel des Börsenwertes des ganzen Konzerns.

Einen Teil davon könnte der Verkauf des Geschäfts mit Verbriefungen von Hypotheken und anderen Krediten einbringen, den die Bank ins Schaufenster gestellt hat. Insidern zufolge ist das Interesse von möglichen Käufern groß. Dazu gehörten Finanzinvestoren, andere Banken und auch Versicherer. Das Geschäft gilt als profitabel, aber auch als kapitalintensiv. Ein Experte schätzte den Wert des Geschäfts auf bis 2,5 Milliarden Dollar. Dazu könnten Verkäufe von weiteren kleineren Bereichen kommen. Einem Bericht der Zeitung „Financial Times“ vom Donnerstag zufolge versucht die Bank angesichts des niedrigsten Aktienkurses seit mindestens 30 Jahren verzweifelt, eine weitere Kapitalerhöhung zu vermeiden. 

Einem der Insider zufolge dürfte dies schwierig werden. Die Großanleger, mit denen die Bank Gespräche führe, stellten dabei allerdings harte Forderungen für eine Teilnahme an einer Kapitalerhöhung. Reuters hatte bereits Ende Mai berichtet, dass Credit Suisse Optionen zur Stärkung des Kapitals abwägt. Die Bank hatte damals dementiert. Innerhalb des Verwaltungsrates gingen die Meinungen auseinander, wie radikal der Schnitt beim Investmentbanking ausfallen solle. Bei einem weitgehenden Ausstieg aus dem US-Investmentbanking würde die Bank gewisse, für das Kerngeschäft mit Millionären und Milliardären wichtigen Bereiche in andere Teile der Bank verschieben.

Credit Suisse sondiert bei Großanlegern Stärkung der Bilanz

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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