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Mittwoch, Dezember 7, 2022

Bundesbank-Präsident – Sind noch weit entfernt vom neutralen Zins

Expertenmeinungen

Frankfurt, 17. Sep (Reuters) – Die EZB ist mit ihrem Straffungskurs aus Sicht von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel noch weit von dem Zinsniveau entfernt, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst wird. „Von dieser neutralen Rate, da sind wir noch ein ganzes Stück weit weg,“ sagte Nagel am Samstag auf dem Tag der offenen Tür der deutschen Notenbank in Frankfurt. Für ihn sei wichtig, dass es bei den Zinserhöhungen weiter gehe. „Da muss noch was passieren, da muss noch was nach oben gehen.“ Unter dem Motto „Backstage Bundesbank“ informiert die Notenbank am Samstag und am Sonntag in ihrer Hauptverwaltung Hessen über ihre Aufgaben und Arbeitsweisen. Am Samstag zählte die Bundesbank rund 2400 Besucher.

„Bleibt das Inflationsbild, so wie es jetzt ist, und das zeichnet sich ja so ab, dann wird mit weiteren Zinsschritten zu rechnen sein,“ sagte Nagel. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Kampf gegen die ausufernde Inflation im Juli die Zinswende eingeleitet und dabei die Schlüsselsätze erstmals seit 2011 nach oben gesetzt. Die Leitzinsen wurden um 0,50 Prozentpunkte angehoben. Bei ihrem zweiten Zinsschritt am Donnerstag vor einer Woche legten die Währungshüter noch deutlicher nach: Die Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte war die bislang stärkste Zinsanhebung seit Einführung des Euro-Bargelds 2002. Der Leitzins liegt damit inzwischen bei 1,25 Prozent und der sogenannte Einlagensatz bei 0,75 Prozent.

WEITER STEIGENDE INFLATIONSRATEN

Die Inflation habe sich schon in fast alle Lebensbereiche hineingefressen, sagte Nagel. „Wir sind noch sehr weit weg mit den Zinsen, wo die Zinsen dann zu der Inflationsrate passen, die wir anstreben werden.“ Die EZB peilt zwei Prozent Teuerung als Idealwert für die Wirtschaft an. Im August lag die Inflation im Euro-Raum aber mehr als vier mal so hoch bei 9,1 Prozent. „Die Inflation hat immer eine soziale Dimension, deshalb ist sie auch so gefährlich“, sagte Nagel. Sie sei gefährlich, was die Wettbewerbsfähigkeit anbelange, sie sei gefährlich, was die Wachstumsperspektiven betreffe. Eine schnelle Lösung könne aber nicht versprochen werden. 

Für Deutschland rechnet Nagel mit weiter steigenden Inflationraten. „Wir sehen bei der Bundesbank möglicherweise den Höhepunkt der Inflation im Dezember, zum Jahresende, möglicherweise dann auch mit Inflationraten im zweistelligen Bereich“, sagte er. Das sei zuletzt im vierten Quartal 1951 der Fall gewesen. Das zeige die Dimension, mit der es die Notenbank zu tun habe. Es könne sein, dass es zu einer wirtschaftlichen Abschwächung komme, wenn die Notenbank mit Zinserhöhungen gegensteuern müsse. Nagel geht aber nicht von einer scharfen Rezession in Deutschland aus: „Eine harsche, eine harte Rezession sehe ich für Deutschland aus heutiger Sicht nicht.“

Positiv äußerte sich der Bundesbank-Präsident zu den Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung. „Das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung ist aus Sicht der Bundesbank sehr hilfreich“, sagte er. Es setze da an, wo die Hilfe am nötigsten sei. Angesichts der stark gestiegenen Energiepreise hat die Bundesregierung ein neues Entlastungspaket von mindestens 65 Milliarden Euro zur Unterstützung der Bevölkerung und der Unternehme geschnürt. Das Volumen ist mehr als doppelt so groß wie das der ersten beiden Entlastungspakete mit insgesamt 30 Milliarden Euro.

Bundesbank-Präsident – Sind noch weit entfernt vom neutralen Zins

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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